Wo Kabarettist Andreas Vitásek mit 70 das Alter am meisten spürt
Andreas Vitásek
Gelassenheit ist laut TV-Legende Robert Lembke (gest. 1989) "die Kunst, sich auszuruhen, bevor man müde ist". Auf die Frage Was bin ich? darf Andreas Vitásek zu seinem heutigen 70er getrost antworten: "Ich".
Denn der Favoritner Sohn eines böhmischen Schneiders und einer ebenso zuag’rasten Mostviertlerin, der einst auszog, die Brettln, die die Welt bedeuten, zu erobern, bilanziert – nach 45 Dienstjahren als Kabarettist – gelassen, in sich ruhend: "Sollte es mir im Alter schlecht gehen, kann ich damit umgehen, weil mir ist es ein Leben lang gut gegangen."
Seinen Geburtstag feiert er nicht nur am, sondern auch als "Tag der Arbeit" mit der rund 100. Vorstellung als "Der Herr Karl" (im Rabenhof Theater, Beginn 20 Uhr).
In seinem 14. Solo "Spätlese" sagt Vitásek zwar: "Altsein hat an Vorteil. Er fallt ma nur net ein – das ist der Nachteil." Aber, so gesteht er im KURIER-Interview, er macht "nicht mehr so gern und so viele Witze darüber, seitdem es mich selbst betrifft".
Die schlimmste Erfahrung
Der (u. a. als Professor) hochdekorierte und (als vierfacher Vater und Ehemann seit 2009) hochzufriedene Großmeister der Kleinkunst wird als Intendant des Kultursommers Güssing dortselbst (am (1. August) sein 15. Solo aus der Taufe heben: "Wie es mir gefällt", ein Abend für Abend freies und befreites Erinnern: "Immer was anderes. Ich will mich nicht fadisieren mit mir. Oft hab ich ja schon gedacht, die Goldmine ist ausgeräumt, aber dann find’ ich doch noch eine Ader." Wer ist sein Publikum? Die dritte Generation? "Es verirren sich schon auch ein paar Junge zu mir, die aber vermutlich ihren Eltern zuliebe mitgegangen sind."
"Zu meinem Debüt am 3. 10. 1981 kamen 20 Leute, von denen ich vier nicht kannte."
Vitáseks Rückblende auf eine schillernde Karriere mit Kinohits und Serienerfolgen birgt freilich auch Black- bzw. Burn-outs, "bevor es so geheißen hat": Herzprobleme, Panikattacken, ein Jahr Therapie.
Er erkannte: "Ich bin zwei Menschen, Bühne und privat. Und keiner von den beiden muss noch irgendwas beweisen. Ich habe mich eingetragen in die Kabarettgeschichte und meine Markierung abgegeben. Was ich noch mache, mach ich nur, weil ich nimmer muss."
Das Alter spürt der leidenschaftliche Genussmensch (Sektbotschafter des Jahres und Feinschmecker des Jahres) "nur in den Knien, im Kopf bin ich noch 35".
Die schönste Erinnerung
Die knirschenden Scharniere verdankt er Tanz, Tennis und der schönsten Erinnerung an einst, dem Fußball (als "Stopper"): "Ich kam zu ,Straßenbahn‘, als Hans Krankl ging."
Übrigens: "Experte" Vitásek hat zehn Euro auf Österreich als Weltmeister gesetzt: "Man sieht, ich mach’ wirklich nix nur des Geldes wegen ..."
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