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Sport
06/04/2019

Wolfgang Thiem: "Wir brauchen eine Leistungsgesellschaft"

Wolfgang Thiem über seinen Sohn Dominic, Günter Bresnik und Österreichs Tennis-Zukunft.

Dominic Thiem trifft am Mittwoch im Viertelfinale der French Open im zweiten Match nach 14.00 Uhr (live ORF Sport + und im KURIER-Liveticker) auf den Russen Karen Chatschanow. Der als Nummer vier gesetzte Vorjahresfinalist aus Niederösterreich wurde diesmal wieder auf dem Court Suzanne Lenglen, dem zweitgrößten Platz in Roland Garros, angesetzt. Am Tag vor dem Spiel stand Vater Wolfgang dem KURIER Rede und Antwort.

KURIER: Warum spielt Ihr Sohn in Paris immer so gut?

Wolfgang Thiem: Das ist eine Kombination aus vielen Dingen. Erstens fühlt er sich sehr wohl hier, in Paris hat er 2011 schon Junioren-Finale gespielt. Außerdem liegen ihm die Bedingungen, der Sandplatz und die Bälle, die hier höher abspringen. Das bringt seinem Spin sehr viel.

Wie schätzen Sie den Viertelfinalgegner Karen Chatschanow ein?

Der kann schon richtig gut spielen. Für ihn spricht, dass er nach einer Formkrise zu Beginn des Jahres drangeblieben ist und im Ranking nicht abgestürzt ist. Man muss aber auch sagen, dass Achtelfinal-Gegner Juan Martín del Potro nicht wirklich in Topform gespielt hat.

Was sagen Sie zur Trennung von Coach Günter Bresnik?

Es hat sich schon lange abgezeichnet. Ich bin sehr froh, dass es zu einer gütigen Einigung gekommen ist. Dominic hat enorm profitiert von ihm, er hat ihm zum Großteil seine Karriere zu verdanken. Aber man muss auch sagen, dass auch Günter Bresnik von dieser Partnerschaft profitiert hat. Diese Partnerschaft hat auch ihm Türen geöffnet.

Er ist auch Ihr Partner im Leistungszentrum in der Südstadt. Kommt es durch die Trennung zu Konflikten?

Nein, wir stehen derzeit so gut wie noch nie da. Wir werden alles tun, um diesen Weg weiterhin gemeinsam erfolgreich zu gehen.

Mittlerweile haben in Paris auch die Juniorenbewerbe begonnen – ohne Österreicher. Vor allem bei den Damen sieht es ganz schlecht aus ...

Wir haben Talente in Österreich, aber es wird falsch gearbeitet, weil zu viel Einfluss von den Ländern kommt. Ich will gar nicht unser Leistungszentrum hervorheben, aber wir brauchen eine Zentralisierung mit Top-Trainern, ab 14 sollen sich die Talente an einem Ort gegenseitig pushen. Wir brauchen auch hier eine Leistungesellschaft, sonst leben die Jugendlichen in einer Wohlfühloase.