Thorsten Schick (re.) krönte sich erneut zum Schweizer Meister.

© APA/AFP/FABRICE COFFRINI

Fußball
04/14/2019

Thorsten Schick: Ein Meistertitel zum runden Jubiläum

Der Steirer wurde mit Young Boys erneut Meister in der Schweiz und spielt heute zum 100. Mal für die Berner.

von Christoph Geiler

Es ist dann leider doch nicht so gekommen, wie Thorsten Schick und seine Kollegen sich es ausgemalt hatten. Denn auf dem Weg zum erneuten Meistertitel für die Young Boys aus Bern wurde der FC Basel zum großen Spielverderber. "Ich würde mir wünschen, dass wir nicht auf der Couch Meister werden", hatte der Steirer vor diesem Spieltag gemeint. Prompt spielte der erste Verfolger FC Basel am Samstag gegen Schlusslicht Grasshoppers Zürich nur 0:0 und machte damit die erfolgreiche Titelverteidigung von YB Bern perfekt. Die Berner liegen vor ihrem Auswärtsmatch an diesem Sonntag gegen den FC Zürich uneinholbar mit 22 Punkten vor der Elf des ehemaligen österreichischen Teamchefs Marcel Koller. Noch nie zuvor hat sich ein Klub in der Schweiz so früh den Meistertitel sichern können.

Thorsten Schick darf sich nicht nur über den zweiten Meistertitel in Folge freuen. Der 28-Jährige absolviert gegen den FC Zürich auch sein hundertstes Spiel im Trikot der Young Boys.

Herr Schick, wie emotional ist dieser Titelgewinn?

Es ist natürlich ein wenig anders als im Vorjahr. Damals war überall in der Stadt die Sehnsucht zu spüren, erstmals seit 1986 Jahren wieder den Titel nach Bern zu holen. Und irgendwie war das vor einem Jahr auch für uns Spieler nicht ganz greifbar und schwer zu realisieren. Jetzt hat sich der Titel in Wahrheit schon lange abgezeichnet, weil wir einfach eine sehr erfolgreiche Saison spielen und den Vorsprung immer weiter ausgebaut haben.

Hat sich dieses Solo negativ auf die Euphorie rund um die Young Boys ausgewirkt ?

Ganz im Gegenteil. Der Zuspruch ist enorm, zum Match nach Zürich werden uns 8000 Fans begleiten. Unsere nächsten Heimspiele werden wahrscheinlich alle ausverkauft sein, und wie groß die Euphorie ist, kann man schon daran erkennen, dass Young Boys erstmals seit langem einen höheren Zuschauerschnitt hat als der FC Basel. Es ist ja auch eine historische Saison: Der Klub war erstmals in der Champions League, wir haben den ersten Sieg gefeiert und auch Juventus geschlagen.

Klingt danach, als wäre es der richtige Schritt gewesen, 2016 von Sturm nach Bern zu wechseln.

Absolut. Ich habe es nie bereut, in die Schweiz gegangen zu sein. Diese Erfahrungen, die ich hier sammeln durfte, haben mich als Mensch und Spieler reifen lassen. Unser Kind ist hier auf die Welt gekommen, und auch sportlich ist es immer bergauf gegangen. Was will man mehr?

Mehr Einsatzzeiten vielleicht?

Es mag stimmen, dass ich jetzt nicht der absolute Stammspieler bin. Aber dafür komme ich auf vielen Positionen zum Einsatz. Ich habe in dieser Saison schon rechter Verteidiger gespielt, links und rechts offensiv. Und wenn ich auf dem Platz stehe, dann passt die Performance.

Sie haben in 19 Partien immerhin 9 Assists verzeichnen können.

Die Quote ist toll und macht mich auch stolz. Wenn man das umlegt auf die Einsatzminuten, dann bin ich in der Wertung die Nummer eins der Liga.

Trotzdem wird in Österreich, wenn vom Schweizer Fußball die Rede ist, meist von Heinz Lindner, Raphael Holzhauser oder Marc Janko gesprochen. Nur die wenigsten wissen, dass es da beim Meister ebenfalls einen österreichischen Spieler gibt.

Das hing sicher auch damit zusammen, dass bei den Grasshoppers mit Thorsten Fink ein Trainer mit Österreich-Bezug war. Und ein Heinz Lindner steht als Teamgoalie klarerweise mehr im Fokus, Raphael Holzhauser ist ein Spieler, der polarisiert. Mich stört es jetzt nicht, dass ich in Österreich nicht die großen Schlagzeilen habe. Wobei es mich natürlich freut, wenn meine Leistungen auch daheim registriert und honoriert werden.

Sie haben in Bern auch unter Adi Hütter gearbeitet. Sind Sie überrascht, wie gut er sich mit Eintracht Frankfurt schlägt?

Nicht wirklich, wobei man nicht damit rechnen konnte, dass es dann dermaßen gut läuft und es Frankfurt ins Europa League-Viertelfinale schafft und auf einem Champions League-Platz steht.

Was zeichnet Ihn als Trainer aus?

Adi Hütter ist jemand, der sich extrem hohe Ziele setzt und das auch der Mannschaft vermittelt. Auch das Zwischenmenschliche beherrscht er sehr gut. Und dann hat er natürlich eine klare Vorstellung, wie er Fußball spielen will. Ich habe mir interessehalber die Statistiken der deutschen Bundesliga angesehen: Da liegt Frankfurt beim Ballbesitz zum Beispiel sehr weit hinten, aber was die Sprints oder die Zweikämpfe betrifft, da sind die Frankfurter ganz vorne. Das zeichnet Hütters Fußball aus, er lässt seine Teams immer hohes Tempo gehen.

Abschließend: Irritieren Sie eigentlich die vergleichsweise hohen Preise in der Schweiz noch?

Inzwischen nicht mehr. Wenn mich Leute aus Österreich besuchen, dann erschrecken sie immer. Mir geht's umgekehrt: Wenn ich einmal daheim in Österreich bin und dort Essen gehe, schicke ich meinen Teamkollegen gerne Bilder mit den Preisen. Die glauben dann, dass das ungenießbar sein muss, wenn es so billig ist.

Apropos ungenießbar: Wie kommen Sie mit der Schweizer Küche klar?

Raclette und Fondue haben wir sehr gerne. Nur über eine Speise habe ich mich noch nicht drüber getraut.

Was denn?

Älplermagronen. Das sind Nudeln mit Kartoffeln und Ei und dazu gibts Apfelmus. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass das schmeckt.

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