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Vierschanzentournee
01/06/2019

Vierschanzentournee: Kobayashi springt zum Grand-Slam-Sieg

Der Japaner gewinnt alle vier Springen. Stefan Kraft landet auch in Bischofshofen auf dem Podest.

von Christoph Geiler, Günther Pavlovics

Der Japaner Ryoyu Kobayashi hat alle vier Springen der Vierschanzentournee gewonnen. Mit seinem Erfolg in Bischofshofen am Sonntag schaffte der 22-Jährige als erst dritter Skispringer nach Sven Hannawald 2001/2002 und Kamil Stoch im Vorjahr den historischen Vierfach-Triumph.

Die Tournee nahm mit dem dritten Rang von Stefan Kraft auch für Österreichs Team ein versöhnliches Ende. Der Salzburger reihte sich hinter dem Polen Dawid Kubacki ein, der in der Qualifikation mit 145 m einen neuen Schanzenrekord einstellen konnte. Daniel Huber wurde Gesamt-Neunter. 
 

Überlegen

Auf der Paul-Außerleitner-Schanze ließ der Japaner bei dichtem Schneefall keinen Zweifel an seiner derzeitigen Überlegenheit und baute auch seine deutliche Führung im Gesamtklassement aus. Kobayashi schaffte damit auch etwas, was seinem 46 Jahre alten Teamkollegen Noriaki Kasai bisher nie gelingen wollte: Den Sieg bei dem Traditionsevent zum Jahreswechsel in Deutschland und Österreich. Der letzte und bisher einzige japanische Tournee-Gewinner war vor 21 Jahren Kazuyoshi Funaki.

Weder Hannawald noch der entthronte Titelverteidiger Stoch hatten beim sogenannten Grand Slam aber so einen knappen Sieg dabei wie Kobayashi zum Auftakt in Oberstdorf. Dort landete der japanische Siegspringer nur 0,4 Punkte und damit etwas mehr als 20 Zentimeter vor Eisenbichler, der die Tournee-Gesamtwertung als Zweiter abschloss und damit auch für einen großen deutschen Erfolg sorgte. Sensationell Dritter in der Endabrechnung wurde mit Stephan Leyhe ein anderer Deutscher.

"Megageil"

Kraft freute sich "extrem" über den neuerlichen Podestplatz. "Dass sich das ausgeht, ist megageil", jubelte der 25-Jährige im ORF-TV-Interview. Man sollte eine Tournee mit Streichresultat austragen, scherzte er angesichts seines Patzers am Neujahrstag im zweiten Bewerb. "Aber ich habe mich gut erfangen, jetzt freue ich mich auf die nächsten Weltcups und die WM ist auch im Hinterkopf."

Er habe auch selbst etwas gezweifelt, gab der Doppel-Weltmeister zu. "Aber jetzt weiß ich, ich kann es auch im Wettkampf gut rüberbringen." Einen möglichen Gesamtrang unter den ersten drei des Pongauers verhinderte das Aus im ersten Durchgang in Garmisch. Mit nur sieben Sprüngen in der Wertung war nicht mehr möglich als der 17. Platz.

Daniel Huber (121/131,5 m) verbesserte sich im Finale von Bischofshofen von der 19. an die 11. Stelle und schloss seine zweite Tournee als bester Österreicher auf dem neunten Gesamtrang ab. Dennoch war der Salzburger nicht uneingeschränkt zufrieden. "Es wäre mehr möglich gewesen", meinte Huber, der sich den einen oder anderen schwächeren Flug leistete. "Aber es geht in die richtige Richtung, der zweite Sprung heute war vielversprechend, darauf kann ich aufbauen." Der 26-Jährige hatte als einziger Österreicher acht Sprünge in die Wertung gebracht.

Skispringen in Bischofshofen:

1.

Ryoyu Kobayashi (JPN)

282,1

(135,0/137,5)

2.

Dawid Kubacki (POL)

268,3

(138,0/130,0)

3.

Stefan Kraft (AUT)

267,5

(134,0/131,5)

4.

Stephan Leyhe (GER)

266,0

(126,0/137,0)

5.

Markus Eisenbichler (GER)

265,5

(137,0/131,5)

6.

Roman Koudelka (CZE)

259,7

(133,0/130,5)

7.

Halvor Egner Granerud (NOR)

258,0

(128,5/135,0)

8.

Killian Peier (SUI)

254,6

(131,5/127,0)

9.

Robert Johansson (NOR)

253,3

(132,0/126,5)

10.

Karl Geiger (GER)

249,5

(122,0/133,5)

11.

Daniel Huber (AUT)

243,6

(121,0/131,5)

12.

Kamil Stoch (POL)

243,1

(129,0/123,5)

13.

Piotr Zyla (POL)

241,8

(130,0/127,0)

14.

Michael Hayböck (AUT)

240,5

(124,0/129,0)

15.

Andreas Wellinger (GER)

234,7

(121,5/128,5)

16.

Simon Ammann (SUI)

234,5

(125,5/130,5)

17.

Johann Andre Forfang (NOR)

231,6

(124,0/126,5)

18.

Robin Pedersen (NOR)

231,0

(124,0/125,0)

19.

Constantin Schmid (GER)

230,3

(121,0/129,0)

20.

Antti Aalto (FIN)

228,8

(125,0/123,0)

21.

Anze Semenic (SLO)

228,0

(122,0/126,0)

22.

Daiki Ito (JPN)

226,9

(123,5/128,0)

23.

Yukiya Sato (JPN)

224,7

(118,0/120,5)

24.

Manuel Fettner (AUT)

223,9

(124,0/121,0)

25.

Andreas Stjernen (NOR)

221,8

(120,0/118,0)

26.

Jewgenij Klimow (RUS)

218,4

(132,5/115,5)

27.

