Prominenz im Wandel: Arnold Schwarzenegger

Das war's. Mit Last Action Hero finalisierte Roman Schliesser 32 Jahre ADABEI-Kolumne,davon 26 Jahre sieben Mal die Woche. Ein würdiges Finale mit Arnold Schwarzenegger somit auch für die große freizeit-Serie über Prominenz im Wandel.

Er war schon immer ein Macho. Österreichs stärkster Export-Muskel, die "Steirische Eiche" Arnold Schwarzenegger, Filmstar und Governator aus Thal bei Graz. Als ich ihn im November 1975 zum ersten Mal in Wien traf, kam er gerade aus Südafrika, wo er zum sechsten Mal den Titel eines "Mister Olympia" gewonnen hatte, war bereits fünffacher "Mister Universum" und "Mr. World". Seine Siege verdankte er einem wohlgeformten Körper: 145 cm Brustumfang – "den wird die Sophia Loren nie kriegen" – 55 cm Bizeps, eine Taille von 75 cm, gleich stark wie seine Oberschenkel von je 75 cm und das bei einem Wadenumfang von 50 cm, einer Größe von 1,86 Metern und 108 Kilogramm. Aufmerksam wurde ich auf Muskelmann Arnie durch ein "People"-Magazin, das mir Freund Sepp Gasser, damals "Bunte"-Chefredakteur in Wien, aus den USA mitgebracht hatte. Kaum zitierte ich, meldete sich auch schon Fitness-Studiochef Bernd Zimmermann: "Der Arnold kommt direkt aus Südafrika nach Wien und dann zur Mama nach Graz." 

