Peter Schöttel

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Sport | Fußball
12/23/2018

Trainerkurs: Der ÖFB schafft gleiche Chancen für alle

Bei der Aufnahme in den höchsten Kurs waren Ex-Profis bisher klar im Vorteil. Damit ist jetzt Schluss.

Wer in der Bundesliga als Cheftrainer arbeiten will, muss die höchste Trainerausbildung absolviert haben oder gerade Teilnehmer im entsprechenden, zweijährigen Kurs sein.

So oder so: Die UEFA-Pro-Lizenz ist heiß begehrt. Unter ehemaligen Profi-Fußballern ebenso wie unter jenen, die nicht auf höchstem Niveau gekickt und dennoch die Trainerlaufbahn eingeschlagen haben. Letztere sind in Österreichs Profifußball wenige zu finden.

Und das hat einen Grund.

In einem Punktesystem, das Seitens des ÖFB zur Selektion unter den Bewerbern herangezogen wurde, waren Ex-Profis stets stark bevorteilt worden. In diesem Kriterienkatalog erhielten ehemalige Profis doppelt so viele oder gar noch mehr Punkte als Bewerber ohne großer Spielerkarriere.

Die Differenz war selbst durch Zusatzpunkte, die es etwa für ein Sportstudium oder einen Abschluss mit „Ausgezeichnetem Erfolg“ bei der vorhergehenden UEFA-A-Lizenz gab, kaum aufzuholen. Dementsprechend war es bisher nahezu nur ehemaligen Profis möglich, den Bildungsweg zum Profitrainer zu bestreiten. Denn nur die punktbesten zehn schafften es laut ÖFB-Bestimmung in die elitäre „Schulklasse“. Bewerber gab es alle zwei Jahre aber um ein Vielfaches mehr.

Dieses System ist seit einer Woche ÖFB-Geschichte. Und dafür hat pikanterweise auch ein Ex-Profi gesorgt: Unter der Leitung von Sportdirektor Peter Schöttel, immerhin 63-facher Teamspieler, hat die Direktion Sport des ÖFB im Jahr 2018 neue Selektionskriterien erarbeitet. Am 14. Dezember wurden sie schließlich vom Präsidium abgesegnet.

Während ein Ex-Profi unter den bisherigen Kriterien in etwa ein Drittel der nötigen Punkte allein durch seine Karriere als Spieler abdecken konnte, macht die Vergangenheit als Aktiver künftig nur noch zwölf Prozent der Gesamtkriterien aus.

Neues Assessment

Völlig neu ist indes ein fachliches Assessment in Theorie und Praxis, das mit 40 Prozent gleich den Hauptteil der Kriterien bekleiden wird. Was man sich darunter vorstellen kann? „Das wird aus drei Teilen bestehen“, erklärt Peter Schöttel. „Einem praktischen Lehrauftritt mit einer Mannschaft auf dem Platz, einem Kompetenzgespräch und einer schriftlichen Prüfung.“

Eine Kommission, bestehend aus Mitgliedern des ÖFB und der Bundessportorganisation, wird die Leistungen bewerten.

Geschichte sind auch die sogenannten „Jokerplätze“. Diese ermöglichten es bisher der Bundesliga und den Landesverbänden, zusätzlich Bewerber durch die Hintertür ins Klassenzimmer zu schleusen, die es nicht unter die Top-Ten geschafft hatten.

Indes werde die Teilnehmerzahl – verrät Peter Schöttel – von zehn auf 20 erhöht. Der Sportdirektor ist von der Reform überzeugt: „Das ist ein wichtiges Signal und ein Zeichen zu mehr Transparenz.“ Der nächste Kurs startet 2021.