Russland-Jubel nach Boykott von Österreich und Co.: "So nicht gewünscht"

Warwara Worontschichina sicherte sich Gold im paralympischen Super-G-Bewerb. Damit wurde erstmals wieder die russische Hymne gespielt.
Para Alpine Skiing - Women's Super-G Standing Victory Ceremony

Warwara Worontschichina hat als erste Sportlerin aus Russland bei den Winter-Paralympics in Italien eine Goldmedaille gewonnen. Zwei Tage nach Rang drei in der Abfahrt siegte die 23-Jährige in Cortina d'Ampezzo im Super-G in der stehenden Klasse.

Damit wurde bei der Siegerehrung erstmals seit den Paralympics 2014 in Sotschi bei einem sportlichen Großereignis nicht nur die russische Fahne gehisst, sondern auch die Hymne gespielt. Der Applaus fiel verhalten aus, Protest gab es keinen. "Es ist so speziell für mich, weil es meine ersten Paralympischen Spiele sind. Mein Traum als Kind ist wahr geworden. Wenn ich meine Flagge sehe, dann ist das sehr speziell", sagte Worontschichina nach der Medaillenverleihung vor internationalen Journalisten.

Para Alpine Skiing - Women's Super-G Standing Victory Ceremony

Österreicherinnen waren in dieser Klasse keine am Start. Österreichs Para-Athletensprecher Markus Salcher hatte vor Beginn der Para-Spiele gemeint, er würde sich mit dem Abspielen der russischen Hymne "schon schwer tun". Zweifel an den sportlichen Leistungen der Athletinnen und Athleten aus Russland gebe es aber keine.

Die Deutsche Andrea Rothfuss, die Vierte wurde, meinte nach dem Rennen: "Das ist jetzt vielleicht ein Ergebnis, was wir uns alle so nicht gewünscht haben mit der Situation momentan. Aber man muss in sportlicher Hinsicht ganz klar sagen, die Warwara hat heute die beste Fahrt hingelegt, daher verdient Platz eins."

Boykott der Eröffnungsfeier

Wegen staatlich organisierten Dopings und vor allem wegen des seit vier Jahren andauernden Angriffskrieges von Russland auf die Ukraine durften einzelne Sportler aus dem Land des Aggressors zuletzt allenfalls als neutrale Athleten ohne Flaggen, Symbole und Hymne im internationalen Sport antreten. Gleiches galt für Belarus als Unterstützer der Invasion.

Das Internationale Paralympics Komitee (IPC) unter Führung des Brasilianers Andrew Parsons hatte den Bann bereits im vergangenen September aufgehoben. Die vier Weltverbände für Ski und Snowboard, Biathlon, Curling sowie Para-Eishockey, die Wettbewerbe bei Paralympics austragen, sperrten sich zunächst dagegen. Doch der Internationale Sportgerichtshof (Cas) urteilte nach einem Einspruch Russlands, dass der pauschale Ausschluss nicht rechtens ist. 

Die Kritik an der Entscheidung war groß, mehrere Nationen - darunter auch Österreich - boykottierten schließlich auch die Eröffnungsfeier. Bereits am Samstag jubelten die Russen über zweimal Bronze, nun gab es auch die umstrittene Rückkehr auf das oberste Siegertreppchen.

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