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Sport Fußball
05/15/2020

"War ein Blödsinn": LASK gestand verbotenes Team-Training ein

LASK-Vizepräsident Werner bat sogar seinen Rücktritt an. Präsident Gruber stellte sein Bundesliga-Aufsichtsratsmandat ruhend.

Im Zugeben von Fehlern gibt es in Österreich derzeit keine großen Vorbilder.  Umso überraschender und wohltuend wirkte die Reaktion des LASK auf das verbotene Mannschaftstraining zu einem Zeitpunkt, als dieses noch nicht erlaubt  war.  

Am Freitag gestanden die Linzer ein, trotz der Corona-Beschränkungen vier Trainings mit der kompletten Mannschaft absolviert zu haben. „Wir haben viermal trainiert, wo wir die Abstandsregeln nicht eingehalten haben“, bestätigte Vizepräsident Jürgen Werner auf einer Pressekonferenz am Freitag. 

Anschober sprach von einem Foul

Am Donnerstag waren   geheim gefilmte Videosequenzen aus der Raiffeisen-Arena in Pasching an die Öffentlichkeit gelangt, und es  wurde von der Bundesliga ein Verfahren beim Senat 1 eröffnet. Alle elf Konkurrenten in der tipico-Bundesliga reagierten erzürnt. 

Auch Gesundheitsminister  Rudolf Anschober sagte enttäuscht:  „Das ist ein schweres Foul, das möglicherweise passiert ist.“ Folgen in Bezug auf die Fortsetzung der Meisterschaft mit dem Cupfinale am 29. Mai und der Liga ab 2. Juni wird es von Regierungsseite aber nicht geben. „Es wird dieses Modell, das wir miteinander paktiert haben, nicht gefährden“, betonte der Gesundheitsminister, der davor mit ÖFB-Präsident Leo Windtner einen Dialog geführt hatte.

Hartes Vorgehen

Dass die Bundesliga noch am Donnerstag ein Verfahren beim Senat 1 einleitete, ist im Sinne von Anschober. Er erwarte sich ein „strenges und konsequentes Vorgehen innerhalb der Liga“.

Sport-Austria-Präsident Hans Niessl betonte am Freitag die Vorbildwirkung des Sports und appellierte: „Ich erwarte mir, dass sich weiterhin alle Vereine von der Bundesliga bis hinunter zur 2. Klasse an die Vorgaben halten. Nur dann ist es möglich, sich Schritt für Schritt zur verantwortungsvollen Normalität zu entwickeln.“ 

Rücktritt angeboten

„Wir haben einen Blödsinn gemacht und uns von den Emotionen leiten lassen“, entschuldigte sich Jürgen Werner. Er war genauso wie Trainer Valérien Ismaël und die Spieler in die Entscheidung eingebunden.   „Alle sind an einem Tisch gesessen, alle hatten ein gutes Gefühl. Im Nachhinein wissen wir, das war falsch, ein Fehler und dafür stehen wir auch gerade“, sagte der Franzose. Präsident Siegmund Gruber will erst am Donnerstag von der Liga über die Sache in Kenntnis gesetzt worden sein. „Jürgen hat mir seinen Rücktritt angeboten, ich habe aber abgelehnt.“ Der 46-Jährige ist auch Teil des Bundesliga-Aufsichtsrates. „Ich habe heute in der Früh ein eMail an Philip Thonhauser (Aufsichtsratsvorsitzender, Anm.) geschickt, wo ich mitgeteilt habe, dass ich die Position des Aufsichtsrates vorerst ruhend stelle.“ 

Der Strafrahmen

Die Reue der Linzer ist auch dringend notwendig. Nicht nur, dass die Nachricht von den „Corona-Dösis“ in Sportnachrichten weltweit publiziert wurde, droht auch durch das Urteil des Senat 1 Ungemach. Der Strafrahmen reicht von einer Ermahnung über eine Geldstrafe und Punkteabzüge bis zu einem Zwangsabstieg und einem Ausschluss aus dem ÖFB.   

Der auf Sport- und Arbeitsrecht spezialisierte Jurist Wolfgang Rebernig erklärte in einem Interview mit der Austria Presse Agentur: „Wenn sich die Vorwürfe bewahrheiten, kann ich nur davon ausgehen, dass es zumindest zu einem Punkteabzug kommt. Eine Sanktion, die nur eine Ermahnung oder eine Geldstrafe nach sich zieht, halte ich für nicht adäquat.“

In der Tabelle hat der LASK drei Punkte Vorsprung auf Salzburg. Noch.