Sport | Wintersport
22.11.2018

Babyboom im alpinen Weltcup-Skizirkus

Neben Hirscher starten auch Feuz, Paris, Digruber, Sander, Tonetti erstmals als Papas.

Vater zu werden hat für Ski-Superstar Marcel Hirscher die Prioritäten verändert. Doch der Österreicher ist bei weitem nicht der einzige, der sich am aktuellen Babyboom im Weltcup beteiligt hat. Auch Beat Feuz (SUI), Dominik Paris (ITA), Marc Digruber, der Deutsche Andreas Sander oder Italiens Riccardo Tonetti gehen im WM-Winter erstmals als Jung-Väter an den Start.

Damit sind sie nicht einmal Wegbereiter. Auch Philipp Schörghofer, Romed Baumann, Felix Neureuther, Peter Fill, Manuel Osborne-Paradis oder auch der (zurückgetretene) Steirer Klaus Kröll sind noch während ihrer aktiven Karriere Papa geworden. Am konsequentesten betrieb die Familienplanung Erik Guay, der Kanadier hat vier Töchter zu Hause. Kein Wunder, dass der 37-Jährige nun in seine definitiv letzte Saison startet.

Während Ski-Superstar Hirscher den Namen seines Buben bis heute nicht geoutet hat und dies zur absoluten Privatzone erklärt hat, gehen die Berufskollegen des Salzburgers damit etwas offener um. Abfahrtsweltmeister Feuz etwa hatte kein Problem, den Namen seiner im Juni geborenen Tochter Clea über Soziale Netzwerke zu verkünden.

"Das muss jeder für sich entscheiden. Ich bin sicher keiner, der sein Kind offensiv im Zielraum präsentieren wird. Aber ich verstecke es auch nicht, da bin ich etwas entspannter", sagte der 31-jährige Schweizer in Lake Louise.

Dort will es Hirschers einstiger Weltcup-Rivale dem Österreicher gleichtun und kommendes Wochenende gleich sein erstes Rennen als Vater auch gewinnen. "Ob gewinnen oder nicht. Es ist schön, auch als Papa am Weltcup teilzunehmen. Alles kein Problem. Jetzt fiebern halt zwei Mädels zu Hause mit", sagte Feuz, der mit der österreichischen Ex-Rennläuferin Kathrin Triendl liiert ist und dessen Tochter derzeit noch als "Triendl" und "Österreicherin" in Tirol aufwächst.

Verständliche Zurückhaltung

Der aktuelle Baby-Boom taugt Feuz jedenfalls. "Dann können wir irgendwann in Zukunft eine schöne internationale Competition Hirscher, Feuz, Paris, Sander, Digruber, und wo immer es sonst noch Kinder gegeben hat, machen."

Feuz zieht die Vorgehensweise "sag den Namen und dann ist Ruhe" vor. Für Hirschers Zurückhaltung hat er aber Verständnis. "Für ihn ist das sicher nicht so einfach. Wenn er wo stehen bleibt, sind in wenigen Minuten zweihundert Kinder rundherum."

Baumann, selbst seit 2016 Vater einer Tochter Namens Magdalena, sieht das ähnlich. "Ich verstehe Marcel voll. Er ist um einiges bekannter als ich und Kinder sind absolute Privatsache, das sollte man respektieren", sagte der Tiroler.

Guay ist wiederum ein Beleg dafür, dass Kinder nicht langsamer machen und man auch als Mehrfach-Vater noch höchst erfolgreich sein kann. Erst 2017 wurde er mit 35 Jahren Weltmeister im Super-G und holte Silber hinter Feuz in der Abfahrt. "Ich war schon 27, als ich erstmals Vater wurde. Anfangs hat alles meine Frau erledigt. Aber ab dem zweiten Kind habe ich meine Ski-Vorbereitung doch etwas geändert und bin etwas mehr zu Hause geblieben, um mitzuhelfen", berichtete Guay in Lake Louise.

Kinder zu bekommen, verändere letztlich aber alles, glaubt auch Guay. "Es bringt das Leben ins richtige Verhältnis, natürlich auch für Marcel. Er hat eine so großartige Karriere und er ist ein unglaublicher Sieger. Aber ein Kind sagt dir, dass Skifahren letztlich Spaß ist, ein Kind hingegen etwas ganz Spezielles."

"Man muss sich nur eine junge Frau suchen"

Gegen den Trend agiert Hannes Reichelt. 38 Jahre alt ist der Salzburger Routinier schon, doch sowohl Vaterschaft als auch Karriere-Ende sind aktuell kein großes Thema. "Man muss sich nur eine junge Frau suchen. Dann hat man etwas mehr Zeit dafür", scherzte der seit 2016 mit der Südtiroler Ex-Rennläuferin Larissa (Hofer) verheiratete Salzburger.