Im Bild: Schwarzenegger, der Charmeur als "Nackerter im Hawelka". Eigentlich war's schon der Schlussakt für das Bodybuilding. Jetzt war für den Steirer Hollywood angesagt: "In Santa Monica, wo ich seit sieben Jahr' leb, da rennen am Strand nur solche Freaks wie ich herum, Neger mit an Ring durch die Nas'n, Schattenboxer, da musst du dir schon was Besonderes einfallen lassen, um aufzufallen." Er ließ seine Brustmuskeln, die mancher flachen Dame die Körbchen gefüllt hätten, tanzen. "Zu zweit, dann nur den linken. Mit dem Trick krieg ich jede Katz' herum. My God, stammle ich dann, 'Honey, wie du mich aufregst mit deiner Traumfigur. Schau mei Herzflattern an'." Als er mit Maria Shriver zum ersten Mal in Wien eintrudelte, da lud ich ins "Hauermandl" ein. Als die Heurigengeiger "Lara's Theme" ins Ohr schluchzten, fragte der Arnie: "Liebst du mich?" – "Ja, ich liebe dich. Ich würde alles für dich tun!" – "Alles? Dann kriech'auf allen Vieren hier herum." Diesem verspielten Dialog zweier Verliebter verdankten es die staunenden Weinbeißer im "Feuerwehr-Stüberl", dass eine junge Lady der feinsten US-Politfamily auf den Knien durchs Lokal rutschte. Und während die tuschelten, beklopfte Arnold sanft den verlängerten Rücken Marias: "Des is was, so wia der Rembrandt des schön rund g'malt hat." – " . . . der Rubens, der Rubens  . . . " – "Na ja", grinste der Arnie, "der a." Das "schlamperte Verhältnis" von Arnold und seiner Maria dauerte neun Jahre lang, überstand sämtliche politischen Differenzen und eine Weltkarriere vom starken Muskel bis zum Filmstar. Zuerst wollte Schwarzenegger die erste Million Dollar verdienen, dann fünf Millionen, "ab fünf her'ns auf dich in Hollywood". Zu seinem 38. Geburtstag zog der "Terminator" eine höchst private Konsequenz: In Graz, daheim bei Mama Aurelia, die einen Tag vor ihm Geburtstag feierte, verlobte Arnold sich offiziell mit Maria Shriver, der Nichte des ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy. Knapp ein Jahr später sprachen die berühmten Brautleute an einem Sonntag im April in der kleinen, weißen St. Francis Xavier Church von Hyannis Port: "I do" ihr "Ja"-Wort. Der kleine Holzbau war gerammelt voll mit Prominenz. Unter den Gästen Jackie Onassis mit Tochter Caroline, Marias Trauzeugin, Arnolds "best man" sein Freund Franco Columbu, der sizilianische Bodybuilder, mit dem er einst ein Untermietzimmer teilte, Senator Edward Kennedy, John F. Jennedy jr., von Pop-Papst Andy Warhol bis 007-Gegenspielerin Grace Jones. In all den Jahren dazwischen hatte ich immer wieder den unaufhaltsamen Aufstieg des Parade-Steirers – "I'm from Austria" – verfolgt und registriert. Schon bei seinem ersten Wienabstecher besorgte ich ihm zwei Opernkarten für "Troubadour" und er fuhr die 195 km zur Mama nach Graz und saß mit ihr im strammen Sportsakko in der Loge. Später, bei seinen Opern-Stippvisiten in Salzburg, zu denen er mit dem "Gulfstream 4"-Privatjet andüste, trug er schon Smoking. Nach "Villain", seinem ersten Spielfilm, einer Komödie mit Kirk Douglas und Ann Margret, einem Flop, folgten Kassenknüller wie "Conan, der Barbar" und "Terminator" – und Arnolds Gage kletterte auf 12,5 Millionen Dollar samt Umsatzbeteiligung. Nach seinem Boxoffice-Hit "Total Recall" traf ich Schwarzenegger beim Filmfestival in Cannes. Eine schmerzhafte Erinnerung. Denn das Schlitzohr zischt seinen Charme grinsend durch die markante Zahnlücke, haut dir dabei die Pranke, groß wie ein Klodeckel, auf die schmächtige Schulter, dass du meinst, schon in der dritten Generation knieweich zu sein. Dabei ging's lediglich um seine neue Haarfarbe, rötlich-blond, die man ihm für "Total Recall" verpasst hatte und die er dann beibehielt. "What's about the colour?" – was ist los mit der Farbe?, wollte ich wissen. Alter Freund hin oder her, bei solchen internationalen Präsentationen spricht man eben englisch. Eine Sekunde lang fuchtelte er mit seiner ungerauchten Zigarre herum, dann legte er seinen starken Bizeps um die nicht minder breiten Schultern meines dunkelhäutigen Kolumnistenkollegen Baz Bamigboye von der Londoner "Daily Mail", strahlte ihn mit kleinem Fingerzeig auf mich an: "He's complaining about your colour – der regt sich über deine Farbe auf." Da fühlt man sich schön gelackmeiert. Später kam Arnold zurück, voll satter Zufriedenheit: "I wüll do net a Viertelstund über mei Haarfarb reden. Der Neger is schö stinkert auf di!" Nach den Dreharbeiten zu "Red Sonja" kam Schwarzenegger mit seiner kurvigen Filmpartnerin Brigitte Nielsen aus Rom nach Wien. "Vergiss, dass die mit ist", meinte er knapp. Kurz darauf kursierte in Hollywood das Gerücht, Arnie habe seinem Action-Kollegen "Rambo" Sylvester Stallone die heiße Dänin zugeschanzt: "Schwachsinn", kommentierte Schwarzenegger später knapp, "Sly Stallone ist selber schlau genug, sich eine Frau zu finden." Aber die blonde Dänin schickte laut Hollywood-Gossip ein Album mit ihren Nacktfotos aufs Hotelzimmer. Woher sie wohl wusste, in welchem Hotel er residierte? Jedenfalls kam Stallone in die Hotel-Lobby. Der Rest ist bekannt. Ein Jahr lang spielte die blonde Dänin Mrs. Stallone, Sly kostete die Scheidung zwei Millionen Dollar. Und Hollywood-Insider grinsten: Dabei hatte sie sich noch gar nicht den Busen vergrößern lassen. Das genoss erst später Body to Body mit der Wikingerbraut Falco. "Du muaßt di einfach selber auf die Schaufel nehma", belehrte mich Arnold, als ich ihn wegen seiner Komödie "Twins – Zwillinge" im exklusiven "Ritz" auf der Pariser Place Vendôme traf, "als ungleiche Zwillinge haben wir sechs Retorten-Väter. Ich wachs als Julius gesund und muskelbepackt auf einer Südseeinsel auf, sprech' mit exzeptioneller Intelligenz zwölf Sprachen und such meinen Zwilling, den Danny De Vito, der spielt einen kleinen dicken Gauner, der dafür sorgt, dass ich keine Jungfrau bleibe. Wann i da in kurzen Hosen meine Wadenmuskeln zeig, san die Lacher garantiert." Bei seinen Dialogen hat sich Arnie einiges bei seinem Idol Clint Eastwood abgelinst, der als Erster knapp knurrte "Come on, make my day" und dann als "Dirty Harry" ballerte: "Na komm', mach' meinen Tag!" Seither sagt ganz Amerika "He made my day." Bei Arnolds "Last Action Hero" wird daraus, mit gleichem Resultat, "Hasta la Vista, Baby!" Da hockte ich während des Drehs drei Stunden lang in Los Angeles in Schwarzeneggers Trailer und genoss "The World, according to Arnold" oder "Die Welt, wie Arnold sie sieht". Seine letzte Drehwoche hier in Los Angeles spielt aber in New York. Gedreht wird im plüschig-verlotterten "Orpheum"-Kino. Während sie einen Ambulance-Wagen für den Nacht-Dreh aufpolieren, hält Arnold in seinem Trailer Hof. Im T-Shirt mit Lederjacke, aus allen Poren seiner Muskelpracht der Mittelpunkt: Die Welt, wie Arnold Schwarzenegger sie sieht. Und damn' it, das ist eine Mischung der speziellen Art: Selbstbewusstsein, positives Denken, Lässigkeit, Sinn für Freundschaft und Humanity und dieser gesunde Sarkasmus, Humor, Selbstironie. Wer's so geschafft hat, kann sich leicht selbst auf die Schaufel nehmen. Keine Frage, warum: "Kindergarten Cop" – Regie Ivan Reitmann – spielte weltweit 202 Millionen Dollar ein. Wie ja überhaupt Arnolds letzte fünf Filme – von bisher 17, auf die er's seit "Hercules in New York", "Stay Hungry" und "Pumping Iron" gebracht hat – mehr als eine Milliarde Dollar (12 Milliarden Schilling) eingespielt haben. Bestseller war "Terminator 2" mit 490 Millionen Dollar. Aber er sitzt da im T-Shirt und futtert frische Erdbeeren, die Michael "Mickey" Walker, ein Bayer, seit 20 Jahren in L. A., geputzt auf den Tisch stellt. Arnold lässt kurz den Bizeps hüpfen, mampft: "Mei Geheimnis, damit nimmt man ab." Wir stapfen hinüber ins "Orpheum". Arnold vor der Kamera. Fließend sein Englisch, Akzent ja, aber was für ein Vokabular. Das lebt, sprudelt, transportiert Positives. Sein kleiner Co-Star Austin O'Brien (11) wird samt Eltern gelobt, sein Stunt-Coordinator Joel Kramer als Lebensretter gepriesen: "Der weiß genau, wann die Action tödlich wird. Da nimmt er andere." Arnold droht den Kids: "Besser, ihr schaut's euch den Film an, sonst verpasst's was." Als wir die Stiege runtertrotten, ist gerade die Vorstellung des mexikanischen Films aus. Der Schock, als die Mexikaner den großen "Terminator" erkennen. 

