Halbe Sache: Statt Bilder von umstrittenen Szenen für Stadionbesucher nur kurze Info. 

© AP/Rui Vieira

Sport
08/25/2019

Umstrittener VAR: Mattscheibe mit und ohne Video

"Tagebuch": In Europas Top-Ligen ist der VAR Pflicht. Und trotzdem nicht zu Ende gedacht.

von Wolfgang Winheim

Der Countdown für die Final- Phase der EM-Qualifikation beginnt. ÖFB-Teamchef Franco Foda verrät am Dienstag die Namen seiner Auserwählten. Einer davon wird Fodas bisherige Nummer 1 mit der Nummer 1, Legionär Heinz Lindner, sein.

Das Ungewöhnliche

Lindner ist nach seinem Abschied in Zürich, wo er als Fan-Liebling galt, noch vereinslos. Doch bei allem Respekt vor dem nächsten EM-Gegner: Im Lettland-Heimspiel darf der Tormann nicht entscheidend sein. Ebenso wenig wie der Schiedsrichter. Selbst wenn der sich als Pfeif’n erweisen sollte, müsste ein zu Unrecht aberkanntes österreichisches Tor oder ein Elfergeschenk an den Gegner zu verkraften sein.

Das Verwirrende

Wenn Österreich in Salzburg die Letten empfängt, wird kein VAR, kein Video-Assistent, von einem TV-Container aus korrigierend eingreifen.

Wenn jedoch Meister Salzburg im selben Stadion ein paar Wochen später seine Premiere in der Champions League hat, wird sehr wohl ein VAR das Schiedsrichterteam verstärken. So wie das beim Linzer Champions-Quali-Spiel LASK – Brügge (0:1) auf nicht ganz befriedigende Weise (technische Pannen) der Fall war.

Und wenn Wolfsberg in der Europa-League-Gruppenphase antritt, wird es weder den VAR noch zwei Torrichter geben.

Der Job des Torrichters wurde still und heimlich von der UEFA liquidiert. Das Experiment hatte sich nicht bewährt.

Auf nationaler und österreichischer Ebene waren die Torrichter ohnehin kein Thema. Die Einführung des VAR aber wird der Liga nicht erspart bleiben, will man sich im internationalen Vergleich nicht gänzlich blamieren, zumal weniger wohlhabende Länder jetzt schon TV-Oberkontrollore einsetzen.

Das Ungerechte

In Europas Top-Ligen (Deutschland, Spanien, England) ist der VAR Pflicht. Und trotzdem nicht zu Ende gedacht. Denn bei Zeitlupen-Wiederholungen von Szenen, die den Video-Referee zum Eingreifen veranlassen, bleiben die großen Stadion-Bildschirme dunkel.

Auf diese Weise wird der Stadionbesucher für seine Treue bestraft und sich irgendwann fragen: Warum soll ich mich bei Hitze wie Kälte auf die Tribüne setzen, wenn ich im Patschenkino alles viel besser und bequemer mitbekomme? Aber in den klimatisierten VIP-Logen wird man solche Überlegungen nicht nachvollziehen können, zumal dort ohnehin alle TV-Bilder unzensuriert zu sehen sind. Nur hinsichtlich Volksnähe herrscht bei den Bonzen Mattscheibe. Hauptsache, die TV-Gelder fließen.