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Sport Wintersport
02/19/2020

Tränenreicher Jubel: Landertinger überrascht mit WM-Bronze

Der 31-Jährige lief bei der Biathlon-WM auf Rang drei. Und es wäre sogar mehr möglich gewesen.

von Christoph Geiler

Biathlet Dominik Landertinger hat in Antholz überraschend Bronze im WM-Einzel über 20 km geholt. Besser als der Tiroler waren am Mittwoch nur die Superstars Martin Fourcade und Johannes Thingnes Bö. Dem 31-Jährigen fehlten 1:22,1 Minuten auf den Franzosen Fourcade, der wie er eine Strafminute verzeichnete. Der Norweger Bö sicherte sich trotz zweier Schießfehler 57 Sekunden zurück Silber.

2020 Biathlon World Championships

Zu erwarten war dieser Erfolg freilich nicht. "Ich habe geschossen wie ein Volksschüler und bin gelaufen wie ein Rentner." So hatte sich Dominik Landertinger noch am Sonntag nach dem WM-Verfolgungsrennen angehört. Der Wettkampf in Antholz, den der Tiroler abgeschlagen auf dem 40. Rang beendet hatte, spiegelte seine bisherige Saison wieder: Der Weltmeister von 2009 hatte zuletzt nicht mehr Aufmerksamkeit, sondern vor allem Mitleid erregt und schien nicht mehr in der Lage, an die früheren Erfolge anzuschließen.

"So macht’s keinen Spaß", hatte Landertinger im Dezember gemeint, als er wieder einmal von körperlichen Problemen geplagt wurde und deshalb nicht mit der Konkurrenz Schritt halten konnte. Er stellte sich damals die Sinnfrage: "War’s das mit dem Sport?"

Geboren: 13. März 1988 in Braunau/Oberösterreich
Wohnort: Hochfilzen/Tirol
Größe/Gewicht: 1,88 m
Familie: ein Sohn mit Marion (14 Monate)
Verein: HSV Hochfilzen
Hobbys: Radfahren, Autos, Fischen

  • Größte Erfolge:

Olympia (2 Silber, 2 Bronze):
Silber Sprint 2014 Sotschi, Silber Staffel 2010 Vancouver, Bronze Einzel (20 km) 2018 Pyeongchang, Bronze Staffel 2014 Sotschi

WM (1 Gold, 2 Silber, 2 Bronze): 
Gold Massenstart und Silber Staffel 2009 Pyeongchang, Silber Einzel 2016 Oslo, Bronze Staffel 2017 Hochfilzen und Einzel 2020 in Antholz

Weltcup:
2 Siege (2 Massenstart)
Gesamtdritter 2012/13, Disziplinsieger Massenstart 2008/09

Junioren-WM:
Staffel-Gold und Sprint-Silber 2007, Staffel-Silber und Einzel-Bronze 2006

9. WM-Teilnahme

Nun weiß man, dass Dominik Landertinger seit jeher sehr hart mit sich ins Gericht geht und mit seinen Aussagen gerne auch einmal übers Ziel hinaus schießt. Umgekehrt lehrt die Vergangenheit aber auch, dass der Tiroler häufig dann Gewehr bei Fuß steht, wenn man ihn gerade nicht auf der Rechnung hat. Und nicht selten tut er das auch noch punktgenau bei Großereignissen.

Doch mit der Bronzemedaille im Einzelbewerb von Antholz am Mittwoch, der neunten in seiner langen Karriere, hatte wohl kaum jemand gerechnet. Am wenigsten Dominik Landertinger selbst. Das zeigte schon allein seine erste Reaktion im ORF-Interview. Mehrmals musste der ansonsten so coole 31-Jährige das Gespräch abbrechen, weil ihn die Gefühle übermannten und ihm die Tränen in die Augen stiegen. "Es war eine so harte Zeit, deshalb gibt mir diese Medaille auch so viel. "

Beschwerden

Die Spätfolgen einer Bandscheiben-OP im Jahr 2017 waren der Grund für seine chronischen Beschwerden. Die muskulären Defizite waren erst vor wenigen Wochen bei genauen Untersuchungen festgestellt worden, Physiotherapie und spezielle Übungen halfen ihm wieder auf die Beine.

Im Einzelbewerb präsentierte sich der Pillerseetaler nun wieder hervorragend in Schuss: Er traf nicht nur 19 von 20 Mal ins Schwarze, er lief auch in der Loipe zur Hochform auf und hinter den Stars Martin Fourcade (FRA) und Johannes Thingnes Bø (NOR) zur Bronzemedaille. "Das ist Wahnsinn", gestand Landertinger.

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