Austria-Kapitän Grünwald ist der Verzweiflung nahe.

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Sport Fußball
08/05/2019

Zweite Bilanz vor der Trennung: Rapid und Austria im Tiefschlaf

Was fiel in der zweiten Runde der Bundesliga-Saison 2019/'20 positiv auf? Was blieb hingegen negativ in Erinnerung?

von Stephan Blumenschein

Der KURIER lässt auch in dieser Saison, in der die Bundesliga erneut nach 22 Runden in eine Meister- und eine Qualifikationsgruppe geteilt wird, am Montag das jeweilige Wochenende Revue passieren. Was fiel in der zweiten Runde positiv auf, was hingegen negativ?

+ Hartbergs Neuzugang: Jodel Dossou hat in Österreich schon für den FC Liefering und Austria Lustenau in der zweithöchsten Spielklasse gespielt, ohne den ganz großen Eindruck zu hinterlassen. Sein Bundesliga-Debüt verlief hingegen verheißungsvoll: Beim 4:1 von Hartberg gegen die Admira war er der überragende Spieler, bereitete die ersten beiden Treffer mustergültig vor und war ein ständiger Unruheherd, den die Südstädter nie unter Kontrolle brachten.

+ Salzburgs Spielmacher: Takumi Minamino stand in den vergangenen Saisonen oft im Schatten anderer Red-Bull-Stars. In dieser Saison könnte er zum wichtigsten Spieler beim Serienmeister werden. In den ersten drei Pflichtspielen konnte der Japaner jedenfalls spielerisch überzeugen. Und nicht nur das: Sowohl im Cup in Parndorf als auch in den beiden Bundesliga-Spielen bei Rapid und gegen Mattersburg erzielte Minamino jeweils das wichtige 1:0.

+ Linzer Eckbälle: Standardsituationen waren schon unter Trainer Oliver Glasner ein Erfolgsgeheimnis des LASK. Diese Stärke wurde auch unter dessen Nachfolger Valerien Ismael nicht eingebüßt. Ganz im Gegenteil: Beim 3:0-Erfolg gegen die Austria wurden die wichtigen Tore eins und zwei jeweils aus Eckbällen erzielt. Beide trat Peter Michorl, beide wurden per Kopf verwertet, der erste Corner von Ramsebner, der zweite von Trauner. Fußball kann so schrecklich einfach sein.

+ Altacher Infrastruktur: Es ist noch gar nicht so lange her, da war das Schnabelholz ein richtiger Dorfplatz. Mittlerweile haben die Vorarlberger nach der Eröffnung der Gästetribüne ein richtiges Schmuckkästchen, das Vorbild für andere Vereine sein sollte. Denn Stadien wie die BSFZ Arena in der Südstadt, das Pappelstadion in Mattersburg, die Profertil Arena in Hartberg oder die Lavanttal-Arena in Wolfsberg sind aus den unerschiedlichsten Gründen nicht mehr zeitgemäß und eigentlich nicht mehr tauglich für eine oberste Spielklasse.

- Viele Fehlpfiffe: Regelreferent Gerhard Gerstenmayer hatte unter der Woche angekündigt, dass Schiedsrichter in dieser Saison nach zwei schwachen Partien eine Nachdenkpause bekommen werden. Wenn das mit den Leistungen der Unparteiischen so weiter geht wie in den ersten beiden Runden, dann wird es bald einen Engpass bei der Besetzung geben. Denn am Sonntag waren mit Heiß (bei Salzburg gegen Mattersburg) und Jäger (bei St. Pölten gegen Rapid) zwei Spielleiter so schwach, dass sie eigentlich schon jetzt eine Zwangspause bekommen sollten.

- Rapids Rückraumbeherrschung: Vier Gegentreffer haben die Hütteldorfer in den ersten beiden Bundesliga-Partien kassiert. Das sind viel zu viele, um vorne dabei sein zu können. In St. Pölten fielen beide SKN-Tore nach Standardsituationen, nicht direkt, aber kurz danach - und das in beiden Fällen, weil die Rückbeherrschung der Rapidler nicht funktioniert hatte und ein SKN-Spieler ziemlich ungehindert zum Schuss kommen konnte.

- Austrias Lethargie: Eigentlich hätte schon die 1:3-Niederlage bei Aufsteiger WSG Tirol ein Wachrüttler für die Wiener sein müssen, war es aber nicht. Auch gegen den LASK fehlte das gewisse Etwas, um einen Gegner mit den Qualitäten des Vizemeisters besiegen zu können. Bei einigen Austria-Routiniers kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie trotz der Misserfolge gar nicht so unzufrieden sind. Lachende Gesichter beim Auslaufen nach einer 0:3-Heimniederlage lassen jedenfalls diesen Schluss zu.

- Geyers Sturheit: Wer wird der erste Trainer sein, der in dieser Saison seinen Job verliert? Würde es nach vielen Admira-Fans gehen, dann wird das der Deutsche sein. Trotz des Klassenerhalts in der vergangenen Saison hat Reiner Geyer bei der kleinen Südstädter Anhängerschaft keinen Kredit. Besonders seine offensichtliche Sturheit in der Systemfrage wird ihm vorgeworfen. Obwohl seine Mannschaft viel zu viele Tore kassiert, hält Geyer eisern an der Dreierkette fest, für die auch aus Verletzungsgründen augenscheinlich aktuell die geeigneten Spieler fehlen.