Sport | Fußball 07.01.2013

Messi ist Weltfußballer

FIFA Men's Ballon d'Or of the Year 2012 nominee Lionel Messi of Argentina looks at the trophy during a news conference before th… © Bild: Reuters/MICHAEL BUHOLZER

Barcelonas Argentinier setzte sich gegen Klubkollege Andres Iniesta und Reals Cristiano Ronaldo durch.

Die Überraschung hielt sich in Grenzen als Fabio Cannavaro bei der Ballon d'Or-Gala den " Weltfußballer des Jahres" bekanntgab: Bereits zum vierten

Weltfußballerin des Jahres: Abby Wambach
Weltfußballerin des Jahres: Abby Wambach (USA) © Bild: APA/NIC BOTHMA
Mal in Serie wurde Barcelonas argentinischer Star Lionel Messi zum besten Kicker der Welt gewählt. Messis unterlegene Konkurrenten waren sein Klubkollege Andres Iniesta und Ronaldo von Real Madrid.

Bei der Wahl zur "Weltfußballerin des Jahres" setzte sich die US-Teamspielerin und Olympiasiegerin Abby Wambach gegen Landsfrau Alex Morgan und die Brasilianerin Marta durch.

"Der Floh"

Mit gerade einmal 1,69 Meter wirkt "La Pulga", der Floh, neben Modellathleten wie Cristiano Ronaldo fast wie ein Schülerliga-Kicker. Anders als sein portugiesischer Dauerrivale um Torjägerkronen polarisiert der zurückhaltende Messi bei Experten und Fans auch kaum. Immer wieder betont er, den Erfolg mit dem FC Barcelona über die eigenen Interessen zu stellen.

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© Bild: KURIER

Dabei verkörpert der Edeltechniker das Spiel der Katalanen wie kein Zweiter - schnell, unberechenbar, spektakulär und voller Torgefahr. Obwohl in Argentinien aufgewachsen, ist Messi fußballerisch ein Kind der "Blaugrana". Sein Hollywood-tauglicher Werdegang ist inzwischen bekannt.

Bei den Newell's Old Boys in Rosario galt der Sohn eines Fabrikarbeiters und einer Putzfrau als hoch veranlagtes, aber auch an einer hormonell bedingten Wachstumstörung leidendes Talent. 900 Dollar pro Monat kostete die Behandlung für den kleinwüchsigen 13-Jährigen. Eine Summe, die sich die Eltern nicht leisten konnten bzw. der Verein nicht leisten wollte. Vater Jorge suchte in Spanien nach einem Ausweg.

Nach dem ersten Probetraining beim FC Barcelona zögerte Barca-Scout Carles Rexach keine Sekunde: Auf der Rückseite einer Serviette wurde der erste Vertrag des künftigen Superstars unterschrieben. Seit diesem Tag ist Messi, der nur selten über seine Jugend spricht, samt seiner insgesamt sechsköpfigen Familie in Barcelona zu Hause. In der Nachwuchsschmiede "La Masia" machte er sich schnell einen Namen, sein erster Einsatz für die Profis schien nur eine Frage der Zeit.

Rekorde

Messis Lebensgefährtin Antonella Roccuzzo
FC Barcelona's Lionel Messi, from Argentina and his girlfriend Antonella Roccuzzo arrive for Andres Iniesta's wedding at the cas… © Bild: AP/MANU FERNANDEZ
Am 16. Oktober 2004 debütierte Messi im Derby gegen Espanyol, am 1. Mai 2005 avancierte er mit einem Treffer gegen Albacete mit damals 17 Jahren, 10 Monaten und 7 Tagen zum jüngsten Liga-Torschützen der Klub-Geschichte. Dieser Rekord wurde ihm von Bojan Krkic abgejagt, dafür hat Messi andere aufgestellt. 2012 fiel der Torrekord von Deutschlands "Bomber" Gerd Müller, seit Dezember ist Messi auch Barcelonas bester Liga-Torschütze aller Zeiten. Nun gewann er als erster Spieler zum vierten Mal die FIFA-Wahl.

