© Jes Roskelley/Instagram

Sport Wintersport
04/23/2019

Selfie: Lama und Auer erreichten wohl vor Unglück den Gipfel

Die Extrembergsteiger seien dabei gewesen, über die Ostwand des Berges Howse abzusteigen, als sie von der Lawine mitgerissen wurden.

Die drei bei einem Lawinenunglück in Westkanada ums Leben gekommenen Ausnahme-Alpisten sind während des Abstiegs vom Berg Howse gestorben. Zuvor hätten die beiden Tiroler Extrembergsteiger David Lama und Hansjörg Auer sowie der US-Amerikaner Jess Roskelley den Gipfel erreicht, erklärte am Montag ein Vertreter der kanadischen Nationalparkbehörde.

Die drei Alpinisten wurden seit Dienstag voriger Woche vermisst. Sie wollten den 3.295 Meter hohen Howse Peak über eine sehr schwierige Route an der Ostseite des Berges besteigen. Am Sonntag wurden ihre Leichen mit Hilfe von Lawinenhunden gefunden.

Wie der The Spokesman Review berichtet, wurde auch ein Handy von Roskelley gefunden. Darauf war ein Selfie der drei Bergsteiger gespeichert und dieses dürfte als Hinweis dienen, dass die Kletterer den Gipfel erreichten, bevor sie von der Lawine erwischt wurden. Am Montag wurde auf dem Instagram-Profil von Roskelley dieses Foto veröffentlicht:

Keine Markierungsausrüstung

Obwohl es nur begrenzte Informationen gebe habe die Familie von Roskelley bestätigt, dass die drei den Gipfel erreicht hätten, hieß es seitens der kanadischen Nationalparkbehörde bei einer Telefon-Pressekonferenz. Die Männer seien dabei gewesen, über die Ostwand des Berges abzusteigen, als das Unglück geschehen sei, erklärte der Behördenvertreter Brian Webster. Sie hätten sich gerade abgeseilt, als sich die Lawine gelöst habe.

Die drei Alpinisten hatten den Howse am Morgen des 16. April bestiegen. Noch am selben Tag kam es zu dem Unglück. Nach Angaben Websters hatten die Bergsteiger keine Markierungsausrüstung bei sich, um sie im Falle eines Lawinenabgangs möglichst rasch bergen zu können. Zudem hätten die sehr schlechten Wetterbedingungen und die anhaltende Lawinengefahr die Suche verzögert.

Die Suche habe am 17. April begonnen. Dabei seien Ausrüstungsgegenstände der vermissten Alpinisten gefunden worden. Die Leichen seien dann mit Hilfe eines Lawinenhundes am 21. April entdeckt worden, so Webster.

David Lama und Hansjörg Auer im Porträt: 
 

David Lama wurde 1990 als Sohn einer Innsbruckerin und eines nepalesischen Bergführers in Innsbruck geboren. 

Er war gerade mal fünf, als ihn Himalaja-Veteran Peter Habeler zum ersten Mal beim Klettern beobachtete und seine Eltern anrief: Der Bub habe ein außergewöhnliches Gefühl für den Felsen. 

Wanderkurse und Alpenvereinsaktivitäten interessierten David nicht, er suchte von Beginn an die Vertikale. In der Kletterhalle fühlte er sich wohl. 

Parallel zur Kletterhalle reizten Lama auch die Berge. Schließlich entschied er sich ganz für den Alpinismus. 

Lama gelangen Pionierleistungen in den Bergen, zum Beispiel mit der freien Begehung der Kompressorroute am Cerro Torre oder der Erstbegehung von Bird of Prey in Alaska.

Bereits in jungen Jahren hat Lama zur inneren Ruhe gefunden. "Es geht nicht um die Leistung. Es geht ums Erlebnis", sagte er mal. 

Die Gefahren, die seine Leidenschaft an sich zieht, war er sich stets bewusst. "Du bist dort oben auf dich allein gestellt. Wenn etwas passiert, dann kommt keiner rauf und holt dich", sagte er in einem KURIER-Interview. 

"Wenn du es nicht schaffst, selbst runter zu kommen, bleibst du oben". 

"Der Alpinismus ist kein Spiel", sagte er auch im Interview.

Hansjörg Auer wurde am 18. Februar 1984 in Zams (Tirol) geboren. Mit dem Klettern begann er 1996. 

Auer war einer der markantesten Alpinisten der Geschichte. Ein "Free Solo"-Kletterer buchstäblich ohne Sicherheitsnetz, ein Grenzgänger und authentischer Individualist, der sich gleichzeitig nachdenklich öffnen konnte 

Der 29. April 2007, der Tag, an dem Hansjörg Auer Geschichte schrieb - der Tag, der untrennbar mit ihm verbunden bleibt: Der ausgebildete Lehrer für Mathematik und Sport kletterte die 37 Seillängen und 1.220 Meter lange Route "Weg durch den Fisch" (Schwierigkeitsgrad 7b+) in den Dolomiten als erster Mensch "Free solo" - das heißt im Alleingang unter Verzicht auf technische Hilfs-und Sicherungsmittel.

Die Begehung gilt als ein Meilenstein des Free Solo-Kletterns und ermöglichte ihm den Einzug in die ewige Kletterer- und Bergsteiger-Ruhmeshalle.