Hollerer: "Schön, dass Österreich ein kleines Zahnrad sein darf"

FUSSBALL: ÖFB: ORDENTLICHE HAUPTVERSAMMLUNG: HOLLERER
UEFA-Präsident Ceferin erwähnte Hollerer in seiner Rede. Dieser sprach über den Kontakt und die Werte des ÖFB.

UEFA-Kongress in Lissabon. Unter den mehr als 300 Teilnehmern ist nicht nur FIFA-Boss Gianni Infantino, sondern auch ÖFB-Präsident Johann Gartner, Präsidiumsmitglied Philipp Thonhauser und Generalsekretär Thomas Hollerer.

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin bedankte sich bei gewählten und ausgeschiedenen Funktionären und sinnierte dann: "Als ich 2016 gewählt wurde, habe ich in meiner Rede als mein Motto ,Football first’ genannt. Und Thomas Hollerer hat mich oft daran erinnert."

KURIER: Was haben Sie sich gedacht, als Sie der UEFA-Präsident erwähnt hat?

Thomas Hollerer: Ich war sehr überrascht.

Wurde das von den mehr als 300 Teilnehmern auch wahrgenommen?

Schon. Einige haben gratuliert. Es war ja die Rede nach seiner Wiederwahl und da wird genau hingehört, ob es Zwischentöne und Nebengeräusche gibt.

FUSSBALL: ÖFB-BUNDESHAUPTVERSAMMLUNG:  HOLLERER

Mit ein bisschen Abstand: Was bedeutet das für Sie?

Da sitzen die ganzen großen Lenker und die großen Räder des Fußballs. Und es ist schön, dass Österreich ein kleines Zahnrad sein darf.

Der 55-jährige Anwalt Ceferin kommt aus Slowenien, auch ein kleines Land.

Ich denke mir oft, dass es vielleicht gerade diese kleinen Zahnräder braucht, damit das Große ineinander greifen kann und nicht verklemmt.

47th Ordinary UEFA Congress

Ceferin hat gesagt, dass Sie ihn ,many times‘ erinnert haben. Haben Sie so oft Kontakt mit dem UEFA-Präsidenten?

Im Telefonbuch des UEFA-Präsidenten gibt es viele wichtigere Nummern als meine. Aber man tauscht sich ab und zu aus. Ceferin ist 2016 Nachfolger von Michael Platini geworden. Seine Präsidentschaft ist von Krisensituationen geprägt. Covid, Krieg, Teuerung. Und er hat den Fußball großartig durch getragen. Nicht umsonst ist er unangefochten wiedergewählt worden.

Man hatte bei seiner Eröffnungsrede aber den Eindruck, dass ihn vor allem die Super League stört. Eine geschlossene Liga der reichsten Klubs des Kontinents.

Genau das ist ja der Gegenpol zu „Football first“, es ist „Profit first“. Dabei geht es um Profilierungssucht und Gier. Das ist ein geschlossenes System, in dem auf Frauen, auf Solidarität, auf Inklusion gepfiffen wird.

Lehnt der ÖFB aus diesen Gründen auch die Super League ab?

Ja. Es ist dem ÖFB ein Anliegen, dass diese Werte nicht zerstört werden.

Der ÖFB schien in letzter Zeit aber doch nicht sonderlich harmonisch.

Es ist ein Privileg, dass wir den Fußball mitgestalten dürfen und wir sollten alle versuchen, ihn nach dem Motto „Football first“ weiterzubringen. Den Fußball ein bisschen hat es vor uns gegeben und es wird ihn nach uns geben. Das dürfen wir nicht vergessen.

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