Rapid: Wo Gewalt und Nächstenliebe vereinbar sind

121.000 Euro Spenden und Strafen in Millionenhöhe. In Hütteldorf ist fast alles möglich.
Wolfgang Winheim
Die Rapid-Ultras

Im September prophezeite Peter Pacult, dass Rapid bis März, bis zur Punkteteilung, kaum von der Spitze zu verdrängen sein werde. Eine Meinung, die viele mit Rapids letztem Meistermacher (2008) teilten. Fünf Monate und zwei Trainerwechsel später steht der rekordverdächtig lange titellose Rekordmeister als Ligasechster unter Zugzwang und ob seiner ungelösten Fan-Probleme unter besonderer Beobachtung.

Konträr zu früheren Zeiten, in denen Hans Krankl sogar ein Ultras-Kapperl trug, wird von diesem zu Fan-Exzessen nicht geschwiegen. Wie er lassen auch Andreas Herzog, Stefan Maierhofer, Pacult und andere Alt-Rapidler nach dem jüngsten Derby-Skandal öffentlich wissen, dass sich rapide was ändern, sich der Klub zur Null-Toleranzpolitik durchringen muss. Eine, die auf Vereinsseite wiederum von Polizei und Juristen erwartet wird. Anders als England, wo es in der Premier League nebst personalisierten Tickets härtere Strafen für Hooligans und als Folge keine Ausschreitungen mehr gibt, bleiben die Rädelsführer hierzulande meist ungeschoren. Während Rapid schon zwei Millionen Strafe zahlte und der Imageschaden für den Fußball in Euros kaum messbar ist.

Gelockerte Rad-Muttern

Franz Binder Jr., der (2023 verstorbene) einstige Rapid-Manager und Sohn des Rapid-Rekordschützen, hatte schriftlich wie mündlich vehement gefordert, Fans keinen Verein im Verein bilden zu lassen. Anderntags fand er sein Auto mit gelockerten Muttern an vier Rädern vor. Kriminal- oder Zufall?

Wie sehr Fanatismus ausarten kann, erlebte der Autor im August 2010, als er anonyme Morddrohungen erhielt, nur weil im KURIER das Verhalten von „Fans“ im Fall Weimann widerlich genannt worden war.

Andreas Weimann hatte sich bei seinem ersten Europa-League-Einsatz für Aston Villa in Hütteldorf ernsthaft verletzt, wurde danach auf der Trage liegend, von der Westtribüne herab mit Bier übergossen, bespuckt und beschimpft. Derselbe Weimann, der mit 16 vom Rapid-Nachwuchs nach England gewechselt war. Und der jetzt als 34-jähriger Teamkandidat für Rapid stürmt. Mit einem Blick zurück ohne Zorn.

Vermutlich weiß er, dass in den rauesten grünen Schalen ein weicher Kern steckt. Oder wie sonst ist erklärbar, dass vom Block West, in dem nicht nur Begüterte stehen, zu Weihnachten 121.000 Euro für hilfsbedürftige Wiener gesammelt wurden. Die Spender haben es sich nicht verdient, in einem Atemzug mit dem gewaltbereiten Mob genannt zu werden.

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