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Sport Fußball
07/11/2021

"Wo ist der Defi?" - Die Lehren aus dem Fall Eriksen

Die Ärzte der österreichischen Bundesliga-Klubs, der Akademien und der ÖFB-Teams probten den Notfall.

von Alexander Strecha

Ein Spieler kollabiert ohne Kontakt mit dem Ball oder einem Gegenspieler. Das ist der Moment, in dem die medizinische Abteilung am Spielfeldrand das Geschehen als plötzlichen Herzstillstand verdächtigen muss. Der Teamarzt darf laut FIFA-Regeln auch ohne Aufforderung des Schiedsrichters sofort das Feld betreten, um mit der Ersten Hilfe beginnen zu können.

Michael Enenkel, medizinischer Leiter des ÖFB, hielt im Auftrag der UEFA ein Symposium im Orthopädischen Spital Speising ab, das in Theorie und zweistündiger Praxis dieses Thema am Beispiel des „Falles Eriksen“ behandelte – im Rahmen des „UEFA Football Doctor Education Programme“. Mit von der Partie waren die Teamärzte der Bundesliga-Vereine, der Akademien und der ÖFB-Nationalteams.

Oberarzt Markus Winnisch, Teamarzt des Frauen-Nationalteams, hob in seinem Vortrag die wichtigste Frage hervor: „Wo ist der Defi?“ Jeder Teamarzt sollte wissen, wo sich der Defibrillator im Stadion befindet.

Im Zweifel reanimieren

Im Fall Eriksen, der dänische Kapitän war im Spiel gegen Finnland ohne Fremdeinwirken kollabiert, war den Mitspielern und dem Schiedsrichter sofort klar, dass es sich um einen Notfall handelte. Der dänische Teamarzt ortete zunächst beim Kapitän eine Atmung, vermutete wohl einen Krampf.

FILE PHOTO: Danish footballer Eriksen gives a thumbs-up at Rigshospitalet in Copenhagen

Nach zwei Minuten begann man mit der Herzdruckmassage, danach aktivierten die Ersthelfer den Defibrillator, der Eriksen wieder zurück ins Leben holte. Erkennt man keine normale Atmung, soll sofort mit der Herzdruckmassage begonnen werden. „Hat man Zweifel, muss man die Reanimation starten“, sagt Winnisch. „Mit der Herzdruckmassage kann man ein schlagendes Herz nicht aus dem Rhythmus bringen.“

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Wettlauf mit der Zeit

Die Zeit drängt jedenfalls. Für das Erkennen der Atmung bleiben zehn Sekunden, ehe man den nächsten Schritt einleiten muss. Denn mit jeder Minute ohne Maßnahme sinken die Überlebenschancen um zehn bis zwölf Prozent. Winnisch: „Wichtig ist, dass man für alle hörbar sagt: Wir reanimieren.“ Dadurch kommen alle umstehenden Personen sofort in einen anderen gedanklichen Modus.

Der ÖFB-Arzt möchte auch mit der Mär von der verschluckten Zunge aufräumen. „Die kann man nicht verschlucken. Mit dem Überstrecken des Kopfes öffnet man die Atemwege.“ Den idealen Rhythmus der Herzdruckmassage findet man im "Radetzkymarsch" oder in Liedern wie „Staying alive“ oder „Highway to hell“, wobei letzteres nicht als Omen herhalten sollte.

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Reine Kopfsache

Ein weiteres Thema des Symposiums waren Kopfverletzungen von Spielern. Trotz Benommenheit wollen die Kicker oft weiterspielen, Ärzte müssen vielmehr ein Machtwort sprechen.

ÖFB-Arzt Michael Fiedler wurde beim dritten Gruppenspiel in Bukarest gegen die Ukraine mit diesem Thema konfrontiert, als sich Torschütze Christoph Baumgartner bei einem Zusammenstoß am Kopf verletzte und ausgewechselt werden musste. „Er hatte eine Schwellung und danach Schmerzen beim Kauen und Kopfschmerzen.“ Der Arzt hatte die richtige Entscheidung getroffen.

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