Sport
03.04.2018

Kühbauer: „Die Trainerbank hat mir gefehlt“

Der neue Trainer von Liga-Schlusslicht St. Pölten über seine Zwangspause, sein neues Auftreten und alte Fehler

Dietmar Kühbauer, der am Mittwoch 47 Jahre alt wird, stieg am Ostersonntag nach den letzten Interviews beim Spiel Mattersburg gegen Rapid ins Auto und fuhr die paar Kilometer zu seiner Familie nach Wulkaprodersdorf. Dort las er auf seinem Handy Dutzende Nachrichten. Viele Freunde, Trainerkollegen und Ex-Spieler beglückwünschten ihn zum Wiedereinstieg ins Trainergeschäft. Ostermontag verpasste er die Tennis-Partien seiner Töchter, weil er sein erstes Training in St. Pölten leitete. Beim SKN hat er einen Vertrag bis 2019 unterschrieben, sofern der Klassenerhalt geschafft wird. Aufgrund der Aufstockung der Liga hat der Tabellenletzte noch die Chance, diesen in zwei Relegationsspielen gegen den Dritten der zweithöchsten Liga zu schaffen.

KURIER: Sind Sie froh, nach zweieinhalb Jahren zurück zu sein in der Bundesliga?

Dietmar Kühbauer: Die Trainerbank hat mir gefehlt. Ich hatte viel Zeit zum Nachdenken. Da habe ich manchmal schon am mir gezweifelt. Ich habe vieles richtig gemacht, aber auch einiges falsch. Vor allem im Umgang mit den Medien.

Als ORF-Experte waren Sie erstmals nicht als Spieler oder Trainer direkt am Puls der Liga.

Mich freut es, dass ich in der Zeit viele positive Reaktionen bekommen habe. Aber ich sehe mich als Trainer. Und so bin ich dem ORF dankbar, denn mir hat die Zeit gut getan. Ich habe dadurch eine andere Seite im Fußball gesehen, kann das Umfeld jetzt besser verstehen.

Was sind Ihre Erkenntnisse aus diesem Seitenwechsel?

Dass ich in der Vergangenheit oft zu direkt war. Und zu ehrlich. Man muss im Fußball auch Kompromisse eingehen, ohne dabei das Gesicht zu verlieren. Man wird jetzt die Chance bekommen, Didi Kühbauer in einem anderen Licht zu sehen.

Hat Ihnen das Image des Sturschädels, der kompromisslos seinen Weg geht, geschadet?

Kann schon sein. Trotzdem hatte ich in der Zeit einige Anfragen von Vereinen. Aber es hat nie gepasst.

Und jetzt passt das Himmelfahrtskommando St. Pölten mit zehn Punkten Rückstand auf den Vorletzten?

Die Aufgabe ist sicherlich nicht einfach. Aber als Trainer kannst du dich nicht ins gemachte Bett legen. Ich stelle mich der Herausforderung.

Zu den Admira-Profis sind Sie als Amateur-Trainer aufgestiegen. Zum WAC kamen Sie nach sieben Runden. Jetzt sind Sie in St. Pölten erstmals Feuerwehrmann und Motivator.

Das Image des Motivators wurde mir umgehängt und wird mich wohl ewig verfolgen. Es geht im Fußball auch um Fachwissen. Nur als Motivator wäre ich mit Admira und Wolfsberg nicht in den Europacup gekommen. Und in der Situation von St. Pölten wäre es schlimm, wenn man die Spieler noch motivieren müsste.

Was muss man dann in dieser Si tuation tun?

Acht Spiele sind eine kurze Zeit. Du kannst nicht viel an Aufstellung und Taktik herumdoktern. Du musst schon alles richtig treffen, was du dir vornimmst. Entscheidend wird aber sein, dass die Spieler alles für das gemeinsame Ziel tun.

Kann man mit einer Mannschaft, die erst zwei Mal in der Saison gewonnen hat, in den letzten acht Spielen zehn Punkte auf den Vorletzten aufholen?

Es wäre vermessen, wenn ich behaupte, dass man das schaffen kann. Obwohl es natürlich ganz leicht im Hinterkopf ist. Auf jeden Fall wollen wir punkten, denn jeder Punkt ist gut für den Kopf. Auf jeden Fall soll sich in den acht Spielen eine Mannschaft finden, die den Klassenerhalt schafft.

Adi Hütter hat zuletzt im KU RIER-Interview erzählt, dass Sie sein Training in Bern verfolgt haben. Wie waren Ihre Eindrücke?

Ich wollte einen Blick über Österreich hinaus machen. Ich finde die Arbeit von Adi großartig. Auch wie professionell er die Möglichkeiten nutzt, die er in Bern hat. Da sind viele Vereine in Österreich weit davon entfernt.

Hütter hat in Bern etliche Spieler entwickelt. Auch Sie haben Spieler wie Sabitzer, Hosiner und Schwab in Österreichs höchste Liga geführt.

Mein Ziel als Trainer ist es, Spielern zu helfen, besser zu werden. Es müssen aber nicht nur die Talentiertesten sein. Die Spieler müssen einfach nur lernen wollen. Das macht dann Spaß.