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29.09.2018

Fellers "Versprechen" an Hirscher: "Werden lästig sein!"

Das ÖSV-Trio Matt, Feller und Schwarz sagt dem Superstar für den kommenden WM-Winter den Kampf an.

Trotz Schneemangel haben Österreichs Ski-Technik-Herren diese Woche auf heimischen Gletschern gut trainiert. Im Mölltal kam es zum ersten Saisonvergleich zwischen Marcel Hirscher und Manuel Feller. Dass der Weltcup-Star von einem "bevorstehenden Generationswechsel" gesprochen hat, quittierte Feller schmunzelnd. "Wir werden alles daran setzen, kommenden Winter lästig zu sein", sagte der Tiroler.

Der einstige Junioren-Weltmeister im Slalom hat sich trotz anhaltender Rückenprobleme wie Michael Matt und Marco Schwarz in der Weltelite etabliert und ist phasenweise im Riesentorlauf sogar bereits stärker. Lehrgeld musste er vergangenen Winter mit dem schmerzhaften "Highsider" in Adelboden und dem Schleudertrauma bei Olympia bezahlen, dafür ist der Rücken so gut wie noch nie. "Aber das sage ich eh jedes Jahr im Sommer", scherzte der 25-Jährige aus Fieberbrunn.

Doppel-Olympiasieger Hirscher hatte seine Teamkollegen Feller, Schwarz und den Slalom-Olympia-Dritten Matt vor der Saison zu Mitfavoriten ernannt. Dieses starke Slalom-Trio von Chefcoach Marko Pfeifer, das bei Olympia zusammen mit drei ÖSV-Damen Team-Silber geholt hatte, ist tatsächlich anhaltend im Vormarsch. Der jüngste Fortschritt: Im WM-Winter verfügt nun jeder auch über seinen persönlichen Servicemann.

Die beiden Atomic-Piloten Feller und Schwarz hatten sich zuletzt Robert Bürgler (ehemals bei Benjamin Raich) geteilt. Nun werden Fellers Ski von Richard Weißenbacher, dem ehemaligen Kantenschleifer von Eva-Maria Brem, optimiert. Schwarz vertraut künftig auf den bisherigen Skiwachsler von US-Superstar Mikaela Shiffrin, Kim Erlandsson. Rossignol-Fahrer Matt wird weiterhin von Michael Wildauer betreut. "Das ist ein Riesenschritt vorwärts. Man ist flexibler und kann mehr ins Detail geben", begrüßte dies Pfeifer.

Top-Bedingungen in Neuseeland

Kein Wunder, dass sein Top-Trio zuversichtlich in den WM-Winter startet. Vor allem, weil es insgesamt "besser als erwartet" (Feller) läuft. Während Superstar Hirscher auf heimischen Gletschern blieb, übten Feller und Co bei perfekten Bedingungen und auf aggressivem Winterschnee in Neuseeland. "Wir haben in den drei Wochen dort sehr, sehr viel weitergebracht", so Feller.

Bewährt hatte sich schon dort die neue Individual-Betreuung. "50 bis 80 Prozent gehen vom Material aus", ist Feller überzeugt. "Mit einem Servicemann pro Athlet kriegt man in drei Wochen massiv mehr weiter", schwärmte er über die Erfahrungen in Neuseeland. Auch an der Konstanz, Fellers Schwäche, wurde gefeilt. "Ich hatte im Slalom nur einen Ausfall. Im Riesentorlauf drei, zwei davon nebelbedingt und aus Sicherheitsgründen", betonte Feller, der sich im Riesentorlauf derzeit sogar besser drauf fühlt. "Nimmt man es Schwarz auf Weiß, bin ich dort schneller."

Gegenseitiges Pushen

Dass Hirscher einen Generationenwechsel angekündigt hatte, ringt Feller ein Schmunzeln ab. "Wir werden uns gegenseitig pushen und versuchen, diesen Wechsel zu vollziehen. Aber solange Marcel am Start ist, ist er der, der zur schlagen ist", ist Feller überzeugt. "Marcel will sich halt im Herbst ein bissl Druck nehmen. Aber der Weg zum Sieg geht nur über ihn." Er habe mit dem Salzburger ausgemacht: "Einmal muss er mich vorlassen, dann kann er von mir aus aufhören."

Auch Matt hofft, im kommenden Winter einen weiteren Schritt machen zu können. "Es war zwar eine Saison mit Höhen und Tiefen. Insgesamt habe ich aber bestätigt, dass ich an der Weltspitze angekommen bin", ist der jüngste Matt-Bruder überzeugt. Zu schlagen seien weiter die üblichen Verdächtigungen und Hirscher werde trotz Heirat und Vaterschaft nur schwer zu biegen sein.

"Er hat so viel Erfahrung, dass er nahtlos an seine Leistungen anschließen wird", glaubt der Arlberger. "Wenn du so viel Routine wie er im Kopf hast, kann dich nicht mehr viel aus dem Konzept bringen." Auch Matt hat in Neuseeland verstärkt Riesentorlauf trainiert. "Ich will ja nicht den ganzen Sommer für nur elf Rennen trainieren", erklärte er die Suche nach dem zweiten Standbein. "Außerdem hat man dann doppelte Präsenzzeit für die Sponsoren."