Fußball-WM in den USA: Wen Rangnick noch mitnehmen könnte
Rangnick sitzt am Steuer
Österreich hat neun Millionen Teamchefs. Am Montag werden sie wieder allesamt diskutieren. An den Stammtischen, oder – was heutzutage noch viel häufiger passiert – in diversen Whatsapp-Gruppen. Am Montag wird um 15 Uhr bekannt, welche 26 Fußballer für Österreich zur WM nach Nordamerika fahren dürfen.
Entschieden wird das von jenem Mann, der wirklich Teamchef ist: Ralf Rangnick. Der 67-Jährige ist dabei nicht zu beneiden. Denn bei diesen Entscheidungen platzen Kindheitsträume. Zum Glück für den Deutschen sind es allerdings nur noch rund eine Handvoll Spieler, die am Montag enttäuscht sein werden. Denn von den 26 Kaderplätzen sind praktisch 22 fix vergeben. Welche Personalentscheidungen noch offen sind.
- Wer wird der dritte Tormann sein?
Drei der 26 werden Torhüter sein. Salzburgs Alexander Schlager und Dänemark-Legionär Patrick Pentz sind dabei gesetzt. Für den dritten Platz gibt es drei Kandidaten, wobei Tobias Lawal lange Zeit der Favorit auf diesen Posten war. Allerdings: Der 25-Jährige hat seit März wegen einer Verletzung kein Spiel mehr bestritten.
Dazu hat ein anderer seine Chance genützt: Florian Wiegele, der beim tschechischen Topklub Viktoria Pilsen spielt, überzeugte Team und Teamchef als Debütant im Training dermaßen, dass er sogleich gegen Ghana sein Debüt feiern durfte. Der 25-Jährige hat mit 2,05 Metern Körpergröße ein Torhüter-Profil, das sonst kein Österreicher hat. Nicht zuletzt dürfte der Steirer auch Nikolas Polster vom WAC in der Rangordnung überholt haben und gilt nun als klarer Favorit auf Platz drei.
Florian Wiegele
- Welche Innenverteidiger fahren noch mit?
Hier gibt es für Rangnick das größte Kopfzerbrechen. Auf keiner anderen Position hat Österreich so viele Spieler mit Qualität. Allerdings sind nicht alle in der körperlichen Verfassung ihres Lebens. Ein positives Signal gabs am Donnerstag: David Alaba hat bei Real Madrid 90 Minuten gespielt. Der Kapitän ist gesetzt, wie viele WM-Spiele er machen kann, ist nach einer langen Verletzungspause aber fraglich. Einen Fixplatz im Kader haben auch Philipp Lienhart, Kevin Danso und Marco Friedl.
Alaba spielte am Donnerstag 90 Minuten
Die Qualität und Erfahrung, bei der WM in der Startelf zu stehen, hätten zwei Routiniers, die verletzungsbedingt fast die ganze Saison verpasst haben, vor Kurzem aber ihre Comebacks gefeiert haben: Gernot Trauner (34) und Maximilian Wöber (28). Hier stellt sich die Frage, wie viel Risiko der Teamchef nimmt. Soll er neben Alaba zwei weitere Verteidiger mit unsicherem Fitnesszustand mitnehmen? Oder gibt es WM-Tickets für zwei, die international deutlich unerfahrener sind, aber körperlich auf der Höhe: Venezia-Kapitän Michael Svoboda (27) und Spanien-Legionär David Affengruber (25).
- Welcher Mittelfeldspieler oder Stürmer schafft es?
Jetzt wird es ganz eng. Die Wahrscheinlichkeit, dass von den Wackelkandidaten in der Offensive einer zu einem WM-Einsatz kommt, geht gegen null. Zur Einordnung: Bei der EM 2024 kamen sieben von 26 Nominierten nie zum Einsatz. Aber der Teamchef braucht auch Spieler, die diese Reservistenrolle annehmen, gute Stimmung verbreiten, täglich brav trainieren und dabei jenen, die spielen, eine Challenge bieten. Alessandro Schöpf, Nikolaus Wurmbrand, Marco Grüll, Raul Florucz und Andreas Weimann passen alle in dieses Profil.
KURIER-Tipp: Weil Rangnick große Stücke auf Trauner und Wöber hält und beide mit ihrer Qualität auch Kandidaten für die Startelf wären, fahren beide mit. Und dann bliebe für den Teamchef nur noch ein einziger Platz zu vergeben.
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