Sport
08.09.2018

Jessica Pilz kraxelte bei der Heim-WM zu Gold

Die Niederösterreicherin überraschte in Innsbruck alle und schlug selbst die große Favoritin.

Jessica Pilz ist normalerweise nicht so leicht aus dem Tritt zu bringen. In der Steilwand ist die Kletterin aus Haag die Sicherheit in Person und überwindet jedes noch so schwere Hindernis. Doch als sie nun in der Siegerbox stand und ihr in der Olympiaworld in Innsbruck Tausende Menschen zujubelten, da war’s dann mit der Souveränität  vorbei. „Ich kann’s nicht glauben“, stammelte Jessica Pilz in die Mikrofone. „Ist das jetzt wirklich wahr?“

Der WM-Titel im Lead-Bewerb hat die 21-jährige Niederösterreicherin fast ein wenig auf dem falschen Fuß erwischt. Dabei ist diese Jessica Pilz alles andere als eine Zufallsweltmeisterin. In der aktuellen Saison hatte die HSZ-Sportlerin in Chamonix ihren ersten Weltcupsieg gefeiert, im Jahr 2018 war sie in ihrer Paradedisziplin nie schlechter als Zweite. „Mir ist klar, dass von mir eine Medaille erwartet wird“, hatte Pilz vor der WM gemeint.

Überraschung

Doch kaum jemand hatte gedacht, dass die junge Lokalmatadorin vor eigenem Publikum die Wand, die Konkurrenz und die Nerven dermaßen gut im Griff haben würde. Als sie im Finale alle kniffligen Passagen meisterte, als erste Athletin  das Top erreichte, wie im Kletterjargon der Durchstieg bis ganz oben genannt wird, sah das bei ihr fast wie ein Kinderspiel aus. „Dabei war ich beim Aufwärmen noch extrem nervös", sagte die 21-Jährige. "An der Wand hat sich das dann gelegt. Da habe ich das alles ausgeblendet und es einfach laufen lassen.“

Am Ende war Pilz elf Sekunden schneller als die favorisierte Slowenin Janja Garnbret, die ebenfalls bis ganz nach oben kam. Bronze ging an die Südkoreanerin Kim Jain, die Tirolerin Hannah Schubert wurde Achte.