Sport
10.09.2018

Goldenes Highlight auf dem Kletter-Gipfel

Jessica Pilz will nach ihrem WM-Titel im Lead-Bewerb in Innsbruck noch hoch hinaus.

In der Senkrechten bewegt sich Jessica Pilz weit sicherer als am Boden. So überhängend kann die Wand gar nicht sein, dass die junge Kletterin aus Niederösterreich einmal die Kontrolle und Orientierung verlieren würde. Aber auf dem ungewohnten Terrain, das sie nun am Samstag betrat, verlor die neue Weltmeisterin im Lead-Bewerb fast ein wenig den Halt.

„Ich hab’ mich nicht wirklich ausgekannt, das hat mich alles ein bisschen überfordert“, gestand Jessica Pilz nachdem sie zuvor in der Steilwand selbst durch eine äußerst anspruchsvolle Finalroute nicht aus dem Tritt zu bringen gewesen war. Mit traumwandlerischer Sicherheit hatte die Haagerin alle kniffligen Passagen gemeistert und das Top erreicht. „Ich war im Finale extrem fokussiert und bin einfach drauf los geklettert“, berichtet die 21-Jährige.

Stress

In den Stunden nach dem spektakulären Heimsieg hätte man der Weltmeisterin am liebsten das Sicherheitsseil gewünscht, das sie normalerweise in der Wand vor Abstürzen schützt. Jessica Pilz wurde herumgereicht, sie wurde bejubelt und geherzt und hatte alle Hände voll zu tun, das obligate WM-Protokoll hinter sich zu bringen. „Das Klettern ist mir ehrlich gesagt lieber als Interviews zu geben“, sagte die Haagerin am Tag danach, als sie bei der Siegerpressekonferenz erneut im Mittelpunkt stand. „Ich hatte bis jetzt noch gar richtig Zeit zu realisieren, was ich da überhaupt geschafft habe.“

Die 21-Jährige hat jedenfalls alle Erwartungen übertroffen. Als Jessica Pilz im Frühjahr in diese Saison gestartet war, da hatte die Niederösterreicherin noch ganz andere Ziele verfolgt. „Damals wäre ich über den Finaleinzug schon froh gewesen“. erinnert sich die 21-Jährige.

Konstanz

Die Medaille hatte sich zuletzt freilich bereits angekündigt. Denn Jessica Pilz war in diesem Jahr ein Muster an Konstanz und Sicherheit: In allen Lead-Bewerben war sie auf das Siegespodest gekraxelt, vor zwei Monaten hatte sie in Chamonix ihren ersten Weltcupsieg feiern dürfen. „Ich war mir schon sehr sicher, dass die Form für die WM stimmt“, sagt die HSZ-Athletin, die nach der Matura wegen des Klettersports von Haag nach Innsbruck übersiedelt ist.

Mit der Goldmedaille im Lead-Bewerb ist der Erfolgshunger von Jessica Pilz noch nicht gestillt, die Weltmeisterin startet in Innsbruck auch noch im Bouldern, im Speed und in der Kombination. „Alles schon im Hinblick auf Olympia“, erklärt Pilz. Denn in Tokio wird 2020 der erste Kletter-Olympiasieger in der Kombination ermittelt.