Rosberg (re.) kann nur aus eigener Kraft nicht mehr Weltmeister werden, sondern muss auf Hamiltons Patzer hoffen.

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Formel 1
11/03/2014

Psychologie & Mathematik vor dem Endspurt

Nach dem Sieg in Texas kann sich WM-Favorit Lewis Hamilton eigentlich nur noch selbst schlagen.

Vorentscheidung.

Dieses Wort will Nico Rosberg nicht hören. Geschweige denn selbst in den Mund nehmen. "Alle Möglichkeiten sind noch da", sagte der 29-jährige Mercedes-Fahrer tapfer, nachdem er im drittletzten Rennen der Saison in Austin (USA) wieder einmal Zweiter geworden war. Zum zehnten Mal in dieser Saison. Wieder hatte sich sein Stall-Rivale Lewis Hamilton durchgesetzt. Diesmal mit einem perfekten Überholmanöver in der 24. Runde.

"Es gibt keine schlimmere Art und Weise zu verlieren: Pole Position und dann überholt dich der Teamkollege mit dem gleichen Auto. Das ist ekelhaft", fasste Rosberg die Ereignisse des Sonntags zusammen, die Hamilton (29) mit dem fünften Sieg in Serie endgültig zum WM-Favoriten machten.

24 Punkte Vorsprung hat der Brite mit den glitzernden Ohrsteckern vor den verbleibenden Rennen in Brasilien (9. November) und Abu Dhabi (23. November) gesammelt. Nur wegen der doppelten Punkte, die heuer erstmals beim Finale vergeben werden, darf Rosberg noch vom Titel in der Fahrerwertung träumen. Der Verfolger ist aber auf einen Fehler des zuletzt souveränen Teamkollegen angewiesen: Denn ein dritter Platz in São Paulo (15 Punkte) und Rang zwei im Finale (36) würden Hamilton zum zweiten Triumph nach 2008 (McLaren) reichen.

Saubere Strategie

"Die Mathematiker sagen, der Wettbewerb ist alles andere als vorbei, aber die Psychologen sagen, er sei es sehr wohl", titelte die britische Daily Mail am Montag. Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff ist sich der heiklen team-internen Situation bewusst und strapaziert vor allem ein Wort: sauber.

"Wir wollen, dass es ein cleaner Weltmeister wird. Wir wollen keine Senna-Prost-Situation", erklärt der Wiener den Anspruch und erinnert an die erbitterte Feindschaft im McLaren-Team im Jahr 1989, die im vorletzten Rennen in Suzuka in einer Kollision mündete. Senna siegte in Japan, wurde aber disqualifiziert, Alain Prost kürte sich zum Weltmeister.

Dass nach der Konstrukteurs- auch die Fahrerwertung an die Silberpfeile gehen wird, ist seit dem zehnten Doppelsieg in Austin sicher. Offen bleibt nur die Frage, wer den Mercedes-Titel holt. Denn auch Verfolger Rosberg denkt trotz schlechtester Vorzeichen nicht ans Aufgeben: "Es wird schwieriger, aber ich habe noch immer eine Chance auf den WM-Titel. Alles ist möglich."

Varianten für Titelentscheidung

Bei den beiden abschließenden Rennen am Sonntag in Sao Paulo und in Abu Dhabi am 23. November sind insgesamt noch maximal 75 Zähler zu vergeben. Erstmals sind im letzten Grand Prix die doppelten Punktzahlen zu holen.

Klar ist: Hamilton wäre auch bei Gleichstand Weltmeister, weil er mehr Siege aufweist. Rosberg muss also mindestens 25 Zähler mehr als sein britischer Stallrivale holen, um erstmals Champion zu werden.

Hier ein paar Varianten, wie Hamilton oder Rosberg den Titel holen können:

Hamilton wird Weltmeister, wenn er
- auch die beiden restlichen Rennen gewinnt; - zusammen maximal 24 Punkte auf Rosberg einbüßt;

- in Sao Paulo mindestens Dritter und in Abu Dhabi Zweiter wird, auch wenn Rosberg beide Grand Prix gewinnen sollte;

- er zweimal keine Punkte holt, aber Rosberg höchstens 24 Zähler schafft.

Rosberg wird Weltmeister, wenn er
- insgesamt 25 Punkte mehr als sein Stallrivale erkämpft;

- beide Rennen gewinnt und Hamilton maximal noch 50 Punkte holt;

- in Sao Paulo gewinnt, danach ohne Zähler bleibt, aber Hamilton überhaupt nicht mehr punktet;

- in Brasilien ausfällt, aber in Abu Dhabi gewinnt und Hamilton in beiden Rennen maximal 25 Punkte gelingen.

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