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Sport
04/27/2019

Barcelona: Thiem entzaubert Sandplatz-König Nadal

Der Niederösterreicher setzt sich im Halbfinale in zwei Sätzen gegen den besten Sandplatz-Spieler der Gegenwart durch.

von Harald Ottawa

Rafael Nadal war ratlos. Der wohl beste Sandplatz-Spieler der Geschichte wirkte auf dem Court, der seinen Namen trug, hilflos. Und Dominic Thiem schrieb ein weiteres kleines Kapitel österreichische Sportgeschichte. Der 25-Jährige gewann 6:4 und 6:4 und zog damit ins Finale von Barcelona ein.

Der Spanier Nadal muss weiterhin auf die Verbesserung seines eigenen Rekordes warten, sprich auf den zwölften Titel beim ATP-500-Turnier (so oft gewann noch kein Spieler ein Turnier). Matchstatistik in Barcelona vor der Partie: 61:3.

Nach einem ausgeglichenen Beginn steigerte sich Österreichs Nummer eins. Und schon bald hatte Nadal Probleme, sein sonst erfolgreiches Spiel seinem Gegenüber aufzuzwingen. Er wurde offensiver und wurde von Thiem, der wenige Fehler machte, immer wieder stark ausgekontert. Nadal haderte, schimpfte gelegentlich sogar. Und für seine Aufschläge ließ er sich besonders viel Zeit (mit seiner Zupferei hätte er sich sämtlicher Augenbrauen entledigen können), ein Break reichte Thiem für Satz eins.

Nadal spielte nicht in Höchstform, leistete sich insgesamt auch fünf Doppelfehler. Aber auch, weil der 32-Jährige riskieren musste. Thiem returnierte blendend. Nadal wurde noch aktiver und steigerte sich. Bis ihm Thiem abermals, vor allem mit gelungenen Stop-Bällen, in einem hochklassigen Match, den Nerv zog. Thiem schaffte das Break zum 4:2, hatte bis zum 5:4 keinen Breakball gegen sich. Plötzlich stand es 0:40 – und Thiem befreite sich aus dieser (ersten) brenzligen Situation und verwandelte nach 2:03-Stunden Weltklasse-Tennis seinen ersten Matchball. „Gegen Nadal musst du immer offensiv spielen, das ist mir gelungen“, sagte Thiem. Nachsatz: „Das letzte Game war verrückt.“

TENNIS-ATP-BARCELONA

Auswärtssieg

Da gab es anerkennenden Applaus der rund 8.000 Fans, die fast gänzlich im Lager Nadal waren. Ein Vorteil für Thiem war, dass er am Vortag mit Guido Pella bereits einen Linkshänder bespielen und besiegen konnte.

Für Nadal setzte es die erste Niederlage in Barcelona seit 2015, damals hatte Nadal gegen den Italiener Fabio Fognini, der ihn auch vergangene Woche in Monte Carlo entthronte, im Achtelfinale verloren. In den beiden vergangenen Jahren konnte nur Thiem den Sandplatzkönig bezwingen.

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Damit kann man viel von den nächsten Wochen erwarten. Im Mai gehen die ATP-1.000-Turniere von Madrid und Rom über die Bühne. Und am 26. Mai starten die French Open. Das Vorjahresfinale ist noch in Erinnerung. Damals war Nadal eine Nummer zu groß für Thiem. In Paris kann Nadal seine verpassten Chancen in Monte Carlo und Barcelona nachholen und zum zwölften Mal ein Turnier gewinnen.

Für den Ranglisten-Fünften Thiem geht es in Barcelona weiter, er trifft im Kampf um seinen 13. Titel auf den Russen Daniil Medwedew (16 Uhr, KURIER.at-Liveticker). Im bislang einzigen Duell siegte der Lichtenwörther 2018 im Viertelfinale des Hallenturniers von St. Petersburg, das er danach auch gewinnen konnte. Doch aufgepasst: Der 23-Jährige, Nummer 14 der Welt, stand zuletzt in Monte Carlo im Semifinale.

Papa Wolfgang Thiem soll weiter Glück bringen. Er war zuletzt 2015 als Touringcoach dabei – damals holte sich sein Sohnemann in Gstaad seinen dritten ATP-Titel.

Die bisherigen 12 ATP-Titel und 8 Finali von Dominic Thiem:

ATP-Turniersiege (bisher 12/wenn nicht anders angegeben auf Sand):
2015 (3) Nizza (439.405 Euro): Leonard Mayer (ARG) 6:7(8),7:5,7:6(2)
         Umag (494.310 Euro): Joao Sousa (POR) 6:4,6:1
         Gstaad (494.310 Euro): David Goffin (BEL) 7:5,6:2
2016 (4) Buenos Aires (598.865 Dollar): Nicolas Almagro (ESP)
         7:6(2),3:6,7:6(4)
         Acapulco (1,551 Mio. Dollar/Hartplatz): Bernard Tomic (AUS)
         7:6(6),4:6,6:3
         Nizza (520.070 Euro): Alexander Zverev (GER) 6:4,3:6,6:0
         Stuttgart (675.645 Euro/Rasen): Philipp Kohlschreiber (GER)
         6:7(2),6:4,6:4
2017 (1) Rio de Janeiro (2.858.530 Dollar): Pablo Carreno Busta (ESP)
         7:5,6:4
2018 (3) Buenos Aires (568.190 Dollar): Aljaz Bedene (SLO) 6:2,6:4
         Lyon (561.345 Euro): Gilles Simon (FRA) 3:6,7:6(2),6:1
         St. Petersburg (1,241.850 Dollar/Hartplatz): Martin Klizan
         (SVK) 6:3,6:1
2019 (1) Indian Wells (8,359 Mio. Dollar/Hartplatz/Masters-1000):
         Roger Federer (SUI) 3:6,6:3,7:5

Finali (bisher 7 verloren/wenn nicht anders angegeben auf Sand):
2014 (1) Kitzbühel (485.670 Euro): David Goffin (BEL) - Thiem
         4:6,6:1,6:3
2016 (2) München (520.070 Euro): Philipp Kohlschreiber (GER) -
         Thiem 7:6(7),4:6,7:6(4)
         Metz (520.070 Euro/Hartplatz): Lucas Pouille (FRA) - Thiem
         7:6(5),6:2
2017 (2) Barcelona (2,373 Mio. Dollar): Rafael Nadal (ESP) - Thiem
         6:4,6:1
         Madrid (6,408 Mio. Euro): Nadal - Thiem 7:6(8),6:4
2018 (2) Madrid (7,191 Mio. Euro): A. Zverev - Thiem 6:4,6:4
         French Open/Paris (39,197 Mio. Euro): Nadal - Thiem
         6:4,6:3,6:2
2019 (1) Barcelona (2,746 Mio. Euro): Thiem - Daniil Medwedew (RUS) Sonntagnachmittag
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