Sport | Fußball 23.04.2018

Wenn Trainer im Gefühlsbad sitzen

Ralph Hasenhüttl hat seit drei Runden keinen Sieg mehr erreicht, die Europacup-Chancen schwinden. © Bild: APA/AFP/ROBERT MICHAEL

Hasenhüttl bekommt in Leipzig Druck, Stöger haucht Dortmund wieder Leben ein. Schnell kann es gehen. Im Fußball überhaupt.

Siegesgeheul verhallt im Jammertal, und plötzlich erfordert die gegenteilige Situation schonungslose Manöverkritik. Vor nicht zu langer Zeit wurde bei RB Leipzig in Liga und Europa League auf der Euphoriewelle geritten. Dann kam der Abwurf. Nach dem 2:5 im Heimspiel gegen Hoffenheim konzentriert sich die Lage auf ein Ziel: die Qualifikation für die Champions League. Das bedeutet Enttäuschungen wegstecken, in den letzten drei Runden in der Bundesliga mit Druck umgehen. Rang sechs in der Tabelle, vier Punkte Rückstand auf Leverkusen, zwei auf Hoffenheim, erlauben keine Umfaller mehr. Red Bull muss erfolgreich sein.

Versteinert hat sich die Miene von Ralph Hasenhüttl nach der empfindlichen Schlappe, entladen hat sich seine wütende Rede gegen Mannschaft und Publikum, welches sich während des Spiels in nicht unerheblicher Masse frühzeitig den Stadionausgängen zubewegt hatte: „Ich möchte den Charakter der Mannschaft sehen. Den Charakter der Zuschauer habe ich heute gesehen.“

Konsequenzen

Ja, gesteht Sportdirektor Ralf Rangnick, würde die Qualifikation für die Königsklasse verpasst, „wäre mein Handlungsspielraum eingeschränkt“. Die Europa League oder die Nicht-Quali für die Europa League hätte natürlich auch finanzielle Auswirkungen. „Das ist klar.“

Erste Konsequenz: Bis auf Weiteres liegen alle Vertragsverhandlungen auf Eis. Das betrifft Spieler und Trainer gleichermaßen. Rangnick erklärt: „Wir haben dem Trainer gesagt, dass wir in den drei Wochen, die wir noch haben, die komplette Konzentration auf die drei Spiele brauchen.“

Man werde Vertragsgespräche am Saisonende führen. Was das für die Österreicher bedeutet? Sabitzer, Laimer und Ilsanker haben langfristige Verträge, Hasenhüttls Kontrakt läuft hingegen nur bis Sommer 2019. Hat sich gar ein kleiner Riss zwischen Sportchef und Trainer eingeschlichen? Rangnick stellt rechnerisch kühl fest: „Wir können nur das analysieren, was wir von außen betrachtet sehen. In solchen Situationen bin ich immer ein großer Freund davon, bei den Statistiken und Zahlen zu bleiben, noch mal 14 Gegentore, zwei von den drei Spielen waren Heimspiele, da brauchst du noch nicht mal Fußball-Fachmann zu sein, um zu sagen und zu sehen, wo der Hebel anzusetzen ist.“

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Stögers Dortmunder schossen Leverkusen ab. © Bild: DIENER/Extra

Antworten

In Dortmund sitzt Peter Stöger im Gefühlsbad. Noch vor einer Woche war der Schmerz groß – 0:2 im Ruhrpott-Derby gegen Schalke. Ein weiterer Tiefschlag im unglücklich verlaufenden Dortmunder Trainer-Dasein. Jetzt die Antwort einer Mannschaft, die zwischen öffentlich gefordertem Anspruch und tatsächlichem Leistungsvermögen in das tiefe Loch des allgemeinen Realitätsverlustes geplumpst ist. 4:0 gegen Bayer Leverkusen. Dortmund hat wieder hervorragende Karten im Rennen um die Champions-League-Qualifikation.

Aber was wird in der Trainerfrage geschehen? „Wir werden in den nächsten Wochen sagen, wer ab 1. Juli Trainer beim BVB ist“, kündigt Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc an. Dass der Name Stöger lauten wird, glaubt niemand mehr.

( kurier.at ) Erstellt am 23.04.2018