Ex-Sturm-Trainer Roman Mählich.

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Sport Fußball
06/05/2019

Trainerchaos bei Sturm: Der nächste Sündenbock

Nach Heiko Vogel muss bei den Grazern auch Roman Mählich vorzeitig gehen. Dessen Nachfolger trägt eine große Bürde.

von Stephan Blumenschein

Markus Schopp ist die einzige Konstante auf der Cheftrainerposition in der Bundesliga. Der 45-jährige Hartberg-Coach ist der einzige Trainer, der bei seinem Arbeitgeber auch schon zu Beginn der Saison 2018/’19 auf der Betreuerbank gesessen ist. Alle anderen elf Klubs haben andere Trainer als vor einem Jahr (siehe unten).

Nach der Austria – zwischen Thomas Letsch und Christian Ilzer war noch Robert Ibertsberger im Amt – wird auch Sturm mit dem dritten Trainer in einem Jahr in die neue Saison gehen. Denn Mittwoch erfolgte die Trennung von Roman Mählich.

 

„Nach längeren Beratungen sind wir gestern zu dem Schluss gekommen, auf der Position des Cheftrainers eine Veränderung vorzunehmen. Der Trend und die Performance in der Meisterrunde sowie die Heimniederlagenserie sind die sportlichen Gründe für diesen Schritt“, begründete Sportchef Günter Kreissl den Schritt.

Die Trainerentlassung bei den Grazern ist der Schlusspunkt eines turbulenten Jahres. Nach dem Cupsieg 2018 ging bei Sturm ziemlich viel schief.

Zunächst musste der damalige Trainer Heiko Vogel mit einer extrem stark veränderten Mannschaft in die Saison starten. Kreissl war es nicht gelungen, Stammspieler wie Bright Edomwonyi, Deni Alar, Thorsten Röcher, Marvin Potzmann oder James Jeggo zu halten.

Blamage

Die Rechnung kam postwendend. Das Ausscheiden in der Europa-League-Qualifikation gegen den zypriotischen Verein AEK Larnaka (Gesamtscore: 0:7) war mehr als peinlich.

Auch in der Bundesliga lief es für die Mannschaft, die in der Sommertransferzeit 2018 hauptsächlich mit Spielern von kleineren Vereinen wie Admira (Lackner, Grozurek) oder Mattersburg (Pink) sowie drittklassigen Legionären (Ferreira, Obermair) aufgepäppelt worden war, überhaupt nicht.

Als die Qualifikation für die Meistergruppe wackelte, wurde der typische Schuldige für die Misere benannt: Trainer Vogel musste nach nicht einmal einem Jahr gehen. Neu geholt wurde Ex-Sturm-Spieler Roman Mählich.

 

Die Trainerwechsel während der Saison 2018/'19

21. August 2018: Gerald Baumgartner war der erste Chefcoach in der laufenden Bundesliga-Saison, der seinen Trainerstuhl räumen musste. Nach nur vier Runden musste Baumgartner beim SV Mattersburg gehen. Vorerst leitete Amateur-Trainer Markus Schmidt das Training.

28. August: Genau eine Woche nach dem Abgang von Baumgartner fand Mattersburg einen neuen Trainer. Klaus Schmidt erhielt einen Vertrag bis zum Saisonende.

29. September: Unmittelbar nach der 0:2-Heimniederlage gegen den SKN St. Pölten wurde Goran Djuricin vom SK Rapid freigestellt. 

1. Oktober: Rapid gab nach einer Präsidiumssitzung die Verpflichtung von Didi Kühbauer bekannt. Der 47-Jährige war bis dato Coach des SKN St. Pölten.

In St. Pölten wird derweil Sportkoordinator Marcel Ketelaer bis auf weiteres das Training leiten, hieß es. 

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10. Oktober: Ranko Popovic wird zum neuen Cheftrainer des SKN St. Pölten ernannt. 

28. Oktober: Die Admira gab die Trennung von Ernst Baumeister bekannt. Der 61-Jährige wurde nach der 0:2-Auswärtsniederlage bei Rapid freigestellt.

29. Oktober: Einen Tag nach der Trennung von Baumeister präsentierte die Admira mit Reiner Geyer den neuen Cheftrainer. Der 54-jährige Deutsche kommt vom 1. FC Nürnberg, wo er Coach der U21-Mannschaft war.

5. November: Sturm Graz trennte sich von Heiko Vogel. Die Verpflichtung von Roman Mählich kurz danach bedeutete den bereits fünften Trainerwechsel in dieser Bundesliga-Saison.

Bis zum 3. März 2019 war es ruhig, dann gab Altach die Trennung von Werner Grabherr bekannt. Interimstrainer wird vorerst Wolfgang Luisser, Grabherrs Nachfolger wurde der Niederländer Alex Pastoor.

Nur zwei Tage später entließ Wacker Innsbruck Karl Daxbacher. Seine Agenden übernahm Thomas Grumser, der Trainer der zweiten Mannschaft der Tiroler. 

11. März 2019: Die Wiener Austria trennt sich nur einen Tag nach der Qualifikation für die Bundesliga-Meistergruppe von Thomas Letsch. Dessen Assistent Robert Ibertsberger wurde dessen Nachfolger.

 

Mit einer strikten Defensivtaktik schaffte der Wiener mit den Grazern im März doch noch die Qualifikation für die Top sechs – auf dem letzten Drücker mit einem 1:0 gegen die Austria. Es sollte sein letzter Heimsieg sein.

Denn nicht nur alle fünf Meistergruppen-Spiele in der Merkur-Arena gingen verloren, sondern auch am Sonntag das Europa-League-Play-off-Spiel daheim gegen Rapid. Das glückliche 0:1 reichte aber, um sich als letztes Bundesliga-Team für den Europacup zu qualifizieren.

 

 

Die Reaktion der letzten Getreuen der Grazer – es waren nur 9.315 Zuschauer im Stadion – war bezeichnend: Die Mannschaft wurde mit einem gellenden Pfeifkonzert in die Sommerpause verabschiedet, obwohl das vorrangige Saisonziel eigentlich erreicht worden war.

Und wieder muss vorerst einmal nur der Trainer gehen, obwohl Kreissl erklärte: „Uns allen muss bewusst sein, dass jeder Spieler, Mitarbeiter und natürlich allen voran auch meine Person als Geschäftsführer Sport Teil der unzufrieden stellenden Spielzeit waren.“

 

 

Wer der Nachfolger von Mählich wird, dessen Vertrag noch bis 2020 gelaufen wäre, ist noch offen. Egal, wer es wird, er geht mit einer Bürde in die Saison. Die Grazer müssen bereits im Juli Europacup spielen – als einzige österreichische Mannschaft.

Verein                         Sommer 2018                 Sommer 2019
Red Bull Salzburg       Marco Rose (GER)         Jesse Marsch (USA)
LASK                           Oliver Glasner                 Valérien Ismaël (FRA)
WAC                            Christian Ilzer                  Gerhard Struber
Austria Wien                Thomas Letsch (GER)   Christian Ilzer
Sturm Graz                  Heiko Vogel (GER)          ?
SKN St. Pölten             Didi Kühbauer                 Ranko Popovic
Rapid Wien                  Goran Djuricin                 Didi Kühbauer
Mattersburg                  Gerald Baumgartner       Klaus Schmidt
Altach                           Werner Grabherr             Alex Pastoor (NED)
Admira                          Ernst Baumeister            Reiner Geyer (GER)
Hartberg                        Markus Schopp               Markus Schopp
Innsbruck (Absteiger)    Karl Daxbacher              Thomas Grumser