Sport | Wintersport
15.12.2018

Gröden-Abfahrt vom schweren Sturz von Marc Gisin überschattet

Der Schweizer bleibt nach einem Verschneider reglos liegen. Der Norweger Aleksander Aamodt Kilde gewinnt vor Max Franz.

Es hat nie etwas Gutes zu bedeuten, wenn dem Gewinner von einer Sekunde auf die andere das Siegerlächeln einfriert. Wenn sich die Athleten und Betreuer im Zielraum plötzlich die Hände vor die Augen halten und der Videoleinwand den Rücken zukehren. Wenn die Sprecher, die eben noch billige Witzchen gerissen haben, verstummen und sich eine gespenstische Ruhe über das Stadion legt.

Als der Schweizer Marc Gisin quer über den letzten Kamelbuckel dahergeflogen kam und mit dem Kopf hart auf dem Schneeboden aufschlug, um danach wie eine Puppe regungslos über die Piste zu rutschen, kamen jedem sofort wieder die grauenvollen Stürze der jüngeren Vergangenheit in den Sinn.

Es ist erst ein Jahr her, dass David Poisson (FRA) bei einem Trainingslauf in Übersee ums Leben kam. Auch die Bilder der Unfälle von Scott Macartney (USA), Daniel Albrecht (CH) und Hans Grugger in Kitzbühel sind den Skifans noch in Erinnerung.

Leichte Entwarnung

Auch Marc Gisin war schon einmal ein Opfer der Streif geworden. 2015 hatte sich der 30-Jährige nach einem Abflug am Hausberg mit einer Gehirnerschütterung in der Innsbrucker Klinik wiedergefunden. „Alles passiert in Bruchteilen einer Sekunde – und doch brennt sich der Moment, in dem ich realisiere, dass ich stürzen werde, für immer in mein Gedächtnis. Danach wurde es dunkel“, schrieb Gisin in seiner Kolumne in der Neuen Zürcher Zeitung, die just am gestrigen Renntag erschienen war.

Nach der 20-minütigen Erstversorgung auf der Piste wurde der 30-Jährige ins Krankenhaus nach Bozen geflogen. Schwester Michelle Gisin konnte im SRF am Nachmittag zumindest leichte Entwarnung geben. Ihr Bruder sei wieder bei Bewusstsein und sein Zustand stabil. Am Abend wurde er mit der Schweizer Rettungsflugwacht in seine Heimat überstellt, wo weitere Abklärungen erfolgen sollen.

Große Diskussionen

Der Sturz von Marc Gisin lag aber wie ein dunkler Schatten über dem sonnigen Langkofel. Bei der Siegerzeremonie wollte und konnte keiner der Läufer auf dem Podest richtig aus sich herausgehen, alles fiel in Gröden gestern etwas schaumgebremster aus. „Solche Sachen relativieren alles“, meinte Max Franz. Der Kärntner stellte mit dem zweiten Platz seine aktuelle Hochform unter Beweis und führt nun zusammen mit Beat Feuz (SUI), der Dritter wurde, den Abfahrtsweltcup an.

Einer war am Samstag allerdings auch für Franz außer Reichweite: Aleksander Aamodt Kilde distanzierte den Österreicher um fast eine Sekunde und prolongierte damit den norwegischen Erfolgslauf im Grödnertal.

Nach dem Rennen wurde unter den Läufern auch über die Sicherheit im Abfahrtssport diskutiert. Zum Beispiel über die Sinnhaftigkeit eines Airbags im Anzug. Während Beat Feuz noch nicht „hundertprozentig überzeugt“ ist und wie Marc Gisin auf den Airbag verzichtet, schwört Matthias Mayer auf den Spezialanzug. Als der Kärntner am Samstag von der Piste rutschte, blies sich der Luftpolster in seinem Overall auf. Mayer blieb bei seinem Ausritt genauso unverletzt wie die Kollegen Johannes Kröll und Christian Walder, die ebenfalls nicht ins Ziel kamen.

Endstand:

1.

Aleksander Aamodt Kilde (NOR)

1:56,13

Min.

2.

Max Franz (AUT)

1:56,99

+0,86

3.

Beat Feuz (SUI)

1:57,05

+0,92

4.

Bryce Bennett ( USA)

1:57,11

+0,98

5.

Steven Nyman (USA)

1:57,14

+1,01

6.

Travis Ganong (USA)

1:57,18

+1,05

7.

Aksel Lund Svindal (NOR)

1:57,21

+1,08

8.

Mauro Caviezel (SUI)

1:57,25

+1,12

9.

Adrien Theaux (FRA)

1:57,30

+1,17

10.

Hannes Reichelt (AUT)

1:57,44

+1,31

.

Benjamin Thomsen (CAN)

1:57,44

+1,31

12.

Josef Ferstl (GER)

1:57,46

+1,33

13.

Johan Clarey (FRA)

1:57,47

+1,34

14.

