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Sport | Fußball
03/23/2019

TV-Legende Hans Huber: "Ich werde mit Orangen beworfen"

ORF-Kommentator Hans Huber wurde 2001 in Tel Aviv mit vielen Gegenständen beworfen - und zur TV-Legende.

Es war der 27. Oktober 2001. Österreich gastierte im Ramat-Gan-Stadion von Tel Aviv und musste unbedingt ein Unentschieden holen, um die Quali-Play-offs für die WM 2002 zu erreichen. In der Nachspielzeit traf Andreas Herzog zum 1:1, was für ORF-Kommentator Hans Huber auf der Tribüne weitreichende Folgen hatte. Denn er teilte den TV-Zuschauern etwas mit, was später legendär werden sollte: „Ich werde hier inzwischen mit Orangen, mit Steinen, mit Steinen, mit allen möglichen Gegenständen beschossen, das wird der FIFA gemeldet selbstverständlich. Mich hat gerade – ich weiß, es ist für Sie völlig uninteressant – aber mich hat eine Orange eben auf den Kopf getroffen.“

Bis heute ist ungeklärt, ob es eine der berühmten aus Jaffa war ...

Die Vorgeschichte

1999 verlor Österreich in Israel 0:5. Schon damals gab es eine Doppelproduktion mit dem israelischen TV, der ORF-Kommentator bezog auf einer Längstribüne einen Hochstand als Arbeitsplatz. „Es gab rundherum eine kleine Gruppe, die unangenehm war und Schmähgesänge angestimmt hat“, erinnert sich Hans Huber. Zwei Jahre später war die Stimmung noch aufgeheizter. Nach 9/11 und einem Bombenanschlag in Tel Aviv wurde das Quali-Spiel vom 1. Oktober auf den 27. verschoben. Aus Angst vor weiteren Anschlägen blieben gleich neun österreichische Teamspieler daheim. „Die israelische Presse hat sie als Feiglinge dargestellt.“ Huber saß mit seinem Assistenten Andreas Felber und ORF-Innenpolitik-Chef Hans Bürger wieder auf seinem Hochstand. Der angeforderte Security-Dienst kam seinen Aufgaben nicht nach. „Wir waren nicht geschützt, wir wurden als Nazis beschimpft“, erinnert sich Huber. „Wir haben unsere Equipment-Kisten als Schutz aufgebaut, ich habe wie aus einer Schießscharte heraus kommentiert.“

Beim Herzog’schen Ausgleich wurde Huber emotional und laut, was von den Israelis mit einem Geschoß-Hagel beantwortet wurde. „Ich kann nicht sagen, dass ich wirklich Angst hatte. Ich wollte einfach nur fertig kommentieren und dann weg“, schildert Huber die bangen Minuten. „Felber und Bürger gingen in Deckung, mich streifte ein Stein, eine Orange hat mich dann voll getroffen.“ Unbeirrt sprach er weiter. „Weil ich informieren wollte, was sich dort abspielte.“ Damals ahnte Huber noch nicht, dass seine Sätze Legende werden würden – ebenso wie sein „Schweeeden“-Sager, über den Fußballfans heute noch herzlich lachen. Vor dem WM-Quali-Spiel 1997 in Wien gegen die Schweden hatte Huber eine Rückkopplung in seinem Kopfhörer, hörte sich selbst und sprach, weil völlig irritiert, plötzlich gaaanz laaangsam. „Die Schweeeden sind ein ganz harter Brocken.“

Die Schweden

Hans Huber muss beim Gespräch mit dem KURIER im Vienna-Tennis-Stüberl auf der Hohen Warte immer noch lachen. „Ich war ja auch selbst schuld, weil ich einen Regler abgedreht habe. Im Übertragungswagen haben sie geglaubt, ich sei ang’soffen. Andere meinten, ich hätte einen Schlaganfall erlitten.“

Fakt ist, dass bei beiden Spielen Andreas Herzog mit jeweils einem Tor Fußballgeschichte geschrieben hat, Huber ging in die TV-Annalen ein. „Wir haben oft darüber gesprochen und uns köstlich amüsiert.“ Huber erlangte vor allem mit dem Hoppala und der Ausnahmesituation von Tel Aviv Berühmtheit. „Ich habe einige Zeit gebraucht, um damit umgehen zu können, dass ich damit mehr in Erinnerung blieb als mit einem Kommentar von einem wichtigen Spiel. Dass ich das legendäre Spiel Milan gegen Liverpool kommentiert habe, weiß heute niemand mehr.