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25.10.2018

Vor Salzburg gegen Rosenborg: Ein Lord auf Abwegen

Nicklas Bendtner wurde durch seine Eskapaden berühmt. Am Donnerstag spielt der Däne in der Europa League gegen Salzburg.

Schnelle Autos, spektakuläre Unfälle, adlige Freundinnen und handfeste Auseinandersetzungen: Nicklas Bendtner hat schon für viele Schlagzeilen gesorgt – und das meistens abseits des Fußballplatzes. Am heutigen Donnerstag gastiert der 30-jährige dänische Stürmer mit dem norwegischen Meister Rosenborg Trondheim im dritten Europa-League-Gruppenspiel in Salzburg (18.55 Uhr).

Geadelt wurde Bendtner, der den Spitznamen „Lord“ trägt, schon in jungen Jahren. Mit 16 wurde er im August 2004 aus dem Nachwuchs des FC Kopenhagen zu Arsenal nach London geholt – entdeckt von Trainerlegende Arsène Wenger.

Schon als Kind war Bendtner mit einem ausgeprägten Selbstvertrauen ausgestattet. Seinen Lehrern erklärte er, dass er keine Hausaufgaben machen brauche, er wolle ja nicht Anwalt, sondern Fußballer werden.

Bei Arsenal verblüffte er den Psychologen Jacques Crevoisier. Bei einem Test wurde auch die „Selbstwahrnehmung eigener Fähigkeiten“ abgefragt. Bendtner kam bei einer Skala bis neun auf zehn. „So etwas hatte ich noch nie gesehen“, erzählte der Franzose dem schwedischen Magazin offside.

Unbändiges Selbstvertrauen

Da überrascht auch eine Aussage nicht, die der Däne 2010 gegenüber der Daily Mail tätigte: „Wenn du mich fragst, ob ich einer der besten Stürmer der Welt bin, würde ich ja sagen, weil ich es glaube.“ Damals war Bendtners Karriere bereits auf dem absteigenden Ast: In jener Saison hatte er gerade einmal zwei Tore in 17 Spielen erzielt.

Dabei hatte alles wie aus dem Märchenbuch begonnen. Mit 17 debütierte er für die Gunners im englischen Liga-Cup. Nach einer Leihe zum Zweitligisten Birmingham City, den er mit elf Toren in die Premier League schoss, wurde er 2007 bei Arsenal mit einem neuen Fünfjahresvertrag ausgestattet.

Im Dezember erzielte er für die Nordlondoner sein erstes Ligator. Gegen Lokalrivale Tottenham stellte er einen Rekord auf: Bendtner traf 1,8 Sekunden nach seiner Einwechslung. Es war das schnellste Tor eines Wechselspielers in der Premier-League-Geschichte.

Mit Emmanuel Adebayor bildete er damals das Arsenal-Sturmduo. Geschätzt haben sie einander nie. Im Gegenteil: Im Liga-Cup-Semifinale 2008 bei den Spurs zeigte der Däne dem Togolesen den Mittelfinger. Adebayor revanchierte sich mit einer Kopfnuss, für den Dänen gab es eine blutige Nase.

Nackte Tatsachen

Verhaltensauffällig war er immer auch abseits des Platzes. 2009 wurde Bendtner just kurz vor dem Champions-League-Semifinale gegen Manchester United mit heruntergelassener Hose beim Verlassen eines Nachtklubs fotografiert. Seinen Körper präsentiert er überhaupt gerne.

Nur ein paar Monate später fuhr er seinen Aston Martin zu Schrott und zog sich aus, nachdem er aus dem Wrack gestiegen war. „Mein Körper ist mein Lebensunterhalt. Deswegen nahm ich alle meine Kleider vom Leib, sogar die Unterhose, und benutzte den Rückspiegel, um hinten und vorne meinen Organismus zu kontrollieren.“ Dass er sich innere Verletzungen zugezogen hatte, sah er so nicht.

Sportlich ging es mit Bendtner bergab, privat schaffte er es in die High Society und wurde durch seine Beziehung mit der 13 Jahre älteren millionenschweren Baronesse Caroline Fleming zum Stammgast in den Klatschspalten. Die Liaison der „dänischen Beckhams“ dauerte zwei Jahre und endete im Jahr 2011 mit einem Rosenkrieg um den gemeinsamen Sohn.

Verbotene Werbung

Auch mit der UEFA legte sich Bendtner an. Bei der EURO 2012 traf er gegen Portugal und zeigte eine Unterhose, die den Namen eines irischen Wettanbieters trug. Daraufhin wurde er wegen verbotener Werbung für ein Spiel gesperrt. Der Wettanbieter zahlte dem Dänen 100.000 Euro Prämie.

Sunderland, Juventus Turin, Wolfsburg und Nottingham – nirgends konnte der Stürmer sportlich Fuß fassen. Erst bei Rosenborg ging es wieder bergauf. 2017 schoss er den Klub mit 19 Toren zum Meistertitel und wurde Torschützenkönig der norwegischen Eliteserien.

Sein zweites Jahr in Trondheim läuft aber bei Weitem nicht so gut: Auf dem Platz gelangen ihm nur fünf Ligatore. Daneben sorgte er erneut für einen handfesten Skandal. Im September soll er einen Taxifahrer in Kopenhagen verprügelt haben, nachdem dieser angeblich seine Freundin attackiert hatte. Bendtner beteuerte öffentlich seine Unschuld. Ein Gerichtstermin wurde für den 2. November angesetzt.

Die Partie in Salzburg könnte nun eine seiner letzten für Rosenborg sein. Sein Haus in Trondheim soll schon zum Verkauf stehen.