Nach oben hin scheint es für den Jungvater - mit Lebensgefährtin Antonella Roccuzzo hat Messi seit Anfang November Sohn Thiago - keine Grenzen zu geben. Dass er Barca dabei untreu wird, scheint ausgeschlossen. Erst kürzlich verständigte sich der Rekordtorjäger mit der Vereinsführung auf eine Verlängerung seines 2016 auslaufenden Kontrakts um zwei Jahre bis 2018. Dann wird er 31 Jahre alt sein. Seine vertraglich festgelegte Ablösesumme bleibt bei 250 Millionen Euro.

Leise Kritik

Mit dem Nationalteam hat Messi noch wenig erreicht
Argentina's Lionel Messi gestures after missing a chance to score during a World Cup 2014 qualifying soccer match against Chile … © Bild: AP/Eduardo Di Baia
Den Weg zum Legendenstatus wie Landsmann Diego Maradona muss Messi aber ohne "sein" Barca antreten. Um leise Kritiker wie Pele zu überzeugen, fehlt dem Dribblanski noch der große Erfolg mit der argentinischen Nationalmannschaft. Zwar führte er seine Heimat nicht nur zum U20-WM-Titel 2005, sondern auch zum Olympiasieg 2008, bei seinen beiden WM-Teilnahmen 2006 und 2010 war jedoch im Viertelfinale Endstation.

2014 in Brasilien soll Messi den zweifachen Weltmeister wieder einmal zu höchsten Ehren führen. Dann sollte er es auch zum argentinischen Sportler des Jahres schaffen. 2012 wurde er einigermaßen überraschend nur Zweiter hinter dem Boxer Sergio Martinez.

Messis 91 Tore des Jahres 2012

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Die Elf des Jahres

Die weiteren Preisträger und Preisträgerinnen

Tor des Jahres

Die "Puskas-Trophäe" für das Tor des Jahres heimste mit dem Slovaken Mirsoslav Stoch ein nicht ganz so geläufiger Name ein.

Sehen Sie selbst - alle drei Kandidaten im Vergleich.

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"Weltfußballer": Eine europäische Angelegenheit

Cristiano Ronaldo! Andrés Iniesta!! Lionel Messi!!! An der Nominierung der drei Superstars zur Wahl zum Weltfußballer des Jahres gibt es keine fachlichen Zweifel. Und doch regte sich Unmut vor der FIFA-Wahl am Montagabend. Besonders aus Brasilien kam Kritik: Der eigene Held, Neymar, sei chancenlos.

Brasiliens Zauberfußballer Neymar da Silva Santos Júnior ist bei der jährlichen FIFA-Gala in Zürich gern gesehener Gast. Aber nicht mehr. Zu einer Final-Nominierung für den Hauptpreis hat es für ihn noch nie gereicht. Und das sorgt im Land des Rekordweltmeisters für Ärger.

Der x-te Erbe Pelés habe gar keine Chance auf die renommierte Auszeichnung des Weltverbandes, lautet der Vorwurf. Schlichte Begründung: Neymar spielt beim FC Santos in Brasilien und nicht wie etwa Messi, Ronaldo oder Iniesta bei einem Topverein in einer der stärksten Ligen Europas.

Prominenter Kritiker

"Neymar muss entweder in Europa spielen oder bei der WM 2014 großartige Leistungen zeigen", sagte der dreifache Weltfußballer Ronaldo kürzlich in São Paulo zu den Chancen seines Landsmanns auf die wichtigste persönliche Auszeichnung der Fußball-Welt. Als Ronaldo dies sagte, saß ausgerechnet FIFA-Präsident Joseph Blatter neben ihm. Dieser sah keine andere Möglichkeit, als Ronaldo, dem Weltmeister von 2002, beizupflichten.

Ronaldo übt Kritik
epa03514416 Former soccer players Zinedine Zidane (L) and Ronaldo Luis Nazario de Lima, Ronaldo (R), attend a press conference i… © Bild: APA/NECO VARELLA
Der Weltfußballer wird von den Nationaltrainern und Kapitänen aller FIFA-Mitgliedsländer gewählt. Seit 2010 dürfen auch internationale Journalisten ihr Votum abgeben. Die Gala-Auftritte von Messi und Kollegen sind durch die weltweite Vermarktung des europäischen Fußballs auch weltweit zu sehen. Neymars Wundertaten bleiben dem globalen Publikum oft verborgen. Die spektakulären Tore des 20-Jährigen verbreiten sich am ehesten noch auf der Videoplattform YouTube.

