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Sport | Wintersport
03/24/2019

Doping: Deutscher Eisschnellläufer mutmaßlicher Kunde in Erfurt

Der Olympia-Teilnehmer wollte keine Stellung nehmen, vorerst gibt es auch keinen Kommentar der Staatsanwaltschaft München.

Im Doping-Skandal rund um die Ende Februar in Seefeld und Erfurt durchgeführte Razzia "Operation Aderlass" ist nach Informationen der ARD-Dopingredaktion auch mindestens ein deutscher Sportler unter Verdacht. Ein betroffener Eisschnellläufer sei nach am Sonntag in der ARD-Sportschau verlautbarten Informationen bei Olympia 2018 dabei gewesen. Verschiedene Quellen hätten konkrete Hinweise geliefert.

Diese deuten darauf hin, dass sich dieser Sportler vor den Winterspielen wiederholt sein Blut vom Netzwerk um "Doping-Arzt" Mark S. habe abnehmen lassen. Die ARD habe den Aktiven telefonisch erreicht, dieser habe dazu nichts sagen wollen. Die Staatsanwaltschaft München wollte den Fall nicht kommentieren, verwies auf laufende Ermittlungen. Ähnlich argumentierte Deutschlands Nationale Anti Doping Agentur (NADA).

21 Sportler aus acht Ländern stehen im Visier der Ermittler, laut ARD soll nicht nur der eine Eisschnellläufer ein Deutscher sein. Von den angeblich fünf involvierten Sportarten soll es neben den Eisschnelllauf und wie schon bekannt den Skilanglauf und den Radsport auch die Leichtathletik betreffen. Die fünfte soll eine weitere Wintersportart sein.

"Ein nicht unerheblicher Teil der Athleten war im Radsport tätig", sagt Oberstaatsanwalt Gräber der ARD. "Auch Radsportler sind betroffen, die an großen und langen Rundfahrten teilgenommen haben."

Bisher sind neun Aktive als Kunden des Arztes aus dem Skilanglauf (unter ihnen die Österreicher Max Hauke, Dominik Baldauf und Johannes Dürr) und dem Radsport (Stefan Denifl und Georg Preidler) bekannt, wobei ein Kasache sein Geständnis widerrufen hat.

Athleten-Körper als Blut-"Transportbehälter"

Als Transportbehälter für die zuvor eingelagerten roten Blutkörperchen etwa zu Olympia haben laut Schilderung der Staatsanwaltschaft die Körper der Sportler hergehalten. Etwa vor dem Abflug nach Pyeongchang in Südkorea wurde den Athleten demnach bis zu ein Liter Blutkonzentrat in den Kreislauf infundiert.

Dazu wurde von der ARD der Berliner Sportmediziner und Internist Fernando Dimeo befragt, er nannte dieses Vorgehen "pervers und kriminell": "Man hat keine Erfahrung. Sie müssen sich vorstellen - in einen gesunden Körper spritzt man kein Eigenblut und schon gar nicht vor dem Flug. Das Blut wird dicker. Entsprechend können Gerinnsel entstehen, Thrombosen - lebensgefährlich."

Nach der Landung ließen sich die Athleten von Mitarbeitern des Netzwerks das Blut wieder abzapfen, um es kurz vor dem Wettkampf erneut zuzuführen. Laut Staatsanwaltschaft sei mindestens an einem Athleten ein Hämoglobinpulver ausprobiert worden, von dem Wirkung und Nebenwirkungen nicht bekannt waren. Danach habe das Herz des Athleten gerast. Von einer weiteren Verwendung des Mittels sei dann abgesehen worden.