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Sport
01/08/2019

Rallye Dakar: Weibliche Konkurrenz für die Benzinbrüder

So viele Frauen wie noch nie starteten in die Rallye Dakar. Dennoch bleiben sie eine Minderheit.

Laia Sanz versucht, den Spieß umzudrehen. „Männer sind körperlich überlegen und risikofreudiger“, sagt die 33-jährige Spanierin. „Dafür bin ich vielleicht schlauer und mache weniger Fehler.“

Die Motorradfahrerin stürzte sich am Montag in Lima in das Abenteuer Dakar, als eine von 16 Frauen. Noch nie in der 30-jährigen Geschichte der Extrem-Rallye waren es so viele Starterinnen.

Andererseits machen die 16 Damen im 540 Teilnehmer umfassenden Starterfeld gerade einmal 2,96 Prozent aus.

Frauen sind also auch im Jahr 2019 im Motorsport Exoten, stehen dadurch auch mehr im Rampenlicht. Allerdings sagte Sanz im Red Bulletin: „Gerade als Frau in einer frauenuntypischen Sportart musst du Sponsoren und Partner davon überzeugen, dass du vieles genau so gut kannst wie ein Mann – und einiges um vieles besser. Ich habe ungefähr 14 Weltmeistertitel und bin seit dem Jahr 2000 Pro. Aber erst seit 2018 bekomme ich im KTM-Werksteam das exakt gleiche Material wie meine männlichen Kollegen.“

Im Jahr 2015 schrieb sie mit dem neunten Platz bei der Dakar Geschichte und zeigte, dass auch Frauen im erweiterten Spitzenfeld mitfahren können. Dass sie mehrfache Trial- und Enduro-Weltmeisterin in der Damenwertung ist, ist für sie nebensächlich: „Ich bin immer gegen Männer angetreten – und habe sie geschlagen. Damenwertungen haben mich nie interessiert.“

Die besten Piloten bei der Dakar wird sie aber nicht besiegen, und das weiß sie auch. Zu groß sind die Kraft-Vorteile der Männer gerade bei den Motorradfahrern. „Ich werde die Dakar auf dem Motorrad höchstwahrscheinlich nicht gewinnen können“, sagt Sanz. „Für eine Frau ist ein niedriges Top-Ten-Resultat das Maximum. Diesem Maximum will ich mich annähern.“ Ein Sieg für Frauen sei nur in der Auto-Wertung möglich.

Das hat bereits Jutta Kleinschmidt bewiesen: 2001 gewann die Deutsche die Dakar, weitere drei Mal kam sie unter die besten Drei.

Für die meisten Frauen geht es bei der Dakar 2019 aber vor allem um die Zielankunft am 17. Jänner in Lima. In der Motorrad-Kategorie sind sechs Frauen dabei. Mirjam Pol aus den Niederlanden gehört schon zu den Routiniers, ihr Debüt gab sie im Jahr 2006. Zum zweiten Mal am Start ist die Tschechin Gabriela Novotna, im Hauptberuf Fremdsprachenassistentin für Englisch und Französisch. Ein Traum in Erfüllung geht für Gianna Velarde, die erste Motorradfahrerin aus Peru. Die heute 24-Jährige überwand vor neun Jahren eine Krebserkrankung. Nach 16 Chemotherapien und 30 Bestrahlungen war die Krankheit besiegt. Ihr Vater schenkte ihr ein Motorrad. Damit begann ihre Leidenschaft. Als Teammitglied wird die Italienerin Elena Foi geführt. Sie unterstützt ihren Mann Nicola Dutto, der trotz Querschnittslähmung auf dem Bike startet.

Die Russin Anastasia Nifontowa und die Spanierin Sara Garcia sind die ersten beiden Frauen, die in der „Original-Klasse“ antreten. Dabei sind sie auf sich alleine gestellt und dürfen keine Unterstützung (etwa von Mechanikern) annehmen.

Zwei Deutsche bilden ein reines Frauen-Team in der SxS-Klasse, wo mit Buggy-ähnlichen Autos gefahren wird: Annett Fischer und Co-Pilotin Andrea Peterhansel. Ihr Mann ist der Mister Dakar, er gewann die Rallye 13 Mal. Andrea ist zum elften Mal am Start, vier Mal war sie bei den Motorrädern beste Frau, 2004 wurde sie bei den Autos Fünfte. In der SxS-Klasse startet auch die Tschechin Olga Rouckova. Sie sagt zum Thema Technik: „In dieser Beziehung bin ich wirklich eine Frau. Doch ich glaube, dass ich die wichtigsten Handgriffe beherrsche.“

Camelia Liparoti (ITA) und Rosa Romero Font (ESP) haben beide schon Dakar-Erfahrung, Liparoti nimmt zum elften Mal teil. Ihre Beifahrerin im Buggy ist mit Joan „Nani“ Roma verheiratet. Wie Peterhansel konnte er die Dakar mit dem Motorrad und dem Auto gewinnen. Fernanda Kanno (35) fährt mit dem Auto. Die TV-Journalistin war letztes Jahr die erste Frau aus Peru, die an der Dakar teilgenommen hat. Aus Paraguay kommt Andrea Lafarja. Die Mutter einer kleinen Tochter ist seit klein auf ein Motorfreak und feiert ihr Debüt. Die Spanierin Christina Gutierrez stellt sich zum dritten Mal der Herausforderung.

Die 52-jährige Florence Deronce ist Beifahrerin in einem Lastwagen. Kurzfristig absagen musste Suany Martinez. Die bolivianische Quad-Pilotin leidet noch immer an den Folgen des Unfalls bei der Dakar im Vorjahr.