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Sport Fußball
03/26/2019

Umbruch im ÖFB-Team: Die Hierarchien haben sich verschoben

Team-Geist: Unter Franco Foda konnten alte Führungsrollen noch nicht neu besetzt werden.

von Alexander Strecha

Die Augen sind bekanntlich der Spiegel der Seele. Jene funkelnden von Franco Foda verrieten sogleich den Gemütszustand des Teamchefs nach dem 2:4 von Haifa. Ärger, Wut, Unverständnis waren darin zu erkennen, ehe Foda selbst mit klaren Worten die Bestätigung hinterher schickte. „Da geht es um Mentalität, um den richtigen Biss.“ Wahrlich ärgerlich, wie leichtfertig und vor allem lässig das österreichische Team die Führung nach einer wirklich guten halben Stunde aus der Hand gab. Als hätte man die Fußballschuhe gegen Badeschlapfen getauscht. „Auf einmal spielten wir Hacke, eins, zwei, drei,“ erklärte Foda im bundesdeutschen Idiom und meinte genau das, was im Wienerischen als „Ferscherl“ bekannt ist.

Foda versprach sogleich, Änderungen vorzunehmen. Löblich die Bereitschaft, allein gibt es Bereiche wie die angesprochene Mentalität oder auch die Hierarchie innerhalb der Mannschaft, die nicht mit einem umgelegten Schalter plötzlich zum Funktionieren gebracht werden können. Derzeit passt im Nationalteam das Gefüge nicht. Viele sehr gute Einzelspieler legen den Fokus offenbar vermehrt auf ihre eigene Leistung und verlieren das große Ganze, das Miteinander aus ihrem Blickfeld.

Der Umbruch

Foda-Vorgänger Marcel Koller hatte am Ende seiner Amtszeit schon den – nötigen – personellen Umbruch eingeleitet, Foda führte ihn konsequent fort. Damit verschob sich im Mannschaftsgefüge auch die Hierarchie. Führungspersönlichkeiten wie Robert Almer, Christian Fuchs, Zlatko Junuzovic oder Martin Harnik traten zurück, Sebastian Prödl oder Marc Janko, nach wie vor mit von der Partie, haben aber aufgrund ihrer Nebenrollen beim Verein nicht mehr das Standing vergangener Jahre.

Bodenständige Professionalisten wie Kapitän Julian Baumgartlinger sind in ihrer Anzahl dezimiert, Martin Hinteregger zählt ebenfalls dazu, wird aber als introvertierter Typ nur selten laut. Andreas Ulmer ist zu wenig Stammspieler, Stefan Lainer oder Xaver Schlager sind vielleicht noch zu jung und von ihrer Persönlichkeit noch nicht so weit gereift, um in einem Nationalteam vorangehen zu dürfen.

Die Clique

Marko Arnautovic und David Alaba sind ob ihrer Qualitäten Österreichs Vorzeige-Kicker, in ihrem Sog schwimmen gute Fußballer wie Marcel Sabitzer, Valentino Lazaro, Peter Zulj oder Aleksandar Dragovic mit, die alle bei guten Vereinen in großen Ligen tätig sind. Sie vereint auch der Hang zum Exzentrischen, sie bilden eine Clique, der unter Teamchef Koller in der Gruppendynamik noch ein starkes Korrektiv gegenüberstand, ehe es bei der EURO 2016 zu den ersten ernsthaften Problemen kam. In der aktuellen Hierarchie geben sie den Ton an, ihre Leistungen werden am Anspruch an sie gemessen. Und bisher wurden sie der Verantwortung ungenügend gerecht.

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