Niels Hintermann (SUI)

1:57,50

+1,37

15.

Emanuele Buzzi (ITA)

1:57,68

+1,55

16.

Adrian Smiseth Sejersted (NOR)

1:57,75

+1,62

17.

Dominik Paris (ITA)

1:57,85

+1,72

18.

Christof Innerhofer (ITA)

1:57,88

+1,75

19.

Andreas Sander (GER)

1:57,90

+1,77

20.

Manuel Schmid (GER)

1:58,04

+1,91

21.

Dominik Schwaiger (GER)

1:58,11

+1,98

22.

Vincent Kriechmayr (AUT)

1:58,25

+2,12

.

Patrick Küng (SUI)

1:58,25

+2,12

.

Mattia Casse (ITA)

1:58,25

+2,12

25.

Martin Cater (SLO)

1:58,27

+2,14

26.

Kjetil Jansrud (NOR)

1:58,41

+2,28

27.

Thomas Biesemeyer (USA)

1:58,42

+2,29

28.

Wiley Maple (USA)

1:58,43

+2,30

29.

Nicolas Raffort (FRA)

1:58,44

+2,31

30.

Werner Heel (ITA)

1:58,48

+2,35

 

Weiter:

 

 

32.

Otmar Striedinger (AUT)

1:58,68

+2,55

40.

Romed Baumann (AUT)

1:58,99

+2,86

44.

Christopher Neumayer (AUT)

1:59,15

+3,02

Gesamtwertung nach 9 Rennen:

1.

Max Franz (AUT)

340

2.

Aksel Lund Svindal (NOR)

333

3.

Mauro Caviezel (SUI)

283

4.

Marcel Hirscher (AUT)

280

5.

Aleksander Aamodt Kilde (NOR)

253

.

Beat Feuz (SUI)

253

7.

Vincent Kriechmayr (AUT)

240

8.

Kjetil Jansrud (NOR)

228

9.

Henrik Kristoffersen (NOR)

210

10.

Christof Innerhofer (ITA)

189

11.

Johan Clarey (FRA)

172

12.

Dominik Paris (ITA)

166

13.

Matthias Mayer (AUT)

156

14.

Hannes Reichelt (AUT)

154

15.

Adrien Theaux (FRA)

153

 

Weiter:

29.

Christoph Krenn (AUT)

60

31.

Christian Walder (AUT)

59

36.

Manuel Feller (AUT)

53

48.

Michael Matt (AUT)

36

52.

Christian Hirschbühl (AUT)

32

57.

Johannes Kröll (AUT)

27

58.

Marco Schwarz (AUT)

26

62.

Johannes Strolz (AUT)

24

71.

Otmar Striedinger (AUT)

19

79.

Philipp Schörghofer (AUT)

13

83.

Marc Digruber (AUT)

12

94.

Roland Leitinger (AUT)

8

99.

Christopher Neumayer (AUT)

4

102.

Romed Baumann (AUT)

3

Abfahrt (3):

1.

Max Franz (AUT)

200

2.

Beat Feuz (SUI)

200

3.

Aksel Lund Svindal (NOR)

128

4.

Aleksander Aamodt Kilde (NOR)

126

5.

Mauro Caviezel (SUI)

119

6.

Johan Clarey (FRA)

110

7.

Vincent Kriechmayr (AUT)

104

8.

Christof Innerhofer (ITA)

101

9.

Bryce Bennett (USA)

101

10.

Steven Nyman (USA)

98

11.

Dominik Paris (ITA)

96

12.

Adrien Theaux (FRA)

84

13.

Hannes Reichelt (AUT)

75

14.

Matthias Mayer (AUT)

48

15.

Travis Ganong (USA)

43

 

Weiter:

22.

Christian Walder (AUT)

32

25.

Johannes Kröll (AUT)

26

31.

Otmar Striedinger (AUT)

12

40.

Christopher Neumayer (AUT)

4

42.

Romed Baumann (AUT)

3

Mannschaft (9):

1.

Österreich

1546

2.

Norwegen

1220

3.

Schweiz

1117

4.

Frankreich

655

5.

Italien

580

6.

USA

481

7.

Deutschland

376

8.

Slowenien

172

9.

Schweden

160

10.

Kanada

115

11.

Kroatien

30

12.

Großbritannien

22

13.

Slowakei

14

14.

Bulgarien

11

15.

Belgien

3

Nationencup (18):

1.

Österreich

3129

2.

Schweiz

2095

3.

Norwegen

1790

4.

USA

1215

5.

Italien

1164

6.

Frankreich

1039

7.

Deutschland

751

8.

Schweden

470

9.

Kanada

390

10.

Slowenien

351

11.

Slowakei

290

12.

Liechtenstein

125

13.

Tschechien

54

14.

Großbritannien

32

15.

Kroatien

30

16.

Bulgarien

11

17.

Japan

8

18.

Neuseeland

5

19.

Belgien

3

.

Polen

3