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Sport Motorsport
08/11/2019

MotoGP: Dovizioso schnappt Marquez Spielberg-Sieg weg

Dem Honda-Star blieb ein Sieg in Österreich damit erneut verwehrt. Dritter wurde der Franzose Fabio Quartaro.

von Alexander Strecha

Auf 20 Rennstrecken hat Marc Márquez, der Dominator in der MotoGP, schon von der Spitze gelacht. Überall hat er seine Konkurrenz schon in Grund und Boden gefahren. Überall? Nein, ein Kurs scheint dem Spanier ganz und gar nicht zu liegen: Spielberg. Auch im vierten Anlauf wurde der WM-Leader von einem Ducati-Piloten ausgebremst. 2016 von Iannone, 2017 von Dovizioso, 2018 von Lorenzo und 2019 wieder von Andrea Dovizioso. Der Márquez-Fluch in der Steiermark bleibt aufrecht.

Spielberg stand am Sonntag unter Strom. Zunächst strömten die Massen - Laut dem Projekt Spielberg kamen das gesamte Wochenende über insgesamt 197.315 Zuschauer - in aller Herrgottsfrüh in Richtung Red-Bull-Ring, die meisten führten die Nummer 46 auf T-Shirts oder Kappen spazieren. Fans von Valentino Rossi, wohin man auch blickte. Viele von ihnen warteten im Fahrerlager vor dem Motorhome, um einen Blick auf "Il dottore" zu erhaschen. Ein Selfie mit ihm als Medizin für die Seele. Der Italiener fasziniert immer noch wie kein anderer.

Lautlos in Spielberg

Den Auftakt des Renntages machte die MotoE mit einem Rennen über nur fünf Runden, der nassen Fahrbahn und der geringen Batteriekapazität geschuldet. Auf den Tribünen unterhielt man sich plötzlich nur noch im Flüsterton, um irgendeinen Laut von den Maschinen zu vernehmen: "Pssst, sie kommen." Viele Benzinbrüder können sich mit Motorsport ohne Motorengeheul noch nicht anfreunden.

Danach hatte Nicole Ettlinger ihren großen Auftritt. Die 20-jährige Niederösterreicherin fungierte als Grid Girl bei der Moto3. Seit sieben Jahren ist die Motorsportbegeisterte dabei im Zirkus als eine der wenigen Österreicherinnen, in der MotoGP hat sie gewöhnlich vor dem Start die Schirmherrschaft über Marc Márquez. Der musste gestern ohne ihren Geleitschutz auskommen – vielleicht fehlte ihm genau der zum Sieg. "Er ist ein lustiger Typ, der gerne in Feierlaune ist. Und er hat ja in den letzten Jahren viel zu feiern", erzählte die Vize-Miss Niederösterreich, die so nebenbei auch noch fünf Sprachen spricht.

Einen doppelten Grund zum Feiern gab es danach in der Moto2: Brad Binder gewann an seinem Geburtstag, noch dazu auf einer KTM. Das Team bejubelte den Heimsieg ausgelassen.

1. Andrea Dovizioso (ITA) Ducati 39:34,771 Min.
2. Marc Marquez (ESP) Honda +0,213 Sek.
3. Fabio Quartararo (FRA) Yamaha 6,117
4. Valentino Rossi (ITA) Yamaha 7,719
5. Maverick Vinales (ESP) Yamaha 8,674
6. Alex Rins (ESP) Suzuki 8,695
7. Francesco Bagnaia (ITA) Ducati 16,021
8. Miguel Oliveira (POR) KTM 16,206

Tolle Show

All das war die perfekte Ouvertüre für den Höhepunkt, die MotoGP. Eigentlich war alles für den Premieren-Sieg von Márquez angerichtet: Siebente Poleposition in dieser Saison, den siebenten Saisonsieg vor Augen. Doch auch diesmal reichte der erste Startplatz nicht zum großen Triumph in Österreich.

Von Start weg wurde das Rennen vom Zweikampf zwischen Ducati-Pilot Andrea Dovizioso und Honda-Haudegen Márquez geprägt, die Führung wechselte ständig und hielt die Zuschauer im Bann. Bis zur letzten Runde, sogar bis zur allerletzten Kurve. Denn dort wagte Dovizioso sein letztes Manöver, presste sich an Márquez vorbei und feierte seinen zweiten Sieg in Österreich. „Ich hatte ein gutes Gefühl in diesem Moment und wusste, dass ich nur noch diese eine Chance habe. Ich hätte locker den zweiten Platz heimfahren können, aber ich musste es einfach noch einmal probieren“, jubelte der Italiener über das geglückte Husarenstück.

Marc Márquez gab am Ende des steirischen Rennwochenendes mit 197.315 Fans den fairen Verlierer: „Ich freue mich über den zweiten Platz, weil ich mit den Reifen Probleme hatte. In der letzten Kurve rutschte mein Heck extrem, außerdem hat Dovi einen tollen Job gemacht.“ Die Gebrüder Moped, Marc und Bruder Alex Márquez, mussten sich am Sonntag in Spielberg somit mit zwei zweiten Plätzen begnügen. Dennoch führen beide die Weltmeisterschaft an, der eine in der MotoGP, der andere in der Moto2.

Altstar Valentino Rossi, 40, bot seinen Fans eine tolle Show mit Platz vier, mehr gab seine Yamaha nicht her.