Handball-EM: Warum Tobi Wagner für das Team dermaßen wichtig ist

Ein jubelnder Handballspieler mit der Nummer 55 und dem LIDL-Logo auf dem Trikot ballt die Fäuste.
Schmähbruder, Vollprofi, Urgewalt und Träumer. Der Legionär von Limoges will mit Österreich nach Los Angeles - zunächst geht es aber zur EM.

Bordeaux oder Rioja? Das ist hier nicht die Frage. „Weil ich fast keinen Alkohol trinke“, wischt Tobi Wagner die Frage nach der bevorzugten Rebsorte vom Tisch. Bordeaux, weil er in Limoges als Handballer sein Geld verdient, oder doch Rioja, weil mit Iker Romero als Teamchef im ÖHB-Team spanische Elemente Einzug gefunden haben?

Wagner weise: „Kein Rausch ist den Kater danach wert. Wenn es etwas zu feiern gibt, bin ich aber gerne dabei.“ Mit Maß und Ziel. Feiern möchte Wagner mit den Kollegen bei der EM, wo man auf Spanien, Deutschland und Serbien trifft.

Der 30-jährige Kreisläufer, der seine ersten Würfe bei den Fivers aus Wien-Margareten getätigt hat, gilt seit einigen Jahren als Stütze des Nationalteams. Auf dem Feld aufgrund seiner Wucht und Entschlossenheit, abseits des Platzes aufgrund seiner stets positiven Art. 

Wagner ist gleichsam Stimmungskanone und Vorzeigesportler. Aktuell geht er für den französischen Erstligisten Limoges auf Torjagd.

Tobias Wagner ÖHB Handball

French Biss

In Frankreich fühlt sich der Wiener wohl, hatte er doch schon in Toulouse gespielt. Vergleichen möchte er die beiden Destinationen nicht, auch weil er sich selbst derzeit in einer anderen Lebensphase befindet. 

„Toulouse war damals voller Leben, aber mittlerweile bin ich ja total langweilig, habe sogar meinen Schmäh verloren“, grinst er verschmitzt wie ein kleines Kind.

Limoges dagegen ist ein ruhiger Fleck, die Handballer sind allerdings jedem ein Begriff. „Und es ist bekannt für Rindfleisch und Porzellan“, so der ganz und gar nicht zerbrechliche Kreisläufer mit einer Körpergröße von 1,98 Metern und einem Kampfgewicht, das nur er ganz genau kennt.

„Man muss schon ehrlich sagen, Limoges liegt mitten im Nirgendwo. Auch junge Menschen leben dort kaum, weil es keine Universität gibt.“

Dennoch lebt es sich für ihn gut nördlich von Bordeaux: „Mein Leben hat sich gewandelt, mit meiner Partnerin und dem Hund wohne ich in einem sehr schönen Haus. Und sportlich sind wir sehr gut, die Mannschaft ist richtig gut unterwegs.“ Aktuell auf Rang vier der Liga. Er selbst kommt regelmäßig zum Einsatz, „das ist am Ende doch das Wichtigste“.

IHF Men's Handball World Championship 2025 - Hungary vs Austria

Auf die Zeitenwende im Nationalteam – von Ales Pajovic zu Iker Romero – freut er sich. „Der Start ist super gelungen, wir sind fit und motiviert, vieles passt schon sehr gut. Iker weiß um unsere Stärken, wo wir stehen, und dass wir über uns hinauswachsen können. Das wird er von uns auch verlangen.“

Der letzte Schliff

Der Spanier sei der richtige Typ, „um die goldene Zeit von Pajovic weiter aufzupolieren und uns zu schleifen.“ Der Diamant braucht noch ein wenig finale Bearbeitung. Die EM ist ein erster Schritt dazu, das erste gemeinsame Erlebnis auf ganz großer Bühne.

„Unsere nächsten Schritte werden kleine sein, Details, weil wir schon auf einem hohen Niveau unterwegs sind“, meint Wagner. „Iker muss kein Hexenwerk aufführen. Er muss uns Werkzeuge geben, um etwas umzusetzen.“

Tobi Wagner ist noch nicht zu alt fürs Träumen. In der Champions League will er noch spielen, sich für Olympia 2028 in Los Angeles qualifizieren. „Mit 33 Jahren dürfte man dann über den Rücktritt nachdenken. Und alles andere habe ich im Handball zum Glück schon erleben dürfen.“

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