Anja Kruse: "Die Bühne ist meine Heimat, das bin ich"

Eine Frau mit dunklen, nassen Haaren und blauem Kleid vor einem gefliesten Hintergrund.
Anja Kruse über Bachmanns "Undine geht an Land", ihre Heimat und das Alter.

Ab 4. April steht eine der bekanntesten deutschen Schauspielerinnen wieder auf Wiens Bühne: Anja Kruse wird am KosmosTheater in „Undine geht an Land“ zum 40. Todestag von Ingeborg Bachmann zu sehen sein. Der Kurier traf sie in der Wellnessresidenz Schalber in Serfaus/Tirol:

KURIER: Was für einen Bezug haben Sie zu Märchen?

Anja Kruse: Ich glaube ich habe alle Märchen dieser Welt gelesen. Es sind nicht nur Geschichten für Kinder, da stecken immer universelle Wahrheiten, viele Lebensweisheiten und Botschaften drin.

Haben Sie ein Lieblingsmärchen?

Ich sage das jetzt nicht im Hinblick auf das Theaterstück, aber die kleine Meerjungfrau war immer schon mein Lieblingsmärchen. Vor allem weil sie so wunderschön, aber auch so schrecklich ist.

Eine Gruppe von Frauen und Männern posiert in blauen Kleidern vor einem weißen Hintergrund.
Können Sie sich mit Undine identifizieren?

Auf jeden Fall! Die Aussage ist ja, dass eine Undine, also Meerjungfrau, ihren geschützten Lebensraum verlässt und sich auf Beziehungen einlässt, so zu sagen Beine bekommt, um eine Frau zu sein. Und mit dem Miteinander fangen die Schwierigkeiten oft an. Das haben wir alle auf irgendeine Art und Weise erfahren.

Sie waren lange im Fernsehen zu sehen, jetzt nur noch auf der Bühne – wieso?

Ich komme eigentlich vom Theater und wollte nie Fernsehen machen, aber es hat sich zufällig ergeben. Viele Jahre bin ich atemlos von einer Fernsehproduktion zur nächsten gegangen. Das Theater hat mir die ganz Zeit sehr gefehlt. Ich glaube die Bühne ist einfach meine Heimat, das bin ich.

Apropos Heimat – Sie haben lange Zeit in Wien gelebt.

Ja, fast zehn Jahre, von 83 bis 92. Eine unheimlich spannende Zeit. Damals hat Zilk Wien zu dem gemacht, was es heute ist. Dann bin ich nach Paris gegangen. Heute lebe ich im Süden, in der Nähe von Cannes. Das ist also eine reine Spaßheimat, mit Kultur ist da nicht viel. Aber ich mag Wien sehr, vielleicht komme ich eines Tages wieder zurück.

Zwei Frauen posieren vor einem Klavier.
Wir sitzen hier mitten in den Tiroler Bergen, wann waren Sie zum letzten Mal Skifahren?

Vor drei Jahren, ich wollte heuer unbedingt, habe es aber wegen meiner Engagement wieder nicht geschafft. Wenn Ende April noch irgendwo Schnee liegen sollte, dann findet man mich garantiert auf der Piste.

Wird es im Alter schwieriger in der Branche?

Der große Durchbruch mit Ende 50 à la Christoph Waltz, das ist kein Frauenthema, ganz sicher nicht. Mir steht aber auch nicht der Sinn danach. Ich freu mich einfach tolle Aufgaben zu bekommen, völlig unerheblich, ob die jetzt in einem großen Kinofilm sind, an einem gefeierten Boulevard-Theater in Berlin oder München oder im Kosmostheater im 7. Bezirk.

Haben Sie noch einen letzten Satz für die Besucher von „Undine geht an Land“?

Liebe Zuseher denken Sie daran, dass die erste Reihe mitunter heller ist, als Sie glauben.


Info:
"Undine geht an Land"
Zum 40. Todestag von Ingeborg Bachmann.
4. bis 20. April 2013
KosmosTheater, 1070 Wien, www.kosmostheater.at

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