Richard Freitag (GER)

214,8

(121,0/120,0)

28.

Wladimir Zografski (BUL)

209,6

(125,0/119,0)

29.

Junshiro Kobayashi (JPN)

209,3

(123,5/114,0)

30.

Cestmir Kozisek (CZE)

206,1

(118,5/120,5)

 

Weiter, nicht im zweiten Durchgang:

 

 

33.

Jan Hörl (AUT)

103,2

(120,0)

35.

Philipp Aschenwald (AUT)

100,5

(115,5)

41.

Clemens Aigner (AUT)

94,5

(114,0)

42.

Clemens Leitner (AUT)

93,6

(114,0)

44.

Thomas Hofer (AUT)

90,2

(113,5)

Tournee-Gesamtwertung:

1. Ryoyu Kobayashi (JPN) 1.098,0 Punkte
2. Markus Eisenbichler (GER) 1.035,9
3. Stephan Leyhe (GER) 1.014,1
4. Dawid Kubacki (POL) 1.010,8
5. Roman Koudelka (CZE) 1.006,3
6. Kamil Stoch (POL) 994,0
7. Andreas Stjernen (NOR) 988,0
8. Robert Johansson (NOR) 983,2
9. Daniel Huber (AUT) 970,4
10. Killian Peier (SUI) 959,3
Weiter:
17. Stefan Kraft (AUT) 881,6
24. Manuel Fettner (AUT) 748,7
26. Michael Hayböck (AUT) 746,7

Japans Helden der Lüfte: Die Vorflieger von Kobayashi

Seit mehr als 50 Jahren hebt die Air Nippon von den Schanzen dieser Welt ab. In Japan sind die Springer hoch geehrt. Ryoyu Kobayashi und seine Ahnenreihe: Der Jungstar ist der Erste, der nicht von der nordisch-narrischen Nord-Insel Hokkaido kommt.

Ryoyu Kobayashi

Der junge Mann steht auf hippe Kleidung, coolen Lifestyle und schnelle Autos. Der 22-Jährige ist kein großer Redner, sondern lässt lieber Taten sprechen, womit er ebenfalls in der Tradition großer japanischer Skispringer steht. Er war ohne Sieg in den Winter gestartet und ist mit viel Fluggefühl zum Dominator geworden.

Yukio Kasaya

1972 war er der Erste, der auf allen vier Schanzen der Tournee hätte gewinnen können. Erst 30 Jahre später schaffte der Deutsche Hannawald den Grand Slam, weil Kasaya nach Innsbruck heimbeordert worden war zur Olympia-Qualifikation. Bei den Spielen in Sapporo wurde er zum Helden, weil er auf der Normalschanze als erster Nicht-Europäer Skisprung-Gold holte. Die „Hinomaru Hikotai“, die legendäre „Sonnenbanner-Flugstaffel“, gewann sämtliche Medaillen auf der Normalschanze. Der heute 75-Jährige gewann danach nie mehr im Weltcup.

Masahiko Harada

Der Spaßvogel und Dauerlächler steht fürs Scheitern und wurde ein Held, weil er immer wieder aufgestanden ist. Der heute 50-Jährige zerbrach 1994 unter dem Druck der Erwartungshaltung einer ganzen Nation. Die Japaner führten im olympischen Teambewerb, Harada hätte nur 105 Meter benötigt, um Gold zu sichern. Er landete bei 97,5 Metern. Die Deutschen jubelten, Harada war am Boden zerstört. Vier Jahre später, Heim-Olympia in Nagano: Harada besuchte vor den Spielen den Zenkoji-Tempel in Nagano, um eine Fürbitte auf eine Votivtafel zu schreiben: „Möge die Welt durch Haradas Lächeln Frieden finden“. Er führte dann auch auf der Normalschanze, stürzte aber auf Platz fünf ab. Wie zum Trotz versichert er den fassungslosen japanischen Journalisten: „Der starke Harada lebt.“ Er holte danach auf der Großschanze Bronze und mit der Mannschaft Gold.

Kazuyoshi Funaki

Niemand lag zuvor so wagemutig in der Luft wie der heute 43-Jährige. 1998 scheiterte er in Bischofshofen am Grand Slam, holte danach aber in Nagano Olympia-Gold von der Großschanze und mit dem Team. Mit einem WM-Titel im Springen und Fliegen ist der Mann aus Hokkaido der erfolgreichste japanische Skispringer. Er wurde verehrt wie ein Popstar. Er verhielt sich auch leicht exzentrisch, lebte teilweise in Slowenien und hatte dort auch eine Freundin. Heute ist er solo, lebt in Sapporo und trat noch im März beim einem Springen im FIS-Cup an.

Noriaki Kasai

Bei seinem ersten Bewerb in Europa war der Großteil seiner heutigen Konkurrenten noch gar nicht geboren. Im Dezember 1988 sprang er erstmals im Weltcup, 30 Jahre danach ist er mit bereits 46 Jahren noch immer dabei. Dazwischen liegen acht Olympische Spiele mit drei Medaillen, Gold bei der Skiflug-WM 1992 sowie 17 Weltcupsiege – der bislang letzte mit 42 Jahren.

Sara Takanashi

Sie ist wie Senkrechtstarter Ryoyu Kobayashi erst 22 Jahre alt. Aber sie ist schon länger eine Heldin der Lüfte: Ohne den Sprungfloh wäre das Frauen-Skispringen nicht denkbar. Mit 13 sprang sie 2009 im Continentalcup, mit 15 im Weltcup. Takanashi gewann in ihrer Karriere 55 Weltcupspringen. Was ihr noch fehlt, ist der große Einzeltitel neben WM-Gold 2013 im Mixed-Bewerb.

SKI-JUMPING-WOMEN
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