Sport | Fußball 24.04.2018

Mo Salah: Nicht nur in der Heimat Ägypten ein Superstar

Der (Aus)Gezeichnete: Dieses Kunstwerk in Kairo ehrt den frisch gekrönten Spieler des Jahres in der Premier League. © Bild: APA/AFP/AMIR MAKAR

In Liverpool verehrt, in der Liga ausgezeichnet: Heute trifft Mohamed Salah auf seinen Ex-Klub AS Roma.

Man stelle sich einmal vor, die Österreicher wählten einen neuen Bundespräsidenten und Marko Arnautovic würde die zweitmeisten Stimmen erhalten.

Undenkbar? Unmöglich? Unglaublich?

Zumindest nicht in Ägypten. Als das Land am Nil vor drei Wochen den neuen Präsidenten wählte, verzichteten viele Ägypter auf das Kreuzerl und schrieben stattdessen den Namen von Mohamed Salah auf den Wahlzettel. Fünf Prozent der abgegebenen Stimmen sollen so entfallen sein auf den Fußballer mit dem Wuschelkopf und dem Vollbart, der nicht nur in seiner Heimat abgöttisch verehrt wird.

In Liverpool wird Mo Salah sogar in einem Atemzug mit den berühmtesten Söhnen der Stadt genannt: den Beatles. „Mehr als ein halbes Jahrhundert später gibt es einen neuen jungen Mann, der die ganz Stadt in Ekstase versetzt“, hieß es dieser Tage erst auf CNN – eine größere Ehre kann einem in der Stadt am Mersey nicht zuteil werden.

Im Rampenlicht

Neben Präsidenten-Stimmen und Beatles-Lobeshymnen macht sich die jüngste Auszeichnung von Salah vergleichsweise wie ein Titelchen aus. Der 25-jährige Angreifer des FC Liverpool wurde in England zum Spieler des Jahres gewählt. Neben der fantastischen Trefferquote – Salah erzielte in 46 Pflichtspielen 41 Tore – hatte der Ägypter auch mit seiner unkomplizierten und sympathischen Art gepunktet. Selbst Fans der Liverpooler Erzrivalen können sich für den flinken Stürmer begeistern – und bei den Medien im Mutterland des Fußballs dreht sich seit Monaten sowieso nur mehr alles um den Goalgetter aus Nordafrika.

Dem großen Hype um seinen kleinen Stürmer begegnete Liverpool-Coach Jürgen Klopp zuletzt mit einem für ihn typischen Scherz. „Auf geht's! Lasst uns nackt trainieren“, sagte der Deutsche seinen Spielern. „Weil das sowieso niemand bemerkt. Sie schauen alle nur auf Mo.“

Im Fokus

Auch im Stadio Olimpico werden heute Abend viele Blicke auf Salah gerichtet sein, wenn der FC Liverpool im Semifinal-Hinspiel der Champions League auf AS Roma trifft (20.45 Uhr, live Sky). Wahrscheinlich wird der gefährlichste Spieler des Gegners von den Tifosi sogar mit stehenden Ovationen und tosendem Applaus empfangen. Denn bis vor einem Jahr hatte Salah mit seinen Toren und Tempodribblings noch die Römer verzückt, ehe sich Liverpool im vergangenen Sommer um 42 Millionen Euro die Dienste des Angreifer sicherte.

42 Millionen für einen Spieler, der bis jetzt bereits 41 Saisontore erzielt hat, sind in der heutigen Zeit, in der längst dreistellige Ablösesummen bezahlt werden, eigentlich ein Schnäppchen. „Aber es war schon für uns ein Risiko. Hundertprozentig sicher kann man nie sein, wie sich ein Spieler dann schlägt“, sagt Jürgen Klopp, der Mohamed Salah im letzten Sommer zu seinem Wunschspieler auserkoren hat. Verkörpert der pfeilschnelle Angreifer doch perfekt den überfallsartigen Angriffsfußball, für den der deutsche Coach seit jeher steht.

Längst hat der Ägypter, der nebenbei sein Nationalteam zur ersten WM-Teilnahme seit 28 Jahren geführt hat, das Interesse der spanischen Spitzenvereine geweckt. Vor allem Real Madrid, am Mittwoch Semifinalgegner von Bayern München (siehe Zusatzartikel rechts) buhlt um die Gunst des 25-Jährigen, der seinerzeit vom FC Basel entdeckt worden war.

Jürgen Klopp sieht die Sache freilich gelassen. „Ich weiß, dass sich Mo bei uns pudelwohl fühlt, und er weiß zudem, dass ihm unsere Spielweise total liegt. Da mache ich mir keine Sorgen.“

( kurier.at ) Erstellt am 24.04.2018