Deutsche Skisprung-Legende über Teambewerb: "Das war eine Farce"
Die Olympiasieger Jan Hörl und Stephan Embacher
In Deutschland ist der vierte Platz im Teamspringen der Männer bei den Olympischen Winterspielen noch immer nicht verdaut.
0,3 Punkte hatten den Deutschen auf eine Medaille gefehlt. Weil das Springen wegen des starken Schneefalls und des Windes abgebrochen worden war und nur die ersten beiden Sprünge gewertet wurden, fiel der 136-Meter-Sprung von Philipp Raimund aus der Wertung. Die Deutschen verpassten somit den Sprung auf das Podest.
An der Goldmedaille für die an diesem Abend überragenden Österreicher Jan Hörl und Stephan Embacher hatte der Abbruch keine Auswirkung.
Deutschlands Skisprung-Legende Jens Weißflog äußerte nach dem Ende der Olympischen Winterspiele dennoch Kritik. In einem Interview mit ran sagte er: "Jeder Weltcup wird bei solchen Bedingungen eine halbe Stunde lang unterbrochen. Dass man den Wettbewerb abgebrochen hat, war eigentlich eine Farce." Tatsächlich hörte der Schneefall nach dem Abbruch bald auf.
"Nicht alles zufriedenstellend"
Der vierte Platz sei zwar nur knapp an einer Medaille vorbei, zählt aber nicht. "Insgesamt ist nicht alles zufriedenstellend", betonte der 61-Jährige.
Weißflog kritisierte auch die Sportförderung in Deutschland scharf: "Wir werden mit noch mehr Kürzungen im Sportbereich nicht mehr Medaillen erreichen können. Wir hatten ein Leistungssportkonzept nach dem anderen gehabt in den letzten Jahren. Ich gehe aber nicht davon aus, dass die finanziellen Mittel mehr geworden sind."
"Entfernung vom Leistungsprinzip"
Außerdem gehe es auch um ein gesellschaftliche Entwicklung, so Weißflog: "Haben wir noch Kinder und Jugendliche, die sich für den Sport begeistern – auch für Leistungssport? Oder gibt es dort mittlerweile einfach andere Prioritäten? Haben wir insgesamt in Deutschland noch den Leistungsanspruch? Der fehlt mir insgesamt ein bisschen. Wenn bei den Bundesjugendspielen die ersten Plätze nicht mehr so stark belohnt werden, beginnt das Thema ja eigentlich schon. Da entfernen wir uns schon vom Leistungsprinzip."
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