Dominic Thiem siegte in drei Sätzen

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Sport
06/06/2019

Thiem nach Machtdemonstration im French-Open-Halbfinale

Österreichs Tennis-Star lässt dem Russen Chatschanow nicht den Hauch einer Chance und gewinnt in drei Sätzen.

von Harald Ottawa

Jubel, dann der Blick in die Box:  Bilder, die alle Jahre wiederkehren.  Jedes Jahr um die gleiche Zeit.

Dominic Thiem erlebt in Paris seinen vierten Frühling als Semifinalist in Folge. Nach einer  beeindruckenden Leistung gegen den Russen Karen Chatschanow,  ab Montag immerhin erstmals auch Top-Ten-Spieler,  jubelte auch die Box, wo unter anderem Trainer Nicolas Massu („Das war eine Meisterleistung“)  und Vater Wolfgang ihre Wäsch’ verschwitzten. Thiem spielte sich staubtrocken in die Runde der besten vier und  siegte  nach seiner heuer absolut besten Leistung bei diesem Turnier glatt 6:2, 6:4 und 6:2. „Es ist ein Traum. Ich habe heute nicht sehr viel verschlagen.“  Auch Massu war begeistert: „Dominic hat von Beginn an sein Spiel durchgezogen.“

Thiem hatte sich von Spiel zu Spiel gesteigert. Und er wird es noch einmal müssen. Denn heute wartet der Ranglisten-Erste Novak Djokovic, der auch den Deutschen Alexander Zverev   mit 7:5, 6:2 und 6:2 abzog und als Einziger  ohne Satzverlust in dieses Halbfinale kam.

Thiems Form stimmt auch. Es herrschte von Beginn an Länderspiel-Atmosphäre im Stadion Suzanne Lenglen, was im Tennis so viel wie Daviscup-Atmosphäre bedeutet.  Einige Zuschauer hatten bei ausgelassener Stimmung eine Fahne, es wurde die russische und auch die österreichische geschwenkt.

Schon beim ersten Game, das immerhin sieben Minuten dauerte, waren die Ballwechsel hochklassig. Und im dritten fiel dann die Vorentscheidung in Satz eins, Thiem holte sich das erste Break zum 2:1. Chatschanow schlug in russisch-unorthodoxer Manier Winner, gelegentlich segelten die Filzkugeln aber weit ins Aus.

Beständig

Österreichs Nummer eins blieb beständig und sicherte sich nach einem weiteren Break Satz eins mit 6:2. Einziges Manko: Kam Österreichs Ass in die Nähe des Netzes, entschied er sich  zumeist nicht für die feinste Variante. Auch wenn dies besser wurde, seine Spiele, und vor allem die auf Sand, werden von der Grundlinie entschieden.

Die Fans wurden lauter. Während Thiem mit seinem richtigen Namen angefeuert wurde, nahmen es andere Anhänger nicht so genau. Die Namen der Ex-Stars Kafelnikow und Safin – immerhin auch Russen –  hallten durch die Arena.

Freilich hatte  auch der 23-Jährige seine Fans, die seinen Namen kannten, auch „Karen“ war an diesem Nachmittag oft zu hören. Liebevolleres spendeten aber Thiem-Fans,  beispielsweise ein Transparent mit seinem Namen, flankiert von Herzerln.

Und der Weltranglisten-Vierte zeigte auch im zweiten Satz viel davon, sprich Leidenschaft. Der Lichtenwörther machte das Break zum 5:4 und hatte zwei Satzbälle. Als er diese vergab, kamen die russischen Fans noch einmal ins Jubeln.

Thiem ließ sich nicht davon beeindrucken und beendete mit einem Vorhand-Cross den Satz. Spätestens nach dem Break zum 3:2 war die Gegenwehr des Russen gebrochen. Überragend: Thiem ließ keinen einzigen Breakball seines Gegners zu, schlug insgesamt 29 Winner und fabrizierte nur zwölf Fehler.

Heißes „Final Four“

Der  Vorjahresfinalist geht gerüstet in die selten so heiße finale Phase. In eine Endrunde mit den besten vier Herren der Welt (das gab es bei einem Major zuletzt 2012 in Melbourne mit Djokovic, Nadal, Federer und Andy Murray), mit den drei Besten der Geschichte.

Um 12.50 Uhr starten der Pariser Elffach-Champ Rafael Nadal und Major-Rekordsieger Roger Federer ihre Partie am Centrecourt Chatrier, im Anschluss kommt es zum Duell von Thiem mit dem Branchen-Primus Djokovic (alles live ORFeins, Eurosport).

Djokovic spielt auf höchstem Level, aber ich gehe nicht auf den Platz, um nur eine gute Figur abzugeben. Ich kann alle schlagen“, sagt Thiem, der den Serben 2017 hier im Viertelfinale besiegt hat. Nur: Derzeit ist vor allem Djokovics  Form bei Grand-Slam-Turnieren beängstigend, er hat seit einem Jahr kein Match auf höchster  Ebene verloren. Und er lobt Thiem: „Es spricht für ihn, wo er steht, und auf Sand spielt er sein bestes Tennis.“