Sport
08.06.2018

Dominic Thiems Vorsicht vor der großen Chance

Der 24-Jährige kann heute erstmals ins French-Open-Finale einziehen. Trainer Bresnik warnt aber vor Aufsteiger Cecchinato.

Der rote Baron gab sich wieder die Ehr’. Boris Becker wohnte gestern erneut einer Traininsheinheit von Dominic Thiem bei. Irgendwie bringt er Glück, der 50-jährige Deutsche, dessen Gesichtsfarbe mittlerweile roter als seine Haartracht ist. Als Prophet taugt er ebenso. „Ich habe die Siege von Thiem über Nishikori und Zverev vorausgesagt, jetzt schlägt er auch Marco Cecchinato.“

Günter Bresnik, einst auch Becker-Trainer, bremst aber die Euphorie vor der heutigen Partie gegen den 25-jährigen Italiener (13 Uhr, live im KURIER.at-Liveticker, ORFeins, Eurosport). „Wer Carreño Busta, Goffin und Djokovic hintereinander schlägt, kann nicht schlecht sein, egal, ob er vor dem Turnier nur die Nummer 72 war.“

Signore Cecchinato, der gestern am Vormittag trainierte, erlebt freilich die Tage seines Lebens. „Nach Roland Garros brauche ich etwas Pause, um das alles zu realisieren.“

Auf der Anlage plauderte er über fast alles. Über seinen ersten Turniersieg vor einigen Wochen in Budapest, über zwei Duelle vor etlichen Jahren mit Thiem, über seine Liebe zum Tennis. Ein Kapitel lässt er aber lieber aus. 2016 wurde er vom italienischen Verband wegen einer angeblichen Matchabsprache zunächst für 18 Monate gesperrt, von einem anderen Gericht wurde die Sperre auf 12 Monate reduziert und dann wegen Verfahrensfehlern bzw. versäumter Fristen überhaupt aufgehoben. „Kein Kommentar“, lautet sein Kommentar. Italienische Journalisten können sich nicht vorstellen, dass ihr Schützling Schuld auf sich genommen hat. „Seine Eltern in Sizilien sind sehr reich. Wenn er etwas nie hatte, waren es Geldprobleme.“ Die wird er nach den French Open auch nicht haben. 560.000 Euro brutto sind ihm sicher.

Sportlerbeziehung

Freilich will sich Thiem jetzt einmal die 1,12 Millionen Final-Prämie sichern. „Dominic ist sehr entspannt, auch im Training heiß und hat jeden Tag den selben Ablauf“, sagt Bresnik, der mit 57 auch eine Premiere feiern will, obwohl er schon bei den weltbesten Spielern aus- und einging. „Es wäre mein erstes Grand-Slam-Finale“, sagt der Niederösterreicher. Logischerweise auch für Thiem.

Bresnik ist freilich hier ein wertvoller Baustein zum Erfolg. Neben ihm (Thiem: „Günter ist eine der wichtigsten Personen in meiner Karriere“) sind dies Alex Stober („Für mich definitiv der beste Physio, den es gibt.“) und Touringcoach Galo Blanco („Ein ein super Bonus in meinem Team“).

Freilich gehen alle davon aus, dass sie am Sonntag auch in Paris sein werden. An ein mögliches Finale gegen Nadal will Bresnik trotzdem nicht denken. Dennoch steht der zehnfache Paris-Sieger immer im Fokus. „Wahnsinn, wie lange er konstant und konzentriert spielen kann.“ Gestern gewann der 32-Jährige die Fortsetzungspartie gegen den Argentinier Diego Schwartzman 4:6, 6:3, 6:2, 6:2. Auch, wenn Nadal am Mittwoch bei Regen Probleme hatte: „Für mich ist immer noch unantastbar“, sagt Bresnik. Halbfinalgegner des zehnfachen Paris-Siegers ist heute der Argentinier Juan Martin del Potro.