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EM-Analyse
07/10/2021

Wie die österreichischen Trainer die Fußball-EM gesehen haben

Gravierend Neues haben die Bundesliga-Coaches nicht entdeckt. Risiko wurde kaum genommen, das Finale aber ist ein würdiges.

von Alexander Strecha, Günther Pavlovics

Die EM endet am Sonntag mit dem Finale zwischen Italien und England. Der KURIER hörte sich bei österreichischen Bundesliga-Trainern um. Ihre Erkenntnisse:

Didi Kühbauer, Rapid

„Die großen Erkenntnisse hat es nicht gegeben. Die Vorrunde war ermüdend. Es wurde hinten dichtgemacht, die großen Länder haben oft keine Mittel gefunden. Ich hoffe, dass sich das bei uns niemand zum Vorbild nimmt, denn dann steht der Autobus nicht nur einmal im Strafraum.

Erst als es um etwas gegangen ist, hat die EM Fahrt aufgenommen. Es war aber auch zu sehen, dass am Anfang des Spiels kaum eine Mannschaft Risiko nehmen wollte. Erst wenn ein Tor gefallen ist, dann ist reagiert worden und die Spiele sind gut geworden. England und Italien im Finale taugt mir, denn ich glaube, dass beide wirklich wollen. Die Italiener spielen untypisch italienisch, hatten aber gegen die Spanier Probleme. Spanien war für mich fußballerisch die beste Mannschaft, hat aber Probleme mit dem Toreschießen gehabt.“

Andreas Herzog, Admira

„Von der Spielweise her war ich nie ein Italien-Fan, aber wie die Mannschaft nun unter Mancini auftritt, das begeistert. Das Finale ist ein Aufeinandertreffen zweier Philosophien, wo beide Trainer recht haben. Hier der ehemalige Stürmer Mancini, dort der frühere Verteidiger Southgate. Ich habe mich bei dieser EM schon geirrt, weil ich glaubte, dass der Europameister aus der Gruppe mit Frankreich, Portugal und Deutschland kommt. Österreich hat bei der EM eine gute Leistung gebracht, wobei wir uns gegen stärkere Teams fast leichter tun. Gegen tief stehende Gegner fehlen uns ein wenig die Dribbler über die Flanken. Darauf sollte man in der Nachwuchsförderung künftig ein Auge haben.“

Christian Ilzer, Sturm Graz

„Grundsätzlich habe ich nichts gravierend Neues gesehen. Zeitweise hat es in den Spielen eine Tempobolzerei gegeben, aber nicht durchgängig, weil die Mannschaften nach der langen Saison danach getrachtet haben, einen guten Rhythmus zu bekommen. Alle haben darauf geschaut, mit den Kräften richtig hauszuhalten. Unser Team hat eine sehr gute EM gespielt, mit der Ausnahme des Spiels gegen die Niederlande. Nach dem frühen Rückstand schienen die Spieler physisch etwas müde. Unterm Strich aber hat Österreich die Erwartungen erfüllt. Ich habe vor der EM auf Italien gesetzt und ändere meine Meinung vor dem Finale nicht. Es ist ein würdiges Finale. Für ein Nationalteam haben die Italiener eine hohe Qualität, was die taktische Flexibilität betrifft, das ist schon bemerkenswert. “

Thomas Silberberger, WSG Tirol

„Ich habe keine neuen Trends erkennen können. Die Standardstärke hat etwas abgenommen. Die EM hat zach begonnen, dann hat sie mir aber ganz gut gefallen. Es wurde spät attackiert, es gab kein hohes Pressing, keinen Red-Bull-Stil. Dadurch waren manchmal acht, neun Leute im eigenen Strafraum. Der Weg über außen war dadurch fast immer offen, und mit einem scharfen Ball in die Mitte wurde es dann gefährlich, weil alles so eng war. Mit den Teams, die im Halbfinale waren, kann ich gut leben. Enttäuscht hat mich Frankreich, weil sie teils überheblich gespielt haben und gejubelt – wie Pogba.“

Manfred Schmid, Austria

„Die EM hat mir sehr gut gefallen, auch das Auftreten Österreichs. Beeindruckend war die körperliche Fitness der Spieler. Man sieht, dass man als Mannschaft auf internationaler Ebene keinen Spieler mehr vorgeben kann. Man hat von allen Systemen etwas gesehen, nicht nur mit pressen und umschalten. Ursprünglich war Deutschland für mich der Favorit, jetzt setze ich auf Italien.“

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