Sport | Wintersport
03.04.2018

Skisprung-Cheftrainer Kuttin hört nach Pleiten-Saison auf

Die sieglose Saison der Skispringer im Olympia-Winter hat Folgen: Cheftrainer Heinz Kuttin nimmt seinen Hut.

Im Nordischen Bereich des ÖSV bleibt kaum ein Stein auf dem anderen - und das ein Jahr vor der Weltmeisterschaft in Seefeld. Der schwer angeschlagene Skisprung-Cheftrainer Heinz Kuttin hört auf, teilte ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel am Dienstag bei einer Pressekonferenz mit. Und Ex-Kombinierer Mario Stecher folgt auf den bisherigen Sportlichen Leiter Ernst Vettori.

Kuttin habe von sich aus seine Tätigkeit beenden wollen, betonte Schröcksnadel. "Es tut mir leid", meinte der Präsident. Schließlich laufe der Vertrag des Kärntners noch bis einschließlich der Heim-WM 2019. Und Schröcksnadel äußerte Verständnis für den Schritt des Kärntners, der nach der abgelaufenen, verpatzten Saison ohne Weltcupsieg und Olympiamedaillen schwer in der Kritik gestanden war.

Dieser habe ihm gegenüber am Osterwochenende auf die "ganzen Diffamierungen" hingewiesen, auch seine Familie sei "attackiert" worden. "Manchen Menschen sind eben sensibler. Das bitte ich auch die Medien zu berücksichtigen", sagte Schröcksnadel. Und der Präsident kritisierte auch "Ex-Mitarbeiter" des ÖSV, die in der Öffentlichkeit "Kritiken abgeben" hätten und dabei nur alte Rechnungen begleichen wollten. Dies sei "keine schöne Sache", so Schröcksnadel.

Kein Trainer aus dem Ausland

Einen Nachfolger für Kuttin hatte der ÖSV am Dienstag noch nicht parat. Man stehe erst am Anfang der Gespräche, meinte der neue Sportliche Leiter für Sprunglauf und Nordische Kombination, Mario Stecher. Es gebe "drei, vier Kandidaten", sagte er der APA. Man werde zunächst versuchen, "im eigenen Bereich" einen Kandidaten zu finden, strebt Stecher offenbar eine österreichische Lösung an. Im Ausland tätige Trainer wie etwa Alexander Stöckl, der sehr erfolgreich die Norweger trainiert, würden nicht infrage kommen, verwies der Steirer auf den langfristigen Vertrag Stöckls.

Angesichts der schlechten Saison seien im Springerbereich klarerweise "Fehler passiert", meinte der 40-Jährige. "Man muss die gesamten Mannschaft begeistern für den Sport", gab Stecher die Zielrichtung vor. "Ich will das Wir-Gefühl stärken", so der 2015 zurückgetretene Kombinierer. Er wolle "eine klare Linie vorgeben - bis hinunter zum Nachwuchs". Der Anspruch der heimischen Adler sei natürlich, bei den kommenden Großereignissen "einige Medaillen" zu gewinnen. "Wir müssen jedenfalls 'back to the basics'", meinte Stecher, der seine neue Aufgabe als "besondere Herausforderung" sah. Es sei sehr wichtig, dass jeder Sportler "bei sich selber ansetzt". Schröcksnadel bezeichnete Stecher jedenfalls als "sehr gute Wahl".

Mario Stecher

Sein Vorgänger Vettori habe schon länger das Gefühl gehabt, dass er sich "verändern" wolle, sagte Schröcksnadel, der dem "Ernstl" für die "vielen guten Jahre der Zusammenarbeit" dankte. Dies bestätigte auch der ehemalige Weltklassspringer, der seit 2010 im Amt gewesen war, selbst: Er habe bereits im vergangenen Herbst mit seiner Frau über diesen Schritt gesprochen. "Ich habe während der gesamten Zeit mit voller Leidenschaft gearbeitet", sagte Vettori. Letztlich sei er nach Beratungen mit seiner Familie zu dem Schluss gekommen, sich zu verändern. Schröcksnadel verwies in diesem Zusammenhang auf die anstrengende und stressige Position hin, die Vettori innegehabt habe.

Die österreichischen Skispringer waren in der vergangenen Weltcupsaison erstmals seit 2000/01 und zum erst dritten Mal überhaupt sieglos geblieben. Bei Olympia blieben die "Adler" gar ohne Medaille - und das nur ein Jahr nach dem Höhenflug von Doppel-Weltmeister und Weltcupgesamtsieger Stefan Kraft.