Sport | Fußball
05.12.2011

Teil 2: Vorbild Schweiz

Gludovatz: "Wir sind noch lange nicht so weit wie in der Schweiz."

Verspüren Sie gerade vor so einem Großereignis Wehmut, dass sie in der Bundesliga und nicht mehr im ÖFB-Nachwuchs arbeiten?
Paul Gludovatz: Überhaupt nicht - alles zu seiner Zeit.

Bedeutete die U20-WM 2007 nicht nur für die Spieler, sondern auch für Sie ein Sprungbrett? Schließlich bekamen Sie ein Jahr danach in Ried einen Bundesliga-Trainerjob.
Auch nach Kanada haben alle geglaubt, ich kann nur im Nachwuchsbereich arbeiten. Ich war als Nachwuchs-Trainer stigmatisiert. Ich könnte mir gut vorstellen, dass ich den Ried-Job auch ohne die U20-WM bekommen hätte. Ich bin ja erst ein Jahr später nach Ried gegangen, außerdem gab es überhaupt keine Angebote von anderen Vereinen.

Warum wird in Österreich das Amt eines Nachwuchstrainers weit geringer geschätzt als jenes eines Profi-Betreuers?

Da handelt es sich um einen Denkfehler. Ich würde jedem Trainer raten, im Nachwuchs zu beginnen, denn dort kann man noch Fehler machen. Für mich zum Beispiel ist es im Erwachsenen-Fußball leichter als im Nachwuchs-Fußball. Vielleicht scheuen deswegen viele diese Arbeit, weil sie wissen, dass sie viel aufreibender ist.

Was halten Sie von den aktuellen ÖFB-Nachwuchskonzepten?
Die Konzepte sind nur so gut, wie man sie umsetzt. Man muss sie in die Köpfe der Clubtrainer reinbekommen, damit sie umgesetzt werden können. Viele Trainer sind zur Umsetzung nicht bereit. Dass so wie in der Schweiz an einem Strang gezogen wird, so weit sind wir noch lange nicht. Ich habe damals vor Ort mit eigenen Augen gesehen, wie Roy Hodgson in der Schweiz alles in einem einheitlichen System durchgestylt hat, das wäre bei uns nicht möglich. Die Schweizer haben Erfolge nicht nur wegen ihrer Secondos, sondern weil sie ihre Programme umsetzen und nicht nur darüber referieren.

Würde man so wie damals in der Schweiz auch in Österreich einen namhaften ausländischen Teamchef benötigen, um diese Reformen durchzuziehen?
Ich glaube nicht, dass so etwas an Namen gebunden ist, sondern an die Bereitschaft aller Beteiligten, mitziehen zu wollen. Und diese Bereitschaft ist beim Großteil der Liga-Trainer sicher gegeben.

Dazu braucht es aber eine gute Zusammenarbeit zwischen A-Team-Betreuerstab und Liga-Trainern - wie ist es darum bestellt?
Die Kontakte zwischen ÖFB und Bundesliga-Trainern sind Alibi. Anrufe allein genügen nicht. Sie müssen eben täglich unterwegs sein und nicht nur ein paar Spiele besuchen. Sie müssen mehr Trainings besuchen, ihre Teamspieler auch im Training anschauen, mit den Vereinstrainern reden, einfach das Feld mehr beackern - aber das betrifft nicht nur den jetzigen Teamchef, sondern auch seine Vorgänger. Die A-Team-Betreuer schauen sich die Spieler an und nehmen sie fürs Nationalteam, aber sie reden nicht über die Struktur. Doch wir als Kleine dürfen uns keinen einzigen Fehler erlauben. Wir müssen in jedem Bereich top arbeiten, um ein gewisses Level zu erreichen.

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