Im Bild: Schwarzenegger als Mr. Freeze in "Batman & Robin". So müssen die "Peones" einst den Revolutionshelden Zapata bewundert haben. Sie drücken ihm die Hand. "Madre mia!" Ist es Ehrfurcht, ist es Glück? Sie stammeln: "Hasta la Vista, Baby! Hasta la Vista, Baby!" Den klassischen ironischen Schwarzenegger-Sager – ehe er als "Terminator 2" abdrückte. "Du musst", doziert Arnold Schwarzenegger, Business-Manager der University of Los Angeles, am Santa Monica College graduiert und Absolvent für Business und International Economics der University of Wisconsin, "an die Menschen denken. Action ist heiß, aber fad, wenn's ohne Witz bleibt. Etwas, an das ich immer glaub. Die Leut' akzeptieren's, wenn's ihnen taugt. Ich hab' noch in jedem Film von mir – mit Absicht – von "Twins" bis "Kindergarten-Cop" meinen Akzent im Englischen erklärt. Ein Satz – okay: Und "Last Action Hero" ist überhaupt a spoof, a Gaudi. Da verscheißern wir die Action-Thriller. Aber mit Action-Perfektionismus. Ich häng' an Wolkenkratzern und am Lift, stürz' 150 Meter mit dem Auto ab, entkomm' aus jeder Explosion", grinst Arnold, der nicht nur Star, sondern auch Executive Producer des Films ist, "dieser Jack Slater, den ich spiel, der ist net zum Umbringen. Der schluckt die Bullets, die Kugeln, sein bester Freund ist eine 44er Magnum. Die blast alles um." Arnold spielt das aus, dass sich alle zerkugeln vor Lachen. "Kannst du dich noch an deinen Geburtstag erinnern, bei dem ich war?", fragt Sandra Locke. "O God", winkt Arnold ab, "mein Vierzigster, da war Maria wirklich sauer auf mich." Typischer Schwarzenegger-Spruch zum Vierzigsten: "Tut mir leid, dass wir heute eine Catering-Party haben. Maria hätte so gerne gekocht. Aber sie hat leider seit zwei Wochen die Küche nicht gefunden." Mrs. Schwarzenegger war so sauer, dass sie Richtung Schlafzimmer abrauschte: "Kaum waren die Gäste weg", knirscht Arnold, "kam sie wieder. Das Licht bleibt an. Das müssen wir ausdiskutieren. Dabei hab' ich sie aus dem Kennedy-Clan rausgeholt, dafür gesorgt, dass sie unter Menschen kommt." Die Küche hat wohl in seinem Leben mehr Bedeutung gespielt, als jemand geahnt hat. ENDE DER SERIE

Im Bild (von links): Die Schwarzenegger-Familie lange vor dem Skandal - Christina, Katherine, Maria Shriver und die Söhne Patrick und Christopher.
(KURIER.at / Roman Schliesser) Erstellt am
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