Nordische WM

© Günther Pavlovics

Nordische WM
02/21/2013

Togos erster WM-Teilnehmer

"Jay-Jay" Viossei-Akpedje Madja war 129. im ersten Langlaufrennen seines Lebens.

Jay-Jay. Komm bitte her, Jay-Jay." Die Qualifikation war gelaufen. Zwar heißt der Bewerb Sprint, doch "Jay-Jay" ließ sich für die 1,5 Kilometer in der Loipe 7 Minuten und 19,09 Sekunden Zeit.

Der Russe Kriukow, der spätere Weltmeister, hatte 3:29,75 Minuten gebraucht und war schon längst interviewt und geduscht. Doch "Jay-Jay" war zu diesem Zeitpunkt noch immer ein gefragter Mann. Deutsche TV-Sender und polnische Radio-Journalisten hielten ihre Mikros "Jay-Jay" unter die Nase.

Laufmasche

"Jay-Jay" ist ein Mann, der im Kreis der schnellsten Langläufer der Welt unter die Kategorie Exote fällt. "Jay-Jay" heißt in vollem Namen Viossei-Akpedje Madja, und er ist der erste Mensch aus Togo, der an einer nordischen WM teilnimmt. Zudem war es das erste Langlaufrennen seines Lebens.

"Jay-Jay" Madja hustete ein halbe Stunde nach dem Zieleinlauf, bei dem er fast zu Sturz gekommen wäre, noch immer. "Ja. Es war anstrengend", sagte er. Obwohl er sich das Rennen gut eingeteilt habe. "Ich bin die Strecke vor dem Start noch im Kopf durchgegangen." Und: "Ja. Es war schön", versicherte er. "Naja. Wenn ich mehr Zeit fürs Training gehabt hätte, wäre ich vielleicht noch schneller gewesen."

Nur achteinhalb Wochen ist es her, dass er sich dem Langlaufen verschrieben und den Entschluss gefasst hat, in Val di Fiemme anzutreten. "Da habe ich die Fußballschuhe an den Nagel gehängt und die Skier angeschnallt."

Ex-Kicker

Fußball? Darin liegt der Grund, warum Monsieur Madja perfekt Deutsch spricht. Und warum ihn die deutschen Journalisten als "Jay-Jay" vereinnahmt haben. Madja ist seit Kurzem 27 Jahre alt und kam mit 16 mutterseelenallein nach Deutschland, um dort im Nachwuchs von Unterhaching von einer Karriere als Fußballprofi zu träumen. Der endete nach zwei Achillessehnenrissen.

Mittlerweile entwickelt Madja in München Software für Krankenhäuser. Bis vor acht Wochen stand er noch nie auf Skiern. Jetzt träumt er von Sotschi. "Die Olympischen Spiele sind ein Ziel von mir. Dafür habe ich dann mehr Zeit fürs Training."

In Cavalese reichte es nur zum 129. und damit zum letzten Platz.

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