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Sport Wintersport
01/03/2019

Der Abwesende am Bergisel: Warum Schlierenzauer weiter fehlt

Beim Tournee-Bewerb in seinem "Wohnzimmer" Innsbruck ist Gregor Schlierenzauer Zuschauer. Andere Dinge haben Priorität.

von Christoph Geiler

Eigentlich sollte er jetzt ja hier sein. Auf der Schanze, die er so gerne sein Wohnzimmer nennt. Bei dem Springen, das bei ihm immer ganz besondere Emotionen freisetzt. 53 Mal hat Gregor Schlierenzauer im Weltcup gewonnen, aber selten ist der Rekordspringer so aus sich heraus gegangen wie bei den beiden Tournee-Triumphen am Bergisel (2010, 2013).

Heimnachteil

Diesmal bleibt die Tür zu seinem Wohnzimmer verschlossen. Gregor Schlierenzauer wäre einem Start am Bergisel, wo im Februar auch um WM-Medaillen gesprungen wird, wohl nicht abgeneigt gewesen. Aber seine Trainer hätten es für keine gute Idee gehalten, wenn er nach seiner Wettkampfpause ausgerechnet bei der Tournee ins Weltcup-Geschehen zurück gekehrt wäre.

„Die Tournee hätte den Gregor gekillt“, sagt Cheftrainer Andreas Felder in seiner unverblümten Art. Er kennt Schlierenzauer nur zu gut, er weiß, wie hoch sich der 28-jährige Stubaier gerade beim Heimspringen die Latte immer setzt. Dieser Druck und die anderen Tournee-Nebengeräusche wären Schlierenzauer in seiner aktuellen Verfassung nicht zuträglich gewesen. „Da zu starten, wäre ein völliger Blödsinn gewesen,“ glaubt Felder. „Er soll sich Zeit lassen und sich dann der Aufgabe stellen, wenn er wirklich dazu bereit ist.“

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Privatcoach

In Planica arbeitet Gregor Schlierenzauer gerade an seinem Comeback. Der ÖSV hat ihm mit Florian Liegl einen eigenen Coach zur Seite gestellt, der den ehemals besten Skispringer der Welt bis zur WM in Seefeld zumindest halbwegs konkurrenzfähig machen soll. Zuletzt war Schlierenzauer oft nicht einmal mehr in der Lage, sich für den Finaldurchgang zu qualifizieren. „Er war nicht zufrieden, und wir waren nicht zufrieden“, sagt ÖSV-Direktor Mario Stecher, „wenn ihm ein 34. Platz nichts mehr ausmachen würde, dann könnte er aufhören.“

Aber Schlierenzauer will es noch einmal beweisen. Er will so nicht abtreten, als Karikatur eines Überfliegers, als Athlet, der an den modernen Anforderungen in seiner Sportart gescheitert ist. „Ich habe mir selber versprochen, alles zu geben und einiges unterzuordnen“, verkündete er in seinem Blog.

Fortschritte

Schlierenzauer hat sich in der Vergangenheit schon öfter Auszeiten genommen und versucht, sich neu zu erfinden und den Sprungstil zu adaptieren. Allein, es ist meistens nur beim Versuch geblieben, weil sich in seinen Augen die Fortschritte zu langsam einstellten. „Es ist schwierig“, sagt Felder, „der Gregor hat seinen eigenen Willen.“

Was die ÖSV-Verantwortlichen aber diesmal positiver stimmt. „Wir haben das Gefühl, dass er es jetzt ernst meint. Er hat von sich aus gesagt, dass er etwas verändern will“, erklärt Mario Stecher. Es bleibt Schlierenzauer auch nichts anderes übrig. Die Sprungski sind in den letzten Jahren immer kürzer geworden, die Anzüge enger, durch das neue Material lassen sich kleine Fehler nicht mehr wie früher kaschieren.

Unterstützung

Auch Gregor Schlierenzauer scheint sich bewusst zu sein, dass er diesen eingeschlagenen Weg nun auch durchziehen muss. „Es ist wichtig, geduldig diese Technik zu festigen und Vertrauen aufzubauen. Sie zu automatisieren, dass ich sie jederzeit abrufen kann.“

Vom ÖSV erhält das Skisprung-Sorgenkind jegliche Unterstützung. „Wir wissen, wie wichtig er sein kann. Er hat es sich verdient, er hat das österreichische Skispringen mitgetragen“, erklärt Mario Stecher. „Er bekommt die Zeit, die er benötigt.“

Geduldfrage

Das Problem, dass ihm ein anderer Österreicher seinen Weltcup-Startplatz streitig macht, gibt es ohnehin nicht. „Es ist in Wahrheit auch keiner da, der sich so aufdrängt“, weiß Stecher.

Noch ist nicht entschieden, wann und wo Gregor Schlierenzauer in den Weltcup zurück kehren wird. „Ich möchte mich bald wieder mit den anderen messen“, meinte der Tiroler im Blog.

Cheftrainer Andreas Felder warnt freilich davor, zu früh wieder in den Wettkampfmodus umzuschalten. „So lange er nicht hundertprozentig gefestigt ist, wollen wir nicht, dass er im Weltcup startet“, sagt der 56-jährige Tiroler. „Sonst ist die Gefahr da, dass er gleich wieder eine Watschn kriegt. Und dann wäre die ganze Arbeit umsonst gewesen.“

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