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Sport
11/07/2019

Innsbruck-Goalie Scott Darling: Vom Säufer zum Sieger

Der HCI verpflichtete Stanley-Cup-Gewinner Scott Darling. Der Goalie hat eine bewegende Karriere hinter sich.

von Christoph Geiler

Als in der letzten Woche das Handy von Rob Pallin klingelte, staunte der Trainer des HC Innsbruck nicht schlecht, wer da mit ihm reden wollte. Seine Verwunderung wurde nicht kleiner, als der Mann am anderen Ende der Leitung dann auch noch freundlich nachfragte, ob denn der Tiroler Klub nicht eventuell einen Goalie brauchen könnte.

Wie oft ruft einen österreichischen Eishockey-Trainer schon ein Stanley-Cup-Gewinner an und erklärt sich bereit, sich hierzulande aufs Glatteis zu begeben?

"Wir waren alle sehr überrascht", sagt Rob Pallin, "aber wenn man die Chance hat, so einen Namen nach Innsbruck zu holen, dann muss man sie ergreifen."

Lob von Obama

Eine Woche nach dem Telefonat wurde Scott Darling am Mittwoch in Innsbruck erwartet. In der Saison 2014/’15 hatte der Amerikaner mit den Chicago Blackhawks den begehrten NHL-Titel gewonnen, mit mehr als 1.100 Einsatzminuten hatte der Ersatztorhüter auch seinen Anteil am großen Coup.

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NHL-Sieger werden nicht nur in der Welt des Pucks wie Eisheilige verehrt, man ist deshalb geneigt zu meinen, dass ein Mann dieses Kalibers etwas von oben herab auf seine neuen Kollegen und die EBEL-Liga blicken könnte.

Aber wenn jemandem Starallüren fremd sind, dann ist es wohl Scott Darling. Der rauschebärtige Hüne (198 cm) verkörpert wie kaum ein Anderer die in den USA so beliebte "Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär"-Geschichte. Nicht umsonst wies der damalige US-Präsident Barack Obama beim Empfang der Blackhawks-Hockey-Helden in seiner Dankesrede explizit auf Scott Darling und dessen märchenhaften Aufstieg hin: vom Säufer zum Sieger.

Scott Darling ist immer erstaunlich offen mit seinen Lastern und dem früheren Lotterleben umgegangen. Auf der Internet-Plattform The Players Tribune gab der heute 30-Jährige schockierende wie bewegende Einblicke in seine harten ersten Jahre als Eishockey-Profi. Die Karriere in der NHL, von der so viele nordamerikanische Spieler träumen, schien da bereits geplatzt.

Alkoholsucht

Scott Darling krebste in den unteren Ligen herum und war mit sich und seinem Leben vollauf unzufrieden. Er hatte kaum Geld in der Tasche, dafür aber umso mehr Alkohol im Blut. "Anstatt der Realität ins Auge zu sehen, habe ich getrunken." Die 200 Dollar (180 Euro), die er damals in der Woche verdiente, investierte er in Junkfood und in die billigsten Flaschen, die er im Schnapsladen kriegen konnte. "Dann bin ich heim, habe mich auf die Couch gesezt und getrunken. So haben die Tage ausgesehen. Ich hatte kein Geld, keine Hoffnung, der Traum war vorbei."

Im Sommer 2011 zog der Torhüter dann selbst die Reißleine, nachdem ihn sein damaliges Team in der Southern Pro Hockey League vor die Tür gesetzt hatte. Darling begann einen Entzug, und je länger er trocken blieb, desto besser wurden seine Leistungen.

In den folgenden drei Jahren heuerte er bei mehr als zehn unterklassigen Teams an und machte so die Scouts auf sich aufmerksam. 2014 wurde er von den Chicago Blackhawks unter Vertrag genommen und erfüllte sich damit seinen Kindheitstraum. "In der Schule hat uns der Lehrer gefragt, was wir einmal werden wollen. Bei mir stand: Torhüter der Chicago Blackhawks. Meine Großeltern haben diesen Zettel noch."

Mittlerweile genießt Scott Darling Kultstatus und spielt Eishockey nur noch aus Leidenschaft. Die Geldsorgen sind auch längst auf Eis gelegt: Bei seinem letzten Klub, den Carolina Hurricanes, verdiente er in zwei Jahren 16 Millionen Dollar.

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