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Sport
01/09/2019

Handball-WM: Der Aufstieg liegt auf der Hand

Der Einzug in die Hauptrunde ist für Österreichs Herren-Nationalteam in Wurfdistanz. Am Freitag geht's los.

von Christoph Geiler

Es kommt nicht von ungefähr, dass Patrekur Jóhannesson heute auf einer Trainerbank sitzt und nicht etwa hinter einem Lehrerpult steht. Das hat vor allem mit dem unbändigen Ehrgeiz zu tun, den der Teamchef von Österreichs Handball-Nationalmannschaft mit vielen seiner Landsleute teilt. Wer aus Island kommt, diesem Inselstaat mit seinen 350.000 Einwohnern, der lernt früh, seinen Willen durchzusetzen und Hierarchien auf den Kopf zu stellen. Wie sonst könnte Island seit Jahrzehnten eine Handball-Top-Nation sein?

Video: Die Arenen der Handball-WM 2019

Wenn Jóhannesson nun vor der WM also meint, „wenn ich schon denke, dass wir gegen Norwegen und Dänemark nicht gewinnen können, dann wäre ich besser Lehrer geworden“, dann will er seinen Spielern vor Augen führen, welches Potenzial in ihnen schlummert und welche Chancen sich bei dieser Endrunde in Dänemark und in Deutschland bieten. Selbst gegen die Titelmitfavoriten Norwegen und Dänemark, mit denen es Österreich in der Vorrunde zu tun bekommt.

Überraschungseffekt

„Man kann auch eine einprozentige Chance zu hundert Prozent nutzen.“ Das ist noch so ein Slogan des 46-Jährigen, der nun schon seit sieben Jahren im österreichischen Herren-Handball seine Finger im Spiel hat und mit dem Nationalteam bereits in sein viertes großes Turnier geht. Zum WM-Auftakt wartet am Freitag die Mannschaft aus Saudi-Arabien (18 Uhr, live ORF Sport+).

HANDBALL : ÖSTERREICH - TSCHECHIEN

Nachdem er in den letzten Jahren einen kleinen Generationswechsel vollzogen hat, weiß Jóhannesson selbst noch immer nicht genau, welches Gesicht ihm sein Team präsentieren wird. Die Österreicher haben praktisch alles im Repertoire: An einem guten Tag können sie jede Topnation ärgern, allerdings können sie sich auch an vermeintlichen Jausengegnern ordentlich verschlucken.

„Sobald wir nicht hundert Prozent geben und nicht voll bei der Sache sind, haben wir Probleme“, bemerkte Jóhannesson bei den Testspielen gegen Bahrain (31:22) und Griechenland (32:25). Zugleich sagt er aber auch: „Wenn wir gut spielen, dann spielen wir richtig gut. Das habe ich auch gesehen.“

In ihrer Gruppe bekommen es die Österreicher zu Beginn mit jenen beiden Rivalen zu tun, die kein Stolperstein sein dürfen, wollen die ÖHB-Herren die Hauptrunde erreichen. Saudi-Arabien und Chile sind auf der Weltkarte des Handballs nur als Pünktchen eingezeichnet, trotzdem ist Jóhannesson gewarnt. „Die Saudis machen oft verrückte Dinge,“ weiß der Isländer, „die werden versuchen, dass wir den Kopf verlieren. Aber die können machen, was sie wollen.“

Die Lehren aus der EM

Das ist eine der Lehren, die der Teamchef aus der letzten EM in Kroatien gezogen hat. „Wir müssen mehr auf uns schauen und dürfen keinesfalls ängstlich sein. Aber auch nicht übermotiviert. Beim EM-Turnier in Kroatien wollten wir alle zu viel. Mich eingeschlossen.“

Jóhannesson und sein Team haben übrigens einen prominenten Fan: Guðni Thorlacius Jóhannesson, der ältere Bruder des Teamchefs, ist Präsident von Island. Und wie könnte es anders sein, ist auch er Handballer aus Leidenschaft. „Natürlich verfolge ich die Arbeit meines Bruders. In unserer Kindheit haben Patti und ich den ganzen Tag Handball bei uns zu Hause im Flur gespielt“, erinnert sich der Präsident und verweist auf die große Handball-Tradition des kleinen Landes. „Wir Isländer sind stolz darauf, gute Handballtrainer auf internationaler Ebene zu haben. Bei der WM haben fünf von 24 Teams isländische Trainer. Das wird wohl irgendeine Art von Weltrekord sein.“