Lob und Warnungen nach dem spektakulären Auftakt der Formel 1

Das erste Rennen in die neue Ära lässt auf eine kurzweilige Saison hoffen. Während es viele lobende Worte gab, warnte der Weltmeister, dass etwas „schrecklich schiefgehen“ könnte.
Perfekter Start: Euphorie beim Mercedes-Team nach dem Doppelsieg zum Auftakt von Russell (re.) vor Antonelli.

Die Saison in Melbourne begann wie gewohnt. Nur 20 Autos standen am Start. Lokalmatador Oscar Piastri zerstörte sein Auto schon auf dem Weg zur Startaufstellung und Nico Hülkenberg konnte wegen eines Defekts nicht starten. Doch als die roten Lichter ausgingen, ging es zur Sache.

„Ein verrücktes Rennen läutet eine neue Ära des Überholens ein“, schrieb der britische Telegraph. Die spanische Marca konstatierte: „Es gab Kämpfe, Probleme und Strategiekriege. Auch wenn es vielleicht nicht die Mystik der 80er- oder 90er-Jahre ist, so ist es doch eine Formel 1, die Spannung verspricht.“

Russell war ungefährdet

Tatsächlich macht der Start in die neue Ära Lust auf mehr. Es entwickelte sich ein abwechslungsreiches Rennen mit vielen Überholmanövern und einem Favoritensieg. Poleposition-Mann George Russell gewann vor Mercedes-Teamkollege Kimi Antonelli und Charles Leclerc im Ferrari.

WM-Favorit Mercedes 

„Wir waren noch weit von perfekt entfernt.“ Die Aussage von Sieger Russell klingt wie eine Drohung an die Konkurrenz. Fix ist: Der einstige Serienweltmeister Mercedes ist nach vier enttäuschenden Jahren wieder mittendrin im WM-Rennen. „Wir haben den Kampf um die WM in unseren Händen, das ist das beherrschende Gefühl“, sagte Teamchef Toto Wolff, nachdem sich die Mitarbeiter ein Glas Champagner genehmigt hatten. „Da ist so viel Zufriedenheit im Team.“ Dennoch glaubt der Wiener an einen „echten Kampf mit Ferrari“.

Ferrari wirft die Siegchancen weg 

Die roten Renner erwischten einen tollen Start. Mehrmals wechselte die Führung zwischen Leclerc und Russell. Doch während die Mercedes-Piloten beim ersten virtuellen Safety-Car zum Boxenstopp kamen, blieben die Ferrari-Fahrer draußen. Der taktische Fehler brachte die Scuderia um die Chance, im Rennen um den Sieg ein Wörtchen mitzureden. Lewis Hamilton formulierte es so: „Wir sind nicht so schnell wie Mercedes. Aber wir sind dabei.“

Höhen und Tiefen bei den Newcomern 

Gemischte Gefühle gab es bei Audi. Hülkenberg sah aus der Box zu, wie sein Teamkollege Gabriel Bortoleto sensationell in die Punkteränge fuhr. Großen Rückstand hat hingegen Cadillac. Sergio Perez kam mit drei Runden Rückstand zumindest in die Wertung, Valtteri Bottas schied aus.

Verstappen und Norris übten Kritik 

Nicht alle waren begeistert vom Saisonauftakt. „Wenn euch das Rennen gefallen hat, okay. Aber wenn ich so etwas will, spiele ich Mario Kart. Ich persönlich kann es nicht genießen“, sagte Max Verstappen bei einem niederländischen TV-Sender. „Wir müssen die Batterien ändern, den Motor, alles. Aber das wird so schnell nicht passieren.“

Nach einem Crash im Qualifying kämpfte sich der vierfache Weltmeister immerhin noch auf Rang sechs vor. Auch der aktuelle Weltmeister Lando Norris (Rang fünf) klagte: „Es ist viel zu chaotisch“, sagte der Brite über die vielen Rad-an-Rad-Kämpfe, die dem Energie-Management geschuldet sind. „Es wird zu schweren Unfällen kommen. Man fährt und wartet nur darauf, dass etwas passiert und etwas schrecklich schiefgeht.“

Norris beschäftigen vor allem mögliche Auffahrunfälle, weil die Wagen plötzlich langsamer werden, um ihre Batterie aufzuladen.

Wird es in Zukunft noch abwechslungsreicher? 

„Die Strecke in Melbourne ist eine der schlechtesten, was den Showeffekt betrifft“, sagte Toto Wolff. In China am Sonntag gibt es mehr Bremspunkte und damit Möglichkeiten zur Rekuperation. „Hoffentlich haben wir dort auch einen guten Entertainmentfaktor.“

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