Lewis Hamilton hatte am Sonntag einen recht lockeren Renntag. 

© REUTERS/JEAN-PAUL PELISSIER

Sport | Motorsport
06/23/2019

Formel-1-Weltmeister Hamilton siegt im Parkplatzrennen

Der Engländer holt seinen 71. Sieg auf einer Rennstrecke in Le Castellet, die der Königsklasse nicht würdig ist.

Es gibt spektakuläre Rennen in der Formel 1 und weniger aufregende. Und dann gibt es fürchterlich fade Grands Prix, wie etwa jenen am Sonntag in Frankreich.

Lewis Hamilton entschied das vermutlich langweiligste Rennen der Formel-1-Geschichte für sich. In Le Castellet gewann der 34-Jährige von der Poleposition aus, holte seinen insgesamt 79. Rennsieg und baute seine WM-Führung auf Mercedes-Teamkollege Valtteri Bottas aus. 

"Was für ein phänomenales Wochenende, wir können stolz sein", sagte Hamilton nach dem sechsten Doppelsieg für Mercedes im achten Rennen, dem 50. insgesamt. "Jedes Rennen ist eine Herausforderung, es war auch sehr warm im Auto.  Das ist hier technisch anspruchsvoll, man muss sich immer am Limit bewegen und dann passieren auch immer Sachen."

Naja.

Eine Fläche Asphalt

Nur die Besten siegten bisher auf dem Circuit Paul Ricard. Stewart etwa, oder Lauda, Hunt, Prost, Piquet, Mansell und natürlich Hamilton. Doch die Strecke ist heute nicht viel mehr als eine riesige Fläche Asphalt, auf der ein Rennkurs aufgepinselt ist. Was gut ist für Testfahrten (Ausritte bleiben ohne Folgen), ist Gift für ein spannendes Autorennen (Ausritte bleiben ohne Folgen). 

So auch beim Grand Prix von Frankreich am Sonntag. Nach den ersten paar Runden waren die Positionen bezogen. HamiltonBottasLeclerc – Verstappen drehten ihre Runden in genau jener Reihenfolge, in der sie in der Startaufstellung gestanden waren.  Die "Höhepunkte" des Rennens:

Runde 14: Lewis Hamilton beklagt sich am Boxenfunk: "Bei meinem Sitz ist etwas gebrochen."

Runde 40: Lando Norris darf DRS nicht verwenden, da er seinen Teamkollegen nicht überholen soll. 

Runde 47: Lokalmatador Romain Grosjean muss sein Auto in der Box abstellen.

Hässlicher Gorilla 

Nach dem Rennen im Cool-Down-Room: Jackie Stewart, der diese Woche seinen 80er gefeiert hatte, wuschelt Charles Leclerc die Haare und meint, dass der ja gar nicht geschwitzt habe.
Passend zum Rennen erhalten die Fahrer dann auch noch die hässlichsten Trophäen überreicht: Einen Gorilla, der einen Reifen stemmt.

Valtteri Bottas bekam nur in den letzten beiden Kurven den Druck von Ferrari-Mann Leclerc zu spüren. Selbst der Finne analysierte realistisch: "Da ist nicht viel passiert in diesem Rennen. Der Start war eigentlich recht gut, aber Lewis war dann doch schneller und sehr konstant. Ich weiß aber, dass er nicht unschlagbar ist. Ich muss versuchen, die Lücke zu ihm zu schließen."

Der Monegasse Leclerc hielt seinerseits Red-Bull-Mann Verstappen auf Distanz und war mit dem Podestplatz doch zufrieden: "Ich habe alles gegeben, am Ende war es noch ziemlich knapp im Kampf um Platz zwei." Sebastian Vettel, der von Rang sieben gestartet war, musste sich mit Platz fünf und mit dem Extrapunkt für die schnellste Rennrunde zufriedengeben. Einen Rückschlag gab es auch für Daniel Ricciardo. Der australische Renault-Pilot erhielt nachträglich für zwei unerlaubte Manöver in der Schlussrunde jeweils fünf Sekunden Zeitstrafe und rutschte damit vom siebenten auf den elften Platz zurück.

In der Gesamtwertung nimmt Titelverteidiger Hamilton nun bereits 36 Punkte Vorsprung auf Bottas mit zum nächsten Rennen nach Spielberg. Vettel fehlen 76 Punkte - mehr als drei Siege. 

Gute Aussichten

In Spielberg kann es am Sonntag nur aufregender werden. Das sagt auch Mercedes-Teamchef Toto Wolff: "Es tut mir leid, wir wollen auch spannendere Rennen. Der Red-Bull-Ring ist eine Power-Strecke und es wird sehr heiß sein.Und uns fehlt ein bisschen die Kühlung und ein bisschen die Power."