"Er ist der beste Spieler in Brasilien, aber in Europa ist von ihm nur wenig zu sehen", sagte Ronaldo. "Wir kennen sein Potenzial, und er verdient es, auf der Shortlist der besten drei Spieler zu sein, aber die Welt kennt seinen Fußball nicht." Ronaldo selbst gewann seine drei Goldenen Bälle 1996, 1997 und 2002, als er für PSV Eindhoven, FC Barcelona, Inter Mailand und Real Madrid spielte. Eine Lösung für Neymar laut Ronaldo: „"Der kürzeste Weg wäre, für ein großes Team in Europa zu spielen." Doch gerade dagegen hat sich Neymar entschieden, er verlängerte seinen Vertrag bei Santos bis 2014.

Europäische Sache

Der Vorwurf des Eurozentrismus schmeckt der FIFA gar nicht. Doch die Zahlen sind erdrückend: Seit Einführung der Weltfußballer-Wahl im Jahr 1991 spielten die Top Drei alle für einen Verein in Europa. Bei den Siegern sind Spieler des FC Barcelona einsame Spitze.

Cannavaro hat seinen Titel den Leistungen bei der WM zu verdanken
epa02245380 Italy captain Fabio Cannavaro holds the World Cup Trophy before the start of the FIFA World Cup 2010 Final match bet… © Bild: APA/SRDJAN SUKI
Ernsthaft wird niemand an der Berechtigung der Siege von Lionel Messi und Cristiano Ronaldo zwischen 2008 und 2011 zweifeln. Augenscheinlich ist jedoch, dass persönliche Erfolge oder Titel in der Vermarktungsmaschine Champions League mehr wiegen als Leistungen in der Nationalmannschaft.

Der letzte Weltfußballer, der aufgrund seiner Leistungen bei einem großen Turnier gekürt wurde, war Italiens Verteidiger Fabio Cannavaro im WM-Jahr 2006.

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Pressestimmen zur Weltfußballer-Wahl

SPANIEN:

El Mundo: "Messi ist einzigartig. Die Bedeutung von Leo Messi im zeitgenössischen Fußball ist so groß, dass er nicht einmal große Titel gewinnen muss, um auf dem Thron zu bleiben. Der Argentinier ist einzigartig, unvergleichlich, der Beste"

Marca: "Vergöttlichung der spanischen Liga: SPAIN!! EINZIGARTIG, unerreichbar, MESSI"

Mundo Deportivo: "GOLDENER MESSI. Messi ist der Größte. Riesig. Einzigartig. (...) Er pulverisiert Rekorde mit einer erschreckenden Geschwindigkeit. Der Fußball heißt Messi."

ARGENTINIEN:

La Nacion: "Messi ist einzigartig und genial."

Olé: "Jetzt will er auch die WM."

ENGLAND:

Daily Telegraph: "Ronaldo und Iniesta sind Große. Aber Messi ist vom Genie berührt."

The Times: "Barcelonas Tore-König holt sich die vierte Krone."

The Guardian: "Er hat in acht aufeinanderfolgenden Spielen je zweimal getroffen - und fast alle Tore waren von einer Brillanz, die kaum zu begreifen ist."

ITALIEN:

La Gazzetta dello Sport: "Messi IV. Ein historischer vierter Titel. Keiner ist wie Leo"

Corriere dello Sport: "Der vierte Weltfußballer des Jahres-Titel. Historisch! Viele Tore, kein Titel."

Tuttosport: "Messis Super-Poker"

SCHWEDEN:

Dagens Nyheter: "Im Alter von erst 25 scheint Messi der größte Spieler zu sein, den die Welt je gesehen hat. Die 46 Ligatore von Cristiano Ronaldo für Real Madrid und ein EM-Halbfinale mit Portugal waren einfach nicht genug."

NORWEGEN:

VG: "Es war so überraschend wie Schnee im Dezember in Oslo. Das einzige Argument für Ronaldo war, dass Messi schon so oft gewonnen hat, dass Ronaldo am Zug gewesen wäre."

Erstellt am 07.01.2013