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11.09.2018

Rochade in Rot: Leclerc ersetzt Räikkönen bei Ferrari

Der Finne bleibt dem Formel-1-Zirkus erhalten - er wechselt zum Sauber-Team, wo seine Karriere begann.

Der lange erwartete Fahrerwechsel bei Ferrari ist offiziell: Mit Saisonende verlässt Kimi Räikkönen die Scuderia und wird durch den 20-jährigen Monegassen Charles Leclerc ersetzt. Der amtierende Formel-2-Champion konnte in seiner Debütsaison in der Formel 1 überzeugen und nimmt ab 2019 die Rolle als Nummer Zwei neben Sebastian Vettel ein.

Für den bald 39-jährigen Räikkönen schließt sich unterdessen ein Kreis: Er unterzeichnete bei Alfa Romeo-Sauber einen Zweijahresvertrag und nimmt damit nicht nur den Platz von Leclerc ein, sondern kehrt auch zu jenem Team zurück, mit dem er 2001 sein Debüt in der Formel 1 gegeben hatte - schon damals mit Ferrari-Motoren. Bei Sauber dürfte er sich im kommenden Jahr die Garage mit Marcus Ericsson teilen, der dem Team wohl ein weiteres Jahr erhalten bleibt.

Der fliegende Finne

Nach einem Jahr bei Sauber zu Beginn seiner Karriere hatte Räikkönen bei McLaren unterschrieben und sich in der Folge zu einem der Hauptherausforderer von Michael Schumacher in dessen Ferrari-Dominanz gemausert. Zum Titel reichte es mit McLaren aber nie, 2003 und 2005 wurde er zunächst hinter Schumacher, dann hinter Fernando Alonso Vizeweltmeister. Nach der Saison 2006 wechselte Räikkönen von McLaren zu Ferrari.

Mit der Scuderia feierte der Finne 2007 seinen größten Erfolg: In einem Jahr, in dem der Ferrari eigentlich gegen die Mercedes-befeuerten McLaren unterlegen war, profitierte der Finne von seiner Konstanz und den teaminternen Querelen zwischen Alonso und Lewis Hamilton bei der Konkurrenz - am Ende reichte es mit einem Punkt Vorsprung zum Weltmeistertitel. Um Platz für Alonso zu machen, musste Räikkönen dort jedoch 2009 sein Cockpit räumen und verabschiedete sich für zwei Jahre von der Formel 1.

Zwischen 2010 und 2012 startete Räikkönen in der Rallye-Weltmeisterschaft und wagte unter anderem auch einen Ausflug in die nordamerikanische NASCAR-Szene - die großen Erfolge blieben ihm jedoch versagt. So feierte der bei den Fans für seine nüchterne Art beliebte Finne nach zwei Jahren Abwesenheit 2012 sein Comeback - für Lotus. Zwei Siege gelangen ihm am Steuer der schwarz-goldenen Boliden, in Abu Dhabi 2012 und zum Saisonstart 2013 in Australien. Der Triumph in Melbourne ist der bisher letzte von Räikkönens 20 GP-Siegen - nach seiner Rückkehr zur Scuderia Anfang 2014 reichte es nie mehr für einen Platz ganz oben auf dem Siegerpodest.

Der Rekordmann und der Kronprinz

Räikkönens Zwei-Jahres-Deal mit Sauber wird ihm am voraussichtlichen Ende seiner Laufbahn wohl auch einen Rekord bescheren: Aktuell hält der Finne bei 285 GP-Starts, bis zum Saisonende werden noch deren sieben hinzukommen. Mit 21 Rennen in der kommenden Saison und wohl einer ähnlichen Anzahl im Jahr darauf wird Räikkönen Ende 2020 bei knapp unter 340 Rennstarts halten und damit den bisherigen Rekordhalter Rubens Barrichello ablösen.

Sein Nachfolger Charles Leclerc kann von solchen Rekorden derzeit nur träumen: Der Monegasse bestreitet 2018 seine erste Saison in der Königsklasse - aber schon seit Jahren wird der "Kronprinz" von Ferrari darauf vorbereitet, eines Tages den roten Overall der Scuderia anzulegen: Seit 2016 durfte Leclerc mehrfach ans Steuer von aktuellen Formel-1-Boliden, zunächst als Freitagstester für Haas, dann für Sauber. Zudem gewann er 2016 und 2017 jeweils den Titel in den Nachwuchsserien GP3 und Formel 2.

Seine Beförderung zum Ferrari-Stammpiloten hatte sich schon früh in der Saison abgezeichnet. Leclerc war Schützling des kürzlich verstorbenen Sergio Marchionne. Dessen Nachfolger schienen aber zunächst einen Verbleib von Räikkönen zu favorisieren - rund um den Grand Prix von Italien wendete sich das Blatt aber erneut zu Gunsten des 20-Jährigen.

Dieser widmete seine ersten Gedanken nach der Bekanntgabe seines Aufstiegs einem alten Freund, dessen Weg ebenfalls zu Ferrari hätte führen sollen: Leclerc war seit den Anfängen seiner Rennkarriere eng mit dem 2015 verstorbenen Jules Bianchi befreundet, der ebenfalls zum Nachwuchskader von Ferrari gehört hatte und vor seinem tödlichen Unfall in Japan 2014 bereits einen Ferrari-Vorvertrag unterschrieben hatte. Zudem gedachte Leclerc in seinem Tweet auch seinem 2017 verstorbenen Vater Hervé.