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Sport Wintersport
03/31/2019

Langlauf: Die Konsequenzen aus dem Dopingskandal von Seefeld

Nach der Dopingaffäre will der ÖSV künftig nur mehr ausgewählte Athleten unterstützen und sucht einen neuen Koordinator.

von Christoph Geiler

Markus Gandler ist vom Skiverband nicht komplett abmontiert worden. Vor seinem früheren Büro im ersten Stock der ÖSV-Zentrale in Innsbruck hängt noch immer das Schild mit der Aufschrift Markus Gandler, Referent Langlauf und Biathlon. Die Tür ist geschlossen, das Büro seit Wochen verwaist, das Ende der Nordischen WM in Seefeld bedeutete zugleich auch das Ende von Markus Gandler beim ÖSV. Mit dem Langzeitchef muss praktisch der gesamte Betreuerstab der Langläufer den Verband verlassen.

Aus den Augen, aus dem Sinn – so fiel beim Skiverband die Reaktion auf den jüngsten Dopingskandal in Seefeld aus. Zum wiederholten Male hinterließen österreichische Athleten eine Blutspur und sorgten für negative Schlagzeilen. Schon nach dem Fall von Johannes Dürr bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi wollte Peter Schröcksnadel die Langläufer hochkant aus dem Verband werfen, diesmal macht er tatsächlich ernst. „Das tun wir uns nicht mehr an“, kündigte der ÖSV-Präsident unmittelbar nach den Verhaftungen von Max Hauke und Dominik Baldauf an, „So macht das keinen Sinn mehr. Wir stellen das Langlaufen völlig neu auf.“

Neue Richtlinien

So nachvollziehbar der präsidiale Ärger auch sein mag, so unklar erscheint aktuell, wie’s nach dem personellen Kahlschlag tatsächlich mit dem Langlauf in Österreich weiter gehen soll? Auf welche Athleten und Betreuer will der ÖSV in Zukunft setzen? Und findet der österreichische Langlaufsport nach den vielen Skandalen und Tiefschlägen überhaupt wieder in die Spur zurück?

Schröcksnadel ging das leidige Thema jedenfalls rasch an. Noch vor den Staatsmeisterschaften an diesem Wochenende in Hochfilzen verabschiedete er mit seinen Kollegen aus dem ÖSV-Präsidium die Langlauf-Reformen. Der Verband wird demnach zwar weiterhin den Breitensport fördern, „aber im Spitzenbereich gibt es keine Kader- und Trainerstrukturen mehr“, kündigt Schröcksnadel an. Nur mehr ausgewählte Langläufer kommen in den Genuss einer Rundum-Betreuung, „wir unterstützen nur mehr die Leute, bei denen es auch wert ist“.

Geringes Know-how

Allzu viele Langläufer hat der ÖSV ohnehin nicht mehr. Die Karrieren von Baldauf und Hauke haben sich erledigt, Luis Stadlober hat mit der WM in Seefeld seine Laufbahn beendet und will künftig seiner Schwester als Betreuer zur Seite stehen. Bleiben Stand jetzt gerade einmal noch sieben Athleten, die vom Verband auch in Zukunft gefördert werden. Wie diese Unterstützung aber genau aussieht, das kann aktuell noch keiner sagen.

Wie denn auch? Wer denn auch?

Das letzte verbliebene Langlauf-Know-how im ÖSV reduziert sich auf die Athleten, weshalb der Verband gerade fieberhaft nach einem neuen Koordinator für diese Sparte sucht. „Ein echter Profi soll das machen“, meint Schröcksnadel. „Der sollte schon was verstehen.“

Das Problem: Mit Langlaufexperten ist es hierzulande nicht weit her. „Es gibt nicht viele, die sich wirklich in dem Sport auskennen“, sagt Teresa Stadlober, die sich nicht von ungefähr von ihrem Vater Alois betreuen lässt. Auch bei Lisa Unterweger, der zweiten österreichischen WM-Starterin in Seefeld, ist der Papa zugleich der Trainer. Schon allein deshalb glaubt Alois Stadlober: „Es wird also vieles von uns ausgehen müssen.“

Schlechter Ruf

Der Steirer hat nämlich wenig Hoffnung, dass nach all den Dopingfällen überhaupt noch ein internationaler Experte in Österreich arbeiten will. „Einen Kapazunder zu kriegen ist schwierig. Österreich ist keine Wunschadresse, um die sich die Leute reißen.“

Wie sehr die Herren Dürr, Hauke und Baldauf ihren Kollegen geschadet haben, wie schlecht es wirklich um das Image des österreichischen Langlaufsports bestellt ist, bekam Teresa Stadlober zuletzt erst beim Weltcupfinale im kanadischen Quebec zu spüren.

Etliche Gegnerinnen gingen dabei ganz bewusst auf Distanz zur Österreicherin. „Du merkst, wer noch mit dir redet und wer nicht“, sagt die 26-Jährige. „Und das fällt richtig